Amtsgericht
Betrunken das Rad gefahren oder geschoben?
Hat ein 56-Jähriger sich auf sein Fahrrad gesetzt und ist damit unter Alkoholeinfluss gefahren – und gestürzt? Der Haßfurter Amtsrichter stellte das Verfahren gegen eine Auflage ein.
Hat ein 56-Jähriger sich auf sein Fahrrad gesetzt und ist damit unter Alkoholeinfluss gefahren – und gestürzt? Der Haßfurter Amtsrichter stellte das Verfahren gegen eine Auflage ein.
Sebastian Schanz/Symbolbild
F-Signet von Martin Schweiger Fränkischer Tag
Haßfurt – Eine blutige Platzwunde holte sich ein 56-Jähriger nach einem Biergartenbesuch. Der Sturz brachte ihm überdies ein Verfahren wegen Trunkenheit im Straßenverkehr ein.

Hat ein 56-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis im Sommer am Fronleichnams-Feiertag nach einem Biergartenbesuch in Ebern sein Rad geschoben oder ist er damit gefahren? Diese Frage beschäftigte das Haßfurter Amtsgericht am Mittwoch. Denn dieses kleine Detail machte für den 56-Jährigen, der auf der Anklagebank saß, einen großen Unterschied.

Mit 1,7 Promille im Blut war er auf dem Heimweg auf der Straße gestürzt und hatte sich eine stark blutende Platzwunde im Gesicht zugezogen. Wenn man dabei im Sattel sitzt, macht man sich der fahrlässigen Trunkenheit im Verkehr schuldig.

Einspruch gegen Strafbefehl eingelegt

Die Staatsanwaltschaft ging jedenfalls davon aus und schickte dem Havaristen einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch einlegte – mit Erfolg. Wobei: Der Angeklagte muss dennoch für diesen Abend teuer bezahlen. Das Gericht stellte das Verfahren wegen der unklaren Sachlage ein. Als Auflage muss er allerdings 1000 Euro an die Caritas Haßberge bezahlen.

Alkohol zur Trauerbewältigung

Auf der Anklagebank beteuerte der 56-Jährige, sein Rad geschoben zu haben. Nach dem Konsum von fünf bis sechs Bier im Biergarten habe er am frühen Abend bemerkt, dass er nicht mehr fahren könne.

Er habe aus Frust getrunken, da seine Mutter wenige Tage zuvor verstorben sei. Er habe sich dafür verantwortlich gefühlt, da das Pflegeheim ihn nicht erreicht habe, um ihm mitzuteilen, dass die Mutter ins Krankenhaus wolle.

Aus Frust, Ärger und Trauer habe er getrunken. Normalerweise trinke er keinen Alkohol. Als er sein Rad von der Straße auf den Gehsteig schieben wollte, sei er gestürzt und habe sich im Gesicht und am Knie verletzt und dabei stark geblutet. Ein Bekannter, der zufällig vorbeikam, habe Erste Hilfe geleistet und den Notarzt gerufen.

Dies erwies sich als fatal für den Angeklagten. Denn die Einsatzzentrale verständigte ebenfalls die Polizei, die wenig später eintraf und eine Blutentnahme veranlasste, die den hohen Wert ergab. Da der über der für Radfahrer geltenden Grenze von 1,6 Promille lag, erhielt der Angeklagte den Strafbefehl.

Der damals beteiligte Polizeibeamte, sagte im Zeugenstand, der Angeklagte habe damals zugegeben, gefahren zu sein. Dies sei jedoch vor der Belehrung geschehen, womit die Aussage rechtlich nicht verwertbar ist.

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