Wohlwollend ließe sich der Zustand der Turnhalle an der Georg-Hartmann-Realschule im Forchheimer Norden mit Siebzigerjahre-Charme umschreiben. Realistisch betrachtet kommt nur ein Wort in Betracht: sanierungsbedürftig.
Dieser Umstand ist seit Jahren bekannt. Nur landete die Turnhalle bisher auf keiner Prioritätenliste der Zuständigen. Das hat sich nun geändert.
Generalsanierung. Energetische Ertüchtigung. Brandmeldeanlage. Photovoltaikanlage. Neue Sportgeräte. Der für die ersten Planungen beauftragte Architekt Stephan Schwarzmann aus Wonsees hat sich mit seinem Team einiges einfallen lassen, um die in den vergangenen 50 Jahren stark in Mitleidenschaft gezogene Sportstätte auf Vordermann zu bringen.
Mängelliste an der Turnhalle ist lang
Das ist auch nötig, die Mängelliste ist lang. Die Dämmmaterialien wiesen Schadstoffe auf, entsprächen nicht mehr den Brandschutzvorgaben, die Heizanlage arbeite sehr ineffektiv, die sanitären Anlagen seien in schlechtem Zustand.
Sogar Legionellenprobleme habe es immer wieder gegeben. „Alle Bauteile sind betroffen“, sagt Schwarzmann. „Wir müssen also von einer Generalsanierung ausgehen.“
Zwar votieren die zuständigen Kreisräte des Bauausschusses am Mittwochnachmittag einstimmig dafür, das Projekt anzugehen. Aber abgeschreckt von den hohen Kosten von mehr als neun Millionen Euro zeigen sie sich vorsichtig.
Baubeginn wohl nicht vor 2026
Zumal sich ein möglicher Baubeginn nicht vor dem Jahr 2026 abzeichnet, die Kosten aber zum heutigen Wissensstand berechnet worden sind. Diese sind im Gegensatz zur ersten Kalkulation im Herbst 2021 bereits um 1,5 Millionen angewachsen. Die Gefahr, dass die Kosten in den nächsten Jahren weiterhin steigen, ist gegeben.
Die Halle ist gut ausgelastet, neben den 970 Realschülern nutzen einige Klassen der benachbarten Adalbert-Stifter-Schule das Parkett für ihren Sportunterricht. Hinzu kommen Hunderte Aktive aus verschiedenen Sportvereinen in der Region. Sie alle sehnen sich nach einer Verbesserung der Halle, sehen gleichzeitig aber einer etwaigen Bauphase mit sorgenvollen Blicken entgegen.
„Es muss unbedingt etwas passieren“, sagt Jürgen Kretschmann.
Der Direktor der Georg-Hartmann-Realschule begrüßt, dass nun endlich Bewegung in die Sache kommt. „Wie wir während der Sanierungsarbeiten den Schulsport organisieren, müssen wir natürlich noch schauen. Aber das kriegen wir hin.“
Forchheims Sportvereine sind wenig optimistisch
Die Sportvereine blicken teils weniger optimistisch auf die Übergangsphase, in der die Halle nicht nutzbar sein wird. Tischtennis, Turnen, Fußball, Handball; eine freie Hallenzeit zu ergattern, gleicht schon jetzt einem Glücksspiel. Fatal, steht den Vereinen über Jahre hinweg eine Drei-Felder-Halle weniger zur Verfügung.
So spricht der Vorstand des HC Forchheim Dirk Samel auf Anfrage gar von einer möglichen Existenzgefährdung, wenn sein Verein über längere Zeit eingeschränkt oder gar kein Training anbieten könnte.
Auch die anderen Sportler blicken mit gemischten Gefühlen in die Pestalozzistraße, wie Recherchen des FT ergibt. Dass saniert werden müsste, darüber herrscht aber Konsens in Forchheims Vereinswelt.
Wie geht es nun weiter? Weil das Projekt nicht mehr grundsätzlich in Frage steht, aber die Kostenfrage weiterhin wie ein Damoklesschwert über dem renovierungsbedürftigen Hallenboden schwebt, wollen sich die Kreisräte Optionen offen halten.
Neubau als Alternative zur Sanierung?
So bringt Edwin Dippacher (CSU) als Alternative zu der angedachten Generalsanierung sogar einen kompletten Neubau ins Gespräch. „Wir müssten das auf jeden Fall gegenrechnen.“ Wenngleich Architekt Schwarzmann die Sanierung ersten Berechnungen zufolge im finanziellen Vorteil sieht, wolle er das nachreichen. Ausgang: offen.
Noch ist Zeit nicht der entscheidende Faktor, trotz aller Mängel sei der Sportbetrieb aufrechtzuerhalten, sagt Tanja Schmidt vom Landratsamt. Und doch wolle man es dringend vermeiden, plötzlich doch in akute Zeitnot zu geraten.
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