Ehrung
Bauern brauchen Persönlichkeiten
Über 30 Jahre stehen diese Bäuerinnen und Landwirte schon an der Spitze ihres Berufsstandes in ihrer Gemeinde.
Über 30 Jahre stehen diese Bäuerinnen und Landwirte schon an der Spitze ihres Berufsstandes in ihrer Gemeinde.
Foto: Günther Geiling
F-Signet von Günther Geiling Fränkischer Tag
LKR Haßberge – Klaus Merkel und Rudi Ruß stehen wie kaum andere im Landkreis für die Sache der Landwirte ein. Im Fall Ruß kommen die Winzer hinzu.

Langjährige Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner standen im Mittelpunkt eines Ehrenabends, den der Bayerische Bauernverband (BBV) des Landkreises Haßberge in der „Heilig-Länder-Halle“ in Neubrunn veranstaltete. Dabei wurden verdiente Funktionäre für ihr jahrzehntelanges Engagement in ihren Gemeinden geehrt.

Rudi Ruß aus Sand wurde gewürdigt mit dem Titel „Ehrenobmann“ und Klaus Merkel aus Mariaburghausen mit „Ehren-Kreisobmann“ – zwei außergewöhnliche Ehrungen.

Zwei außergewöhnliche Auszeichnungen erhielten diese Funktionäre im Landkreis Haßberge (von links): Der unterfränkische BBV-Präsident Stefan Köhler und Kreisbäuerin Cäcilie Werner gratulierten Ehren-Obmann Rudi Ruß und Ehren-Kreisobmann Klaus Merk...
Zwei außergewöhnliche Auszeichnungen erhielten diese Funktionäre im Landkreis Haßberge (von links): Der unterfränkische BBV-Präsident Stefan Köhler und Kreisbäuerin Cäcilie Werner gratulierten Ehren-Obmann Rudi Ruß und Ehren-Kreisobmann Klaus Merkel; ebenso Bezirksbäuerin Maria Hofmann sowie BBV-Kreisobmann Dieter Reisenweber.
Foto: Günther Geiling

Der kürzlich gewählte Kreisobmann Dieter Reisenweber würdigte die Funktionäre als Vermittler der Kultur des Berufsstandes. Bezirksbäuerin Maria Hofmann würdigte die Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner und ihre Kraft zu immer neuen Ideen. Den Landfrauen sprach sie ihre Anerkennung aus, dass sie wieder den Ernteball anboten und sich an der Mainfrankenmesse beteiligten. Ebenso hätten sie den Tag für das bayernweite Projekt „Landfrauen machen Schule“ super vorbereitet. „Ohne Landfrauen kann man leben, aber es ist nicht erstrebenswert“, warf sie ein und wünschte, „dass ihr euer Ehrenamt nicht nur als Arbeit anseht, sondern als Chance und diese als Bereicherung eurer persönlichen Biografie annehmt“.

Ein Streiter für die gute Sache

Landrat Wilhelm Schneider dankte Klaus Merkel für seine engagierte Arbeit als Kreisobmann in den letzten 15 Jahren. „Wir brauchen Menschen, die Verantwortung übernehmen und das gerade in einer nicht so freundlichen Zeit für die Landwirtschaft. Deswegen schätze ich es ganz hoch ein, dass ihr den Kopf nicht in den Sand steckt. Ich hoffe, dass die Rahmenbedingungen wieder besser und verlässlicher werden, denn die Landwirtschaft braucht mehr Planungssicherheit.“

Mit der „Silbernen Ähre“ wurden diese Bäuerinnen und Landwirte ausgezeichnet.
Mit der „Silbernen Ähre“ wurden diese Bäuerinnen und Landwirte ausgezeichnet.
Foto: Günther Geiling

Es waren über 170 Frauen und Männer, die für 15-jährige Tätigkeit die „silberne Ähre“ überreicht bekamen, einige wurden sogar für 50 und 60 Jahre geehrt.

Über Jahrzehnte Frontleute

Zwei Persönlichkeiten standen im Mittelpunkt. BBV-Obmann Rudi Ruß ist in Sand von 1972 bis jetzt und damit 50 Jahre Ortsobmann und kümmerte sich immer um Brennpunktthemen. „Der Kiesabbau ist immer ein Thema gewesen und auch beim Mainausbau hat er die Interessen seiner Bauern gebündelt.“ Ebenso habe der Winzer Ruß sich für seine Berufskollegen engagiert bis hin zu Bewässerungsprojekten oder Vermarktung. Beim Gänsemanagement hätte es „ohne seine Vorarbeit … die Zahlungen in den Jahren von 2013 bis 2018 nicht gegeben.“ Nun sei die Nilgans im Jagdrecht verankert und Gelege-Behandlung möglich.

Respekt vor dem Charakter

Klaus Merkel stand von 2007 bis 2022 an der Spitze des Kreisverbands. BBV-Präsident Stefan Köhler unterstrich: „Lieber Klaus, ich bedaure, dass du schon so früh dieses Amt aufgibst, denn du hast überdurchschnittliches Engagement für den Berufsstand gezeigt. Du hast sowohl fachlich als auch im Zusammenhalt im Kreisverband hervorragende Arbeit geleistet.“ Merkel habe sich eingesetzt im Acker- und Pflanzenbau, im BBV-Umweltausschuss, habe Respekt errungen bei den unterfränkischen Saatgetreideerzeugern und für die Organisation der Feldtage in Mariaburghausen.

Unvergessen auch sein Einsatz bei der Diskussion um den Nationalpark Steigerwald und im Gänsemanagement. Klaus Merkel habe dazu immer mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf die Themen aufmerksam gemacht. Herausragend sei unter seiner Ägide der Ernteumzug in Neubrunn mit Präsident Heidl gewesen, und Merkel habe im Kreistag und in der Öffentlichkeit den Berufsstand mit seinen Vorträgen über eine moderne Landwirtschaft sehr gut vertreten.

Der neue Ehren-Kreisobmann dankte und nahm die Anmerkung von Landrat Schneider auf, „dass die Landwirte nicht an allen schuld sind“. Wenn jemand Kühe hinsichtlich des Methanausstoßes als „Klimakiller“ bezeichne, sei es „besser, wenn sich solche Leute mit Verstand ums Klima kümmern und nicht mit Parolen an diese Sache herangehen.“

Radikale Umweltschützer

Die Nationalparkdiskussion um den Steigerwald bezeichnete Klaus Merkel als Glanzlicht seiner Amtszeit. Sie habe gezeigt, wie radikal Umweltschützer werden könnten. Mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber habe er die emotionalste Veranstaltung beim Gänsemanagement erlebt: „Es war das erste Mal, dass eine Ministerin danach auf mich zugegangen ist und nach eignen Aussagen geflasht von den Emotionen war.“ Darauf habe sich etwas bewegt.

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Klaus Merkel bedankte sich bei den Landfrauen für die gute Zusammenarbeit und meinte „auf euch war immer Verlass, egal ob es bei der jetzigen Kreisbäuerin Cäcilie Werner oder ihrer Vorgängerin Astrid Baum war. Ich halte es aber für wichtig, dass ihr nicht nur eure Arbeit tut, sondern euch auch politisch engagiert, zumal ihr Mitunternehmerinnen seid.“

Auszeichnungen als BBV-Ortsleute

erhielten für 60 Jahre: Anton Limpert (Reutersbrunn); 50 Jahre: Ludwig Engel (Roßstadt), Rudi Ruß (Sand), Henriette Schad (Gleusdorf), Lothar Greb (Ottendorf); 40 Jahre: Anna Krug (Happertshausen), Gertrud Leyh (Losbergsgereuth), Ilse Merz (Gückelhirn), Ilse Schmidt (Wasmuthausen), Willi Ebert (Hohnhausen), Helga Gehringer (Sailershausen), Heinrich Gerd (Lendershausen), Horst Pleiner, (Sylbach), Josef Zehendner (Gleisenau), Manfred Kettler (Rabelsdorf), Helga Limpert (Reutersbrunn), Manfred Schmitt (Limbach).

Über 40 und 50 Jahre führen sie schon ihre Funktion auf Gemeindeebene aus.
Über 40 und 50 Jahre führen sie schon ihre Funktion auf Gemeindeebene aus.
Foto: Günther Geiling
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