Gleich zu Beginn stellt Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern die entscheidende Frage: Wer im Saal denn gegen Windkraft sei? Gut die Hälfte der Anwesenden hebt da die Hand. „Wenn sie erst gebaut sind, sind die Zustimmungsraten höher“, antwortet Ruckdeschel.
Das Interesse am Thema ist jedenfalls groß, die Resonanz enorm bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend für die Orte Unterleinleiter und Dürrbrunn zum Thema „Windpark auf der Langen Meile“ in der Mehrzweckhalle von Unterleinleiter. Mehr als 100 sind gekommen. Zwischen Unterleinleiter, Eggolsheim und Ebermannstadt soll dort ein Vorranggebiet für Windkraft ausgewiesen werden.
Ausbau der Windkraft wird immer schneller
Grundsätzlich gehe es darum zu verstehen, an welcher Stelle man stehe und wo die Reise hingehe, so Bürgermeister Alwin Gebhardt. Das auch Gäste aus der Nachbargemeinde zugelassen wurden, begründet der Bürgermeister damit, dass es im Vorfeld Anfragen gegeben hatte: „Wir werden unsere Türen nicht versperren.“
Energieexperte Ruckdeschel ist sich sicher: „Was wir jetzt in Sachen erneuerbarer Energien tun, entscheidet, in welcher Welt unsere Kinder und Enkel einmal leben werden.“ Der Ausbau müsse deutlich schneller gehen, wenn bis 2030 wie geplant 80 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien kommen sollen.
Bund drückt aufs Tempo
Die Regelungen des Bundes setzen dabei die Kommunen unter Druck: Wenn bis 2027 das Ausbauziel nicht erreicht ist, sei man nicht mehr an Vorranggebiete für Windkraftanlagen gebunden, so Ruckdeschel.
Dann könnten sie überall gebaut werden. Ab 1. Juni spiele zudem die 10-H-Regel keine Rolle mehr. Bis zum Jahresende würden die ersten Flächen feststehen und die Kommunen hätten es jetzt in der Hand, diese Entwicklung zu begleiten und auch mitzubestimmen.
Für Freiflächenphotovoltaikanlagen sei bereits seit Januar kein Bebauungsplan mehr nötig. Es werde aber nicht passieren, das in jeder Kommune Windräder gebaut werden. Auch auf der Langen Meile ist noch nichts wirklich entschiedne. Hier beginnt jetzt die eingehende Prüfung und ein jahrelanger Planungsprozess. Ruckdeschel rät, dabei die Bürger an den Windkraftanlagen zu beteiligen, dann hätten die Menschen vor Ort auch etwas davon.
„Was ist geplant an Höhe und Anzahl auf der Langen Meile und was hat der Bürger aus Dürrbrunn dann für eine Belastung ?“, wollte ein Dürrbrunner wissen. „Die Planungen sind erst im Anfangsstadium“, so Ruckdeschel. Fest steht aber, dass die Entwicklung bei der Windkraft weitergeht. Die Windräder werden höher, bis zu 300 Meter, die Flügel länger. „Die sind dann irgendwann Sondermüll“, wandte eine Zuhörerin ein. Dies bestätigte der Experte.
Was ist mit dem Landschaftsschutz?
Eine Grundbesitzerin aus Ebermannstadt meinte, das sich Ebermannstadt zum Ziel gesetzt habe, den ganzen Landkreis mit Strom zu versorgen. Arten- und Landschaftsschutz interessiere da keinen mehr und es müssten viele Bäume gerodet werden, um die Rotorblätter dort hoch auf die Lange Meile zu bringen.
„Bevor man immer mehr Windräder baut, von denen die Hälfte dann still stehen, sollte man erst das Netz ausbauen“, so eine weitere Wortmeldung. Auch hier Zustimmung des Experten. Die letzten zehn bis 15 Jahre habe man beim Netzausbau geschlafen.
„Am Tag zahlen wir dafür das die Nachbarländer unsern zu viel produzierten Strom abnehmen und nachts kaufen wir dann den Strom aus dem Ausland ein“, schimpfte ein Teilnehmer. Ruckdeschel bestätigte dies.
„Hier sitzen lauter verärgerte Bürger die nicht mehr wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. Wann hört diese Regierung endlich auf, uns anzulügen?“, polterte ein Mann von ganz hinten. Eine Antwort bekam er nicht.
Bürgerinitiative will grüne Lunge schützen
Für Christian Amende von der Bürgerinitiative Pro Naturpark Fränkische Schweiz steht fest, das auf der Langen Meile kein Windrad gebaut werden wird. Erst kürzlich sei bekannt geworden, dass in einem Radius von 800 Metern Abstand zum Flugplatz Feuerstein gehalten werden muss. Damit verkleinere sich das Gebiet für Windkraftanlagen merklich.
Für Amende ist es Zeit, Eigeninitiative zu ergreifen, denn es drehe sich ausschließlich „um unsere grüne Lunge auf der Langen Meile“, sagte er unter Applaus. Er sieht auch die Gefahr, dass noch viel mehr Wald gerodet werden muss, der ein wichtiger Filter und Speicher für das Trinkwasser ist. Die Wege müssten von drei Metern auf sieben Meter erweitert werden, um die Anlagen auf den Berg zu bekommen.
„Jetzt soll auf einmal alles hoppla hopp und schnell schnell gemacht werden“, so Amende der das schützenswerte Gebiet so schnell nicht aufgeben will. Amende, der selbst Grundbesitzer auf der Langen Meile ist, ist sich sicher, dass die meisten Grundbesitzer ihren Grund nicht hergeben werden. Dann kämen auch keine Windräder.
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