Das Werk von Josef Klug, Rainer Zech, Patrick Sturm und Bernd Franta besticht durch seine umfangreiche Bebilderung der Fuhrparkgeschichte von den Anfängen der Motorisierung in der Zwischenkriegszeit bis hin zu den modernsten Einsatzfahrzeugen von heute. Gegliedert ist das Buch nach den Fahrzeugarten von den im Laufe der Jahrzehnte in Erlangen eingesetzten Kommandowagen über Tanklöschfahrzeuge und Drehleitern bis hin zu den erst in jüngster Zeit ganz neu dazu gekommenen und multifunktional einsetzbaren Wechselladerfahrzeugen. Es macht ganz einfach Freude, durch rund ein Jahrhundert der Erlanger Feuerwehrgeschichte zu schmökern und dabei eine Zeitreise durch den technischen Fortschritt zu unternehmen.
Schwarz-Weiß-Fotos als Dokumente der Zeitgeschichte
Wie stark sich die Einsatzfahrzeuge der Erlanger Feuerwehr verändert haben, fällt gleich auf den ersten Seiten ins Auge. Der erste gezeigte Funkkommandowagen der Erlanger Floriansjünger war ein Kübelwagen vom Typ VW 181: Ein Cabrio mit Faltverdeck, mit umklappbarer Windschutzscheibe, mit einem einzigen Blaulicht und mit einer rustikalen Ausstattung, weil das Fahrzeug einer Baureihe entstammte, die ursprünglich für militärische Zwecke entwickelt worden war. Heute ist der Kommandant ebenso komfortabel wie flott mit einem 5er-Touring von BMW aus dem Baujahr 2023 unterwegs - einem Hybridfahrzeug mit einem Benzin- und einem Elektromotor mit über 200 PS.
Zu den herausragenden Stärken des Bildbands gehören die zahlreichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus der Frühzeit des motorisierten Brandschutzes in Erlangen, die auch Einblicke in das damalige Stadtbild erlauben und damit echte Dokumente der Zeitgeschichte sind. Beim Durchblättern der 157 Seiten können sich außerdem nicht nur die Fans der Lkw-Hersteller Mercedes-Benz und Magirus-Deutz freuen, die über die Jahrzehnte die deutliche Mehrheit der Erlanger Einsatzfahrzeuge lieferten.
Kleine Feuerwehren werden gewürdigt
Auch Pkw-Klassiker wie der erste VW Passat Variant, die BMW-Baureihe E12 oder der Mercedes-Benz „Strich-Acht“ werden im Bild vorgestellt. Besonders schön ist, dass nicht nur die Fahrzeuge der Ständigen Wache an der Äußeren Brucker Straße abgehandelt werden, sondern dass auch alle kleinen Feuerwehren in den Stadtteilen und auch die Werkfeuerwehren der in Erlangen ansässigen Unternehmen wie insbesondere Siemens in dem Buch angemessen gewürdigt werden.
Leider hat der Bildband aber auch seine unübersehbaren Schwächen. Dazu gehören deutliche Lücken in den Datensammlungen, die den Fahrzeugbildern zur Seite gestellt werden. Da fehlen besonders bei den älteren Autos häufig die Jahreszahlen, wann ein Fahrzeug angeschafft und wann es außer Dienst gegangen ist. Von wann bis wann beispielsweise der schon erwähnte VW 181 im Einsatz war, bleibt deswegen unklar.
Es wäre auch nett gewesen, wenn das Wissen, welche der ehemaligen Erlanger Einsatzfahrzeuge nach ihrer Außerdienststellung nicht verkauft oder verschrottet worden, sondern bis heute als Oldtimer erhalten geblieben sind, nicht nur ein Privileg von ein paar wenigen intimen Kennern der regionalen Oldtimerszene geblieben wäre, sondern seinen Weg an die passende Stelle im Buch gefunden hätte. So kümmert sich etwa die Feuerwehr Heßdorf um einen VW „Bulli“ T1 der ehemaligen Feuerwehr des Erlanger Bezirkskrankenhauses und im Stadtteil Eltersdorf wird ein 1972 gebautes Löschgruppenfahrzeug LF 8 der Marke Hanomag-Henschel für die Nachwelt erhalten. Der Leser des Bildbands „Feuerwehr Erlangen“ erfährt davon jedoch leider nichts.
Die Texte sind fehler- und lückenhaft
Richtig ärgerlich wird die Lektüre, wenn gängige Herstellernamen falsch geschrieben werden, zum Beispiel „MercedesBenz“ oder „HanomagHenschel“ mal mit und mal ohne den jeweils obligatorischen Bindestrich. Oder wenn in Typbezeichnungen wie „BMW 52 0“ ominöse Leerstellen auftauchen, die mehr zur Verwirrung als zur Information beitragen. Und erst recht, wenn dem Leser auffällt, dass der ohnehin nur recht kurze Einführungstext am Anfang des Buches lediglich eine umformulierte Version des Textes ist, mit dem sich die Feuerwehr Erlangen auf ihrer Homepage selbst vorstellt und der kostenlos im Internet steht.
Da darf der geneigte Bildbandleser für einen Kaufpreis von 29,90 Euro doch etwas mehr Sorgfalt und eigene Leistung der Verfasser erwarten. Als Fazit reiht sich „Feuerwehr Erlangen“ ein in eine lange Reihe von Fahrzeug-Bildbänden der letzten Jahre, die zwar durch herausragendes Bildmaterial bestechen, ihre Leser aber wegen der Oberflächlichkeit und Lieblosigkeit ihrer Textinhalte enttäuscht zurücklassen.
Sehenswertes und kurzweiliges Buch
Was dem Werk gänzlich fehlt, ist eine Einordnung der Bedeutung der Erlanger Feuerwehr für auswärtige Fahrzeugfans, die die Stadt nicht kennen. Da hätte man davon schreiben können, dass Erlangen mit knapp 120.000 Einwohnern die kleinste Großstadt in Bayern ist und im Jahr 2022 allein die Feuerwehrleute der Ständigen Wache beachtliche 2175 Einsätze abgeleistet haben. Im Detail wurden 215 Brände gelöscht und 1288 technische Hilfeleistungen erbracht, wozu etwa die Rettung von Verletzten aus Unfallfahrzeugen auf den Autobahnen 3 und 73 gehört.
Trotz dieser Schwächen ist „Feuerwehr Erlangen“ ein sehenswertes und kurzweiliges Buch geworden, das man nicht nur den Fans von roten Autos, sondern auch ganz normalen Erlangern ans Herz legen darf, die an der Geschichte ihrer Stadt interessiert sind.
Der Bildband „Feuerwehr Erlangen“ ist im Podszun-Verlag aus Brilon erschienen unter der ISBN-Nummer 9783751611053. Das Buch hat 157 Seiten und kostet 29,90 Euro.
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