Beim Fußball verbinden die Deutschen keine guten Erinnerungen mit Italien. Beim Essen und Trinken sieht das ganz anders aus. Pizza und Pasta, Mittelmeerweine und Aperol stehen hoch im Kurs, laut einer Forsa-Umfrage belegt die italienische Küche bei den Deutschen Platz 2 in der Gourmet-Gunst. Längst überfällig scheint da die Idee, den italienischen Küchen-Flair auch auf die Marktplätze zu bringen und ein Event daraus zu schmieden.
Gesagt, getan. Das Citymanagement Erlangen lädt ab dem 19. Juni gemeinsam mit den Veranstaltungsplanern Zametzer und Krohn aus Poxdorf (Landkreis Forchheim) zum Festa Italica auf dem Schlossplatz Erlangen ein. „Eine unvergessliche Reise durch die Kultur und den Geschmack Italiens“ soll das fünftägige Event sein, versprechen die Veranstalter. Und tatsächlich klingen die Ankündigungen nach mehr als nur einem Hauch Dolce Vita.
Festa Italica soll auch Innenstadthandel in Erlangen ankurbeln
Zumal italienische Musik und typische Requisiten wie Vespas und Weinpresse vergessen lassen sollen, dass man gerade eben nicht über die Piazza del Duomo in Florenz wandelt oder in einem kleinen sizilianischen Bergdorf diniert. Ganz uneigennützig kümmert sich die Stadt Erlangen freilich nicht um ein solches Großevent. Christian Frank, Geschäftsführer und zweiter Vorstand des Citymanagements, erhofft sich vom Festa Italica eine Frequenzsteigerung für die gesamte Innenstadt. „Die Menschen kommen nicht mehr nur zum Einkaufen in die Innenstadt“, sagt er. Es brauche neben einem ausgewogenen Branchenmix regelmäßige Highlights.
Highlights wie das Anfang Mai ebenfalls auf dem Schlossplatz stattgefundene Weinfest. Highlights wie die Bergkirchweih. Highlights wie das neue Festa Italica. Die Idee kommt aus Franks Büro, Planung und Durchführung habe Frank laut eigener Aussagen aber hauptsächlich ausgelagert – an die Eventmanagement-Firma Zametzer und Krohn. Sie organisiert unter anderem die Weinfest-Tour mit Stopps in Bamberg und Erlangen sowie zahlreiche weitere Großevents in ganz Franken.
Bamberg: Premiere des Festes von Diskussionen begleitet
Bei der Premiere in Bamberg hatte es kurz vor dem Festival Unstimmigkeiten gegeben. Sowohl einige ortsansässige Händler und Gastronomen sowie der italienische Kulturverein „mosaico italiano“ monierten, dass sie nicht an dem Fest beteiligt waren, nicht einmal vorab gefragt worden sind. Dabei müsste es doch dem Stadtmarketing darum gehen, „den Wirtschaftsraum Innenstadt zu stärken“, kritisierten sie. Dies sei bei der Zusammenarbeit zwischen Veranstalter und Organisator kein Thema gewesen.
Auch in Erlangen solche Unstimmigkeiten?
Nun steht das Festa Italica in der Geburtsstadt der Fest-Idee an. Gibt es auch in Erlangen ähnliche Diskussionen? „Nein“, sagt Citymanagement-Chef Christian Frank. „Das ist kein Thema bei uns. Alle Akteure wissen von dem Fest, abgeschreckt hat es niemanden.“ Ganz im Gegenteil sei es, dass viele lokale Gastronomen sowieso lieber die Finger von solchen Großveranstaltungen ließen, schon allein des Aufwands wegen.
Das sieht Giuseppe Andolina ähnlich. Er sitzt dem Italienisch-Deutschen Verein Erlangen vor und freut sich auf das Fest. „Auch wir sind vorab nicht gefragt worden“, bestätigt er zwar. Aber die Vereinstätigkeit sei aktuell nicht sehr rege und die italienische Community in Erlangen würde auch nicht derart umtriebig agieren, wie es beispielsweise in Bamberg der Fall ist. Von daher stünde dem Fest sowieso und auch der Art der Ausrichtung aus seiner Sicht nichts entgegen.
Aus Sicht von Oliver Brand auch nicht. Auf Anfrage, wie der Betriebsleiter des italienischen Restaurants Locanda zu dem Fest stehe, weiß er zunächst gar nichts damit anzufangen. Aber: „Wir sind immer froh, wenn auf dem Schlossplatz etwas stattfindet, viele Gäste kommen dann auch zu uns“, sagt er. Und selbst wenn man ihn gefragt hätte, derzeit hätte er für Aktivitäten über den Restaurantbetrieb hinaus gar nicht die Kapazitäten.
Eventmanagement-Firma Zametzer und Krohn: „Voller Erfolg"
Das hört Joachim Krohn oft. Er führt gemeinsam mit Markus Zametzer den Veranstaltungsbetrieb, der sich um die Ausrichtung des Festa Italica kümmert. „Ich war sehr verwundert über die Schärfe der Diskussion in Bamberg“, sagt Krohn unserer Redaktion. Zwar sei die Misere mit dem dortigen Kulturverein ein Fehler gewesen, den er zu entschuldigen suche. „Aber lokale Restaurants haben in der Regel tatsächlich kein Interesse“, sagt er.
Daher arbeite er mit Profis (hauptsächlich mit italienischen Produkten direkt aus Italien angereist) zusammen, die sich auf solche Veranstaltungen spezialisiert haben. Es seien Massenveranstaltungen, da müsse die schnelle Versorgung vieler Menschen reibungslos funktionieren. „Und das hat sie, das erste Festa Italica in Bamberg war ein voller Erfolg“, so Krohn.
Einen vollen Erfolg erhofft sich auch Christian Frank für „seine“ Innenstadt. Mit wie vielen Menschen er rechne, sei schwer zu sagen. Wetter und EM-Spielplan hießen die beiden großen Unbekannten, aber viele Tausend Besucher erhoffe er sich schon. Die deutschen Mägen könnten ihm Hoffnung machen – allein knapp zehn Kilogramm Nudeln verspeiste im Wirtschaftsjahr 2022/23 jeder Deutsche. Was er sich hingegen nicht erhofft, wären derlei Diskussionen wie in Bamberg. Statt Drama lieber Dolce vita.
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