Aktuell fehlen in vielen Branchen Fachkräfte und Auszubildende. Besonders schwer tut sich derzeit aber das Bäckerhandwerk, neue Leute zu bekommen. Denn Bäcker sein, das ist schon ein ganz besonderer Lebensstil: nachts arbeiten, tagsüber schlafen, dazu eine körperlich anstrengende Tätigkeit.
Und während der Ausbildung ist das monatliche Einkommen recht gering. Im ersten Lehrjahr sind es gerade mal 680 Euro – brutto. Um neue Auszubildende anzuwerben, hat die Bäckerei Loskarn aus Bamberg in einem Facebook-Post mit der Verdoppelung des normalen Ausbildungsgehaltes geworben und damit ein großes Echo ausgelöst. Aber liegt es allein am Geld?
Auch Erlanger Großbäcker wirbt gezielt um Nachwuchs
Auch der Erlanger Großbäcker „Der Beck“ kämpft mit dem Fachkräftemangel. Um die Attraktivität des Bäckereihandwerkes zu steigern, geht auch das Unternehmen immer wieder neue Wege. „So investieren wir etwa seit Jahren kontinuierlich, um die Arbeit unserer Bäcker und Auszubildenden zu erleichtern“, erklärt der Leiter Marketing und PR, Tobias Ballbach, auf FT-Anfrage.
Der Beck gehe auch gezielt in Schulen und sei viel auf Berufsmessen unterwegs, um die Ausbildungsmöglichkeiten im Bäckereigewerbe vorzustellen und so neue Lehrlinge zu gewinnen.
Aber wäre ein höheres Ausbildungsgehalt eine weitere Anwerbemöglichkeit? „Erfahrungen von Bäckerkollegen haben gezeigt, dass der Gehaltsfaktor nicht das ausschlaggebende Kriterium bei der Wahl einer Ausbildungsstelle ist“, erklärt Ballbach. Vielmehr käme es darauf an, die Entwicklungsmöglichkeiten in der Branche aufzuzeigen.
Zeit zahn Jahren auf der Suche nach einem Lehrling
Ähnlich sehen es die kleineren Bäckereien aus dem Landkreis Forchheim. „Meine Erfahrung ist, mit Geld kann man Leute locken, aber wenn es ihnen keinen Spaß macht, dann sind sie nach zwei Wochen Weg“, sagt Werner Roppelt, Bäckermeister aus Kirchehrenbach. Er sucht bereits seit zehn Jahren einen Lehrling. Ergebnis? „Keine Chance“, so der Bäckermeister.
Abschreckend seien für viele die Arbeitsbedingungen. „Mit neuer Technik kann man ein wenig später anfangen als früher“, erzählt Roppelt, aber es seien trotzdem noch sehr frühe Arbeitszeiten.
Vor 25 Jahren war das noch anders: „Es gab so viele Lehrlinge, da früher eine Lehre ein Sprungbrett war“, erinnert sich der Bäckermeister. Heute sei es anders, der Beruf Bäcker würde keinen mehr interessieren.
Beim Arbeitsamt hat ein Bäcker immer drei Stellen ausgeschrieben
Auch Bäckermeister Erwin Wirth kennt die Herausforderungen: „Wir waren früher in Gräfenberg in den Schulen. Das war viel Aufwand für wenig Ergebnis. Es ist mühselig, Schüler von dem Beruf zu überzeugen.“
Der Bäckermeister wirbt jetzt hauptsächlich im Familien- und Freundeskreis. Beim Arbeitsamt habe er immer drei Stellen ausgeschrieben. „Im Verkauf ist es einfacher, weil es da Quereinsteiger gibt. Aber in der Backstube? Da weiß ich selbst nicht, wie es weiterlaufen soll.“
Doch es gibt sie noch: Die Bäckerei Ort hat aktuell zwei Auszubildende. „Die beiden sind auf mich zugekommen“, berichtet Bäckermeister Georg Ort. Auch er hat Erfahrung mit der schwierigen Suche nach Auszubildenden. Ein höheres Ausbildungsgehalt findet auch er nicht zielführend.
„Doppeltes Gehalt? Das mach ich nicht“, sagt der Bäckermeister. „Ich bilde aus, wenn sie auch möchten.“ Der Zukunft schaut Ort pragmatisch entgegen. „Wenn ich keine Auszubildenden finde, dann bilde ich halt nicht mehr aus“.
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