Nachruf
Rudolf Hetzler ist verstorben
Herzogenaurach – Rudolf Hetzler war viele Jahre als Lehrer aktiv. Sein größtes Erbe hinterlässt der Verstorbene aber in der Welt der Klänge.
Rudolf Hetzler leitete lange den Gesangsverein Liederkranz.
Rudolf Hetzler leitete lange den Gesangsverein Liederkranz.
Foto: Manfred Welker

Ein erfülltes Musikerleben ist zu Ende gegangen. Am 2. August verstarb Rudolf Hetzler, der die Musiklandschaft in Herzogenaurach mit geprägt hat.Er stammte aus einer alten Herzogenauracher Familie. Der Bruder seines Großvaters Georg, Josef Hetzler, war Inhaber der Schuhfabrik Hetzler am Burgstaller Weg 2a. Bereits der Großvater Georg Hetzler leitete eine Musikkapelle, starb aber schon 1930.

Rudolf Hetzler wurde 1939 mit seinem Zwillingsbruder Alfred in die Herzogenauracher Grundschule eingeschult. 1943 wechselte er nach Erlangen an die Ohm-Oberrealschule. Wie viele andere Herzogenauracher auch, fuhr er mit dem Zug nach Erlangen.

Abitur im Jahr 1952

Nach Kriegsende hatten sie 1945 ein halbes Jahr „Ferien“, da die Schule als Hilfslazarett diente. Ende 1945 konnte der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. 1952 legte Hetzler dort sein Abitur ab. Zu dem Zeitpunkt war er bereits sieben Jahre musikalisch tätig gewesen, unter anderem im Schülerorchester. Die Konzertreife erlangte er in der Abiturklasse.

Aber auch seiner Heimatstadt Herzogenaurach war er musikalisch verbunden. 1950 war er eines der jüngsten Mitglieder im rund 20-köpfigen Stadtorchester unter Ferdinand Schaffer. Dort spielte er Trompete und Geige bis 1957. Seine Kollegen waren unter anderem der Apotheker Hans Costa und Ruth Schech.

Eigentlich wollte Rudolf Hetzler Zahnarzt werden, aber wegen Augenproblemen war dies nicht möglich. Da kam ihm ein anderes Engagement zugute: Als 17-Jähriger war er Jugendführer in der katholischen Jugend und erkannte dort seine pädagogischen Fähigkeiten.

Studium in Bamberg

Er studierte in Bamberg, wo er 1954 die erste Lehramtsprüfung ablegt, die zweite folgte 1957 in Bayreuth. Als frisch gebackener Lehramtsanwärter kam er 1954 für sechs Monate nach Niederndorf. Ab dem 1. März 1955 war er in Unterwinterbach für die einklassige Schule zuständig, die fünf Dörfer als Sprengel hatte. Um dorthin zu gelangen, hatte er sich ein Motorrad angeschafft.

1963 hob er als Lehramtsanwärter in Unterweilersbach auf Anregung von Hans Gath eine Musikkapelle aus der Taufe, die sich 1964 „Weilersbacher Tannesspatzen“ nannte. Der Grund für den Namen: von den 36 Musikern der fünften bis zur achten Klasse kamen 20 aus Unterweilersbach und 16 aus Oberweilersbach. Hetzler leitete die Formation bis 1970.

Unterrichtet hat er sie in der alten Schule neben der Kirche. Sie musizierten sieben Mal mit der Herzogenauracher Stadtjugendkapelle unter Fritz Bock. Inzwischen trägt die Kapelle den Namen „Weilersbacher Musikanten“.

Arbeit in Niederndorf

Geheiratet hat Rudolf Hetzler 1961. Als es seine Frau 1968 beruflich nach Herzogenaurach zog, entschied er sich für eine Stelle an der Schule in Niederndorf. Von 1970 bis 1972 war er wieder in Niederndorf an der Schule. Dort „warb“ ihn Schwester Isengardis vom Liebfrauenhaus in Herzogenaurach ab. Dieser Schule blieb er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1997 treu, am Schluss sogar als Konrektor. Unterrichtet hat er dort immer fünfte und sechste Klassen.

1976 war er auch an der Gründung der Herzogenauracher Musikschule mit Otmar Seifert und Käthe Zang beteiligt. Vier Jahre lang unterrichtete er nebenberuflich eine Singklasse, außerdem zwei Bläserklassen der Stadtjugendkapelle.1976 wurde er nach Büchenbach „abgeworben“. Die Verantwortlichen dort hatten bei Ernst-Günther Paland von der Stadtjugendkapelle einen Ausbilder angefragt. 52 Jugendliche galt es auszubilden. Dieses Engagement war langfristig: 32 Jahre fungierte er als Ausbilder des Kolping-Musikvereins Büchenbach, 25 Jahre war er deren Leiter.

Musik und Chorarbeit

Zu seinen Schülern gehörten unter anderem aus Kosbach Martin Oberle, der Trompete lernte und Christof Oberle, der Klarinette spielte. Danach firmierte die Kapelle als „Büchenbacher Musikanten“ und spielte unter anderem in Erlangen, während der Bergkirchweih am Entlaskeller.

1968 übernahm der Verstorbene die Leitung des Gesangvereins Liederkranz von Ludwig Farrenkopf und gab sie 1998 nach 30 Jahren an Gerald Fink weiter. Unter seiner Ägide wurden Stücke wie die Krönungsmesse, die Schöpfung (mit Unterstützung von Ludwig Farrenkopf), „Das Lied von der Glocke“ und „Lieder der Welt“ aufgeführt.

Gerne erinnerte sich Hetzler auch noch an Variationen von Franz Schuberts Forellenquintetts. Beim festlichen Konzert der Stadt Herzogenaurach ist der Liederkranz inzwischen nicht mehr wegzudenken.

Eine Art Musiktherapie

Aber auch nach seiner Pensionierung ließ Rudolf Hetzler die Musik nicht los. Als seine Schwiegermutter ab 2006 im Liebfrauenhaus betreut wurde, spielte er für sie, aber auch andere Bewohner, auf dem Klavier im Saal.

Für diese Menschen waren die Lieder aus ihrer Jugend „eine Art Musiktherapie“, wie er es nannte. Die letzten Lebensjahre verbrachte Rudolf Hetzer zurückgezogen mit seiner Familie. Seine Beerdigung wird am 11. August um 11.30 Uhr am Alten Friedhof in Herzogenaurach sein.

 

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