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Zoff um Bambergs City-Events
„Festa Italica“: Stadtmarketingchef Stieringer unter Druck
Maxplatz Bamberg aus der Luft im Mai 2024 gezoomt
Aus der Luft sieht der Maxplatz die meiste Zeit des Jahres wie ein leeres Schachbrett aus. Seit Jahrzehnten wird über die angemessene Nutzung und eine schönere Gestaltung von Bambergs zentralstem Platz gestritten. // Joshua Greene/Bürgerverein Bamberg Mitte
Bamberg – Im Streit um den Sinn der vom Stadtmarketing organisierten Großevents in Bamberg verlangt nun auch der Bürgerverein Mitte mehr Einbindung lokaler Akteure. Verteidigt wird Stadtmarketingchef Stieringer von unerwarteter Stelle.

Der Vorsitzende des Bürgervereins Mitte Heiko Küffner weiß um den Unmut mit den Großevents auf dem Maxplatz. In der aktuellen Ausgabe der „Inselrundschau", dem Vereinsmagazin, äußern sich zahlreiche Unternehmer und Einzelhändler des Inselgebiets. Die Meinungen reichen von „Die Veranstaltungskonzepte des Stadtmarketings sind von vorgestern“, „Weniger Großevents, weniger Kommerz, weniger Veranstaltungen für die große Masse“ über „Die Events ruinieren den Maxplatz” bis „Vielleicht würde ein Förderverein mehr für die Innenstadt bringen als das Stadtmarketing“ und: „Das Stadtmarketing sollte liquidiert und in die Stadtverwaltung integriert werden“.

Bürgervereinschef Küffner: Die meisten Einzelhändler profitieren nicht

Küffner sagt: „Die meisten Einzelhändler profitieren nicht von den Festen und Veranstaltungen in ihrer derzeitigen Form.“ Es sei ein Unding, die lokale italienische Gemeinde beim „Festa Italica“ nicht mit einzubeziehen. Es müsse künftig viel mehr auf die Qualität und Nachhaltigkeit der Veranstaltungen geachtet werden und darauf, dass lokale Akteure schon bei deren Planung einbezogen werden.

Warum ist Public Viewing bei Sportereignissen immer am Maxplatz?

„Warum zum Beispiel müssen die großen Public-Viewing-Events bei Sportereignissen auf dem Maxplatz stattfinden? Hätte es nicht mehr Sinn, diese in Zusammenarbeit mit einem Fußballverein oder mit den Bamberg Baskets zu machen?“, fragt der 58-Jährige.

Das Dilemma des Maxplatzes: Er wird für Großevents freigehalten

Das Dilemma des Maxplatzes sei, dass der Platz seitens der Stadtverwaltung als Veranstaltungsbühne freigehalten werde - und damit echte Maßnahmen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität wie Baumpflanzungen, Begrünungen und Entsiegelung zunichte gemacht würden.

Ausgelöst wurde der Streit durch das noch bis Sonntag auf Bambergs zentralstem Platz, der eigentlich so etwas wie die gute Stube der Stadt sein könnte, stattfindende „Festa Italica“. Das italienische Genuss- und Musikfest hatte das Stadtmarketing ohne Bambergs italienische Gemeinschaft geplant und von einem externen Dienstleister durchführen lassen: der „Fullservice-Eventagentur“ Zametzer und Krohn aus Poxdorf (Landkreis Forchheim).

Nur jeder fünfte Innenstadthändler fühlt sich vom Stadtmarketing unterstützt

Inselbewohnerin und Bürgervereinsbeirätin Gisela Schlenker verweist auf eine Unternehmerbefragung durch die IHK Oberfranken aus dem Dezember 2020, in der sich nur 22 Prozent der Bamberger Innenstadteinzelhändler zufrieden mit der Unterstützung durch das Stadtmarketing zeigten. „Ich hoffe sehr, dass im Stadtrat nun wirklich die Arbeit und Zahlen aus dem Stadtmarketing auf den Prüfstand gestellt werden.“

CSU, Grüne und SPD ziehen Stieringer zur Rechenschaft

Im Stadtrat verlangen die drei Fraktionen CSU, Grüne und SPD von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und seiner Stadtverwaltung in einer Anfrage inzwischen einen umfassenden Rechenschaftsbericht von dem jährlich mit 70.000 Euro von Bambergs Steuerzahlern mitfinanzierten Verein und seinem umstrittenen Vorsitzenden Klaus Stieringer. Sie wollen wissen, inwieweit der Stadtmarketingverein selbst finanziell davon profitiert, wenn wie beim „Festa Italica“ ein auswärtiger Veranstalter das Event durchführt und welche Gebühren dabei für die Nutzung des Maxplatzes erhoben werden.

CSU-Fraktionschef Seitz sauer: Vorstoß war nicht mit mir abgestimmt

Doch offenbar war das nicht mit CSU-Fraktionschef Gerhard Seitz abgeklärt. Der ehemalige Chefpathologe im Klinikum Bamberg meldete sich dazu aus dem Urlaub bei Radio Bamberg und erklärte: Er sei überrascht von dem nicht abgestimmten Vorstoß. Als Wirtschaftspartei stehe die CSU hinter dem Stadtmarketing, man habe mit Anne Rudel ein Fraktionsmitglied im Stadtmarketing-Vorstand. Es gebe die geforderten mündlichen Berichte, gravierende Fehler sehe man nicht.

Seitz springt Stieringer zur Seite

Auch auf Facebook ergreift Seitz ungewöhnlich hartnäckig Partei für Stieringer. Einen User, der nach dem Nutzen der Stadtmarketing-Events für die Bamberger Wirtschaft gefragt hatte, maßregelte er in dem sozialen Netzwerk mit den Worten: „Bevor man hier schwadroniert, bitte ordentliche Recherche. (…) Sie fallen auf den Streit eines italienischen SPDlers (gemeint ist der Vorsitzende des Vereins Mosaico italiano Bamberg, Marco Depietri, Anm. der Redaktion) mit seinem ehemaligen Parteigenossen herein. Ein Bamberger Italiener hat einmal sinngemäß gesagt: Wenn ein Italiener ein politisches Amt will, opfert er auch seine Mutter?!“

In der CSU-Fraktion brodelt es: Wie viel Rückhalt hat Seitz noch? 

Mehrere Fraktionskollegen reiben sich ob der Parteinahme verwundert die Augen. „Anstatt sachlich zu diskutieren wird Seitz diffamierend und rassistisch beleidigend. Selbes Schema wie Stieringer“, lautet eine Äußerung dazu. Beobachter sehen den Rückhalt für Seitz, mit dessen Führungskultur in der Fraktion offenbar viele hadern, nun weiter schwinden, die Fraktion sogar vor dem Zerbrechen.

Zerbricht an Stieringer die CSU-Fraktion?

Bereits im Januar kulminierte der Zoff in der elf-köpfigen Fraktion in einem öffentlichen Brandbrief von Seitz. Damit versuchte er seine Stellvertreter Peter Neller und Ursula Redler an die Kandare zu nehmen und bezichtigte sie, vertrauliche Interna an die Medien gegeben zu haben. Kurz danach zog er sich Ärger zu, weil er verunglückend von einer „kunterbunten Mehrheit“ sprach, die es gebraucht habe, um mithilfe der AfD im Stadtrat die beiden städtischen Referenten Christian Hinterstein und Stefan Goller wieder zu bestellen. 

Fullservice-Eventgentur führt Weinfest und „Festa Italica“ durch

Veranstaltet wird das Fest von dem Veranstaltungsdienstleister Zametzer und Krohn, der sich auf Großevents im öffentlichen Raum spezialisiert hat. Das „Festa Italica“ findet in der gleichen Form im Juni auch in Erlangen und Bad Kissingen statt. Im Auftrag von Stadtmarketing Bamberg richtet die 200 Mitarbeiter starke Event-Agentur auch das Bamberger Weinfest aus und veranstaltete mehrmals den Weihnachtsmarkt, beides ebenfalls auf dem Maxplatz.

Politisch wendig: Klaus Stieringer

Stieringer startete seine politische Karriere zunächst bei der Bremer CDU, kam für die „Bamberger Realisten“ in den Bamberger Stadtrat, wechselte zur SPD, wurde dort Fraktionsvorsitzender und war als Konsequenz aus der Fake-Account-Affäre fraktionslos. Er und ihm Nahestehende sollen mit falschen Namen auf Facebook Stimmung gegen politische Gegner und Medien gemacht haben. Im August vergangenen Jahres nahm ihn schließlich Stadträtin Daniela Reinfelder in ihren Wählerverein Bambergs unabhängige Bürger (BuB) auf.

Klaus Stieringer wechselt im Stadtrat zu Daniela Reinfelders „Bambergs unabhängigen Bürgern“ (BuB). Das überrascht wenige – wohl aber, dass dies Auswirkungen auf die Sitzverteilung in den Fachsenaten haben könnte.
Im August 2023 wechselte Klaus Stieringer (re.) im Stadtrat zu Daniela Reinfelders (li.) „Bambergs unabhängigen Bürgern“ (BuB). Das überraschte damals wenige. // Daniela Reinfelder

Zu viel Verbrüderung an der Regnitz?

Neben seinem Stadtratsmandat und der Geschäftsführung im Stadtmarketingverein fungiert Stieringer beim Wohlfahrtsverband AWO Bamberg Stadt und Land als Kreisvorsitzender - und ist „Altstuhlmeister“ der Bamberger Freimaurerloge „Zur Verbrüderung an der Regnitz“. Viele sehen genau in dieser Verbrüderung das Problem: Durch die Ämterverquickung des 54-Jährigen seien für das Gemeinwohl abträgliche Abhängigkeiten entstanden, die Transparenz und Kontrolle seiner Tätigkeiten erschwerten.

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