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Gräfenberg
Streitpunkt Einkaufs-Haltestelle
Durch die neue Bushaltestelle „Am Schönfeld“ werden die Supermärkte direkt angefahren.Forchheim & Fränkische Schweiz
Durch die neue Bushaltestelle „Am Schönfeld“ werden die Supermärkte direkt angefahren. // Petra Malbrich
Signet des Fränkischen Tags von Petra Malbrich
Gräfenberg – Eine neue Bushaltestelle direkt vor den Supermärkten „Am Schönfeld“ verärgert die Inhaber der Frischemärkte in der Ortsmitte von Gräfenberg und Hiltpoltstein: Sie befürchten starke Einbußen.

Es ist 14.59 Uhr als der weiße Midi-Bus der Linie 219 des ÖPNV das Supermarktareal mit „Rewe Markt“ und „Norma“ in Gräfenberg ansteuert und gleich wieder dreht. Kein Mensch sitzt im Bus, kein Mensch steht an der neuen Bushaltestelle „Am Schönfeld“, die zentral in der Mitte der Parkplatzflächen angebracht ist. Schon von weitem hat der Busfahrer den menschenleeren Halteplatz einsehen können.

Wie ein Schlag aus heiterem Himmel für die Nahversorger

Für manche Bürger ist es ein Segen, die Supermärkte erreichen zu können, ohne auf Mitfahrgelegenheiten angewiesen zu sein. Für die beiden Nahversorger „Frische Markt Wölfel“ in Gräfenberg und „Edeka Markt Merkel“ in Hiltpolstein ein Schlag aus heiterem Himmel. Sie erfuhren aus dem Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft von der neuen Haltestelle.

Nicht nur das: Es wird mit dem Hinweis auf die neue Haltestelle im Amtsblatt betont, dass die Bürger damit zwei Mal täglich − vormittags und nachmittags − für ungefähr eine Stunde ihre Einkäufe in den Supermärkten erledigen können. Die Bürger aus Gräfenberg können an fünf Haltestellen zusteigen, die Bürger aus Hiltpoltstein an zweien.

Den Marktinhabern in der Ortsmitte erscheint es wie ein Schildbürgerstreich

Etwas unglücklich: Eine Gräfenberger Haltestelle ist der Marktplatz, fast direkt vor der Tür des Gräfenberger Nahversorgers. Immerhin: „Wir haben noch nichts bemerkt“, sagt Armin Wölfel, der Besitzer des Frischemarktes in Gräfenberg erleichtert. Trotzdem erscheint es ihm wie ein Schildbürgerstreich.

„Man liest überall, dass Ortschaften aussterben und will Nahversorger in den Orten erhalten. Und dann sorgen sie dafür, dass wir ausbluten“, sagt Wölfel. Mit einer besonderen Haltestelle. „Ich habe viel Geld investiert, um den Laden zu halten und ich liefere auch aus“, sagt Wölfel. Selbst einige seiner Kunden würden das Vorgehen als Frechheit titulieren.

Die Inhaber-Familie überlegt, den Nahversorger-Markt aufzugeben

Der Blick nach Hiltpoltstein zeichnet kein besseres Bild. „Unser Laden trägt sich fast nicht mehr“, sagt Barbara Friedmann-Merkel, Besitzerin des Hiltpoltsteiner „Edeka-Markt Merkel“. Schon länger überlege die Familie das Geschäft zu schließen. Doch es gibt einige Stammkunden, die bereits Osterbestellungen aufgegeben haben. Und es gebe „Stimmen im Ort“, auch die der Bürgermeisterin, die bitten, den Laden aufrechtzuerhalten.

Montags haben Merkels den Markt geschlossen − auch wegen der hohen Energiekosten. Dabei bieten sie in ihrem Markt das Vollsortiment. Der Unterschied: „Wir haben nur eine statt fünf Sorten Advocado“.

Armin Wölfel hat erst vor einem Jahr umgebaut und erweitert, um attraktiv zu bleiben. Jetzt hat er noch eine Frischwursttheke dazu bekommen. Als die Meldung im Amtsblatt stand, war zunächst die Frage, wer diese Haltestelle initiiert hat.

Die Nahversorger wollen „durchhalten, solange es geht“

„Es gab vermehrt Anfragen von älteren Bürgern“, sagt Holger Strehl, Pressesprecher am Landratsamt Forchheim. Da keine neue Linie errichtet werden musste, sondern nur eine neue Haltestelle mit zwei zusätzlichen Fahrten pro Tag, sei das problemlos machbar gewesen, so Strehl. „Wir versuchen, den Bürgern entgegenzukommen“, sagt Strehl.

„Wenn die Politik unseren Laden nicht mehr wünscht, was sollen wir ändern?“, fragt Friedmann-Merkel. Sie würden dann eben schauen, wie lange ihr Markt noch gehalten werden kann. Denn nur von dem Becher Sahne, der vergessen wurde im Supermarkt zu kaufen, oder als Sponsor für Weihnachtsmärkte und Events − davon können sie den Markt nicht halten.

 

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