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Prozess am Landgericht
Höchstadter randaliert im Gefängnis mit Fäkalien-Bombe
Rechtsanwalt Thomas Skapczyk aus Erlangen spricht mit dem Angeklagten aus Höchstadt.
Rechtsanwalt Thomas Skapczyk aus Erlangen spricht mit dem Angeklagten aus Höchstadt. // Udo Güldner
Höchstadt a. d. Aisch – Ein Mann aus Höchstadt steht vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Im Gefängnis hat er sich übelst verhalten. Ein Exkremente-Cocktail als Waffe gegen die JVA-Wärter war nur eine seiner ungeheuerlichen Taten.

Die beiden Beamten sind auf ihrer alltäglichen Runde. Sie bringen den Gefangenen in der JVA Nürnberg ihr Abendbrot. Dazu müssen sie die Zellen nicht betreten. Sie reichen das Tablett mit der Mahlzeit durch eine Öffnung, die sich Kostklappe nennt. Diesmal aber kommt es nicht dazu. Ohne jede Vorwarnung trifft ein Schwall aus abgestandenem Urin und verquirltem Kot die beiden Justizbediensteten.

Landgericht Nürnberg Fürth: Höchstadter randaliert im Gefängnis

Der Mann vorne an der Zellentür bekommt die volle Ladung ab – in den zufällig geöffneten Mund. Dieses traumatische Geschehen sorgt dafür, dass er dauerhaft dienstunfähig wird. Aber auch sein Kollege, der hinter ihm steht, wird von der ekligen Brühe erwischt. Gesicht und Haare, sowie der Oberkörper sind verdreckt. Minutenlang kämpfen die beiden JVA-Mitarbeiter mit dem Würgereiz.

„Ich habe mich noch nie so erniedrigt gefühlt. Es war die schlimmste Erfahrung meiner ganzen Dienstzeit.“ Dann flüchten sie sich in die Dusche und später zum Arzt, um abzuklären, ob sie sich eine ansteckende Krankheit eingefangen haben. Die Fäkalien-Bombe hat der 45-jährige Mann aus Höchstadt gebastelt, der sich unter anderem wegen eines Flaschenwurfs auf ein fahrendes Auto am Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten muss. In seinem Halbliter-Trinkbecher hat er seine eigenen Exkremente gesammelt. Einen weiteren Pappbecher mit stinkendem Inhalt hatte er noch in Reserve.

Mann aus Höchstadt: Exkremente-Cocktail als Waffe

Es ist nicht der einzige Vorfall hinter Gitter. Ein andermal schafft es der Gefangene, mit Hilfe einer ausgebauten Schranktür und eines für seine Zwecke günstig angebrachten Heizkörpers, die nach innen aufgehende Zellentür zu verbarrikadieren. Die Justizbediensteten müssen einen hydraulischen Spreizer einsetzen, wie ihn sonst nur die Feuerwehr benutzt, um eingeklemmte Personen aus Fahrzeugen zu bergen.

Als der Heizkörper endlich nachgibt und sich der Eingang einen Spalt weit öffnet, wird es für den Beamten draußen gefährlich. Von drinnen hört man die Drohung: „Der erste, der reinkommt, dem schlage ich den Kopf ab“. Der Häftling versucht daraufhin, ihn mit einem abgebrochenen Löffel aus Metall zu treffen. Doch die Stichbewegungen mit dem spitzen Gegenstand verfehlen ihr Ziel.

JVA Nürnberg: Sicherheitstruppe stürmt die Zelle

Erst die Androhung, ihm eine schmerzhafte Ladung mit dem „Jet Protector“ zu verpassen, entschärft die Situation. Vor dem bis zu 600 Stundenkilometer schnellen Strahl eines chilihaltigen Reizgels mit einem Schärfegrad um die 400.000 Scoville hat der renitente Gefangene Angst. Danach stürmen Mitglieder der Sicherungsgruppe mit Schutzschilden die Zelle.

Wenn er mit irgendetwas unzufrieden ist, dreht der Mann aus Höchstadt durch. Etwa wenn die Essensportionen seiner Meinung nach zu mickrig sind, wenn er wegen irgendwelcher Kleinigkeiten nicht sofort zum Arzt gebracht wird, oder man auf sein Klingeln nicht umgehend reagiert. Mehrfach droht er: „Ich werde so viele von Euch wie möglich umbringen. Ich habe nichts mehr zu verlieren“.

Seine Hafträume und sein Zimmer in der Psychiatrie verwüstet der Mann immer wieder. Er setzt sie mittels einer verstopften Toilette unter Wasser, pinkelt in die Ecken oder setzt Papierreste in Brand. Er zerdeppert Lampen, reißt Waschbecken aus der Verankerung oder kleistert die Gegensprechanlage mit gekochten Klößen zu.

Wärter drohen Mann aus Höchstadt mit Elektroschockern

Er lässt sich auch nicht davon beeindrucken, dass man ihn in besonders gesicherte Hafträume verlegt. Auch dort schafft er es, mit einer schweren Ledermatratze die Zellentüre zu blockieren – wenn auch nur für kurze Zeit. Auch im Bezirkskrankenhaus Erlangen terrorisiert der Mann seine Mitbewohner und das Pflegepersonal. Er beleidigt, bedroht und bespuckt sie, wirft mit Essen um sich und beschmiert Wände mit seinem Kot. „Er sagte, wenn wir seine Wünsche nicht erfüllen, dann passiert was“, so ein Klinik-Mitarbeiter.

Nur mit Mühe und einer einwöchigen Ganzkörper-Fixierung mittels Lederriemen oder der Drohung mit einem Elektroschocker kann man ihn etwas unter Kontrolle bringen. Aber nicht lange. Er droht, wenn er wieder in Freiheit sei, werde er den medizinischen Mitarbeitern die Augen ausstechen, die Hände abhacken oder sie in den Rollstuhl prügeln. Am Ende schafft er es sogar, dass man das macht, was er möchte. Man lässt ihn morgens länger schlafen und täglich an eine Spielekonsole.

Prozess am Landgericht Nürnberg-Fürth

Im Prozess am Landgericht Nürnberg-Fürth geht es nun darum, wie es mit dem Mann weitergehen soll. Ob er voll zurechnungsfähig ist und deshalb ins Gefängnis muss. Oder ob er aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht weiß, was er tut und sich auch nicht unter Kontrolle hat. Und welche Rolle seine Alkoholabhängigkeit spielt. Womöglich muss er lange Zeit in die geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Einrichtung – falls der Gutachter Michael Wörthmüller aus Erlangen und die Zweite Strafkammer zu dem Ergebnis kommen, dass er für die Allgemeinheit eine Gefahr darstellt. Fortsetzung folgt.

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