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Von Herzo nach New York
Wie die Liebe zum Jazz Mareike Wiening um die Welt führt
Mareike Wiening
Ende April kommt Mareike Wiening mit ihrer Band auch nach Bamberg. // Wolf Peter Steinheisser
Herzogenaurach – Die 36-jährige Musikerin ist viel beschäftigt. Sie tourt durch Deutschland und reist mit ihrer Musik um die Welt. Wieso sie den Jazz liebt und was sie noch heute mit ihrer Heimatstadt Herzogenaurach verbindet.

Sieben Jahre lang hat Mareike Wiening in New York gelebt, im „Mekka des Jazz“, wie sie sagt. Inzwischen wohnt sie in Köln, spielt in einer Big Band in Amsterdam und in einem Trio in Madrid, geht im April auf Tour durch Deutschland und die Schweiz und komponiert Stücke für das Symphonieorchester Erlangen. Den Grundstein für ihre Karriere legte Wiening aber in Herzogenaurach – am Klavier. 

„Ich habe mit fünf Jahren mit dem Klavier angefangen, dann kam mit zehn die Querflöte dazu. Mit 15 habe ich dann mit dem Schlagzeug angefangen, dazu bin ich über meinen Klavierlehrer gekommen“, erzählt Wiening. Nach der Schulzeit in Herzogenaurach ging es für sie weiter an die Musikhochschule in Mannheim, von dort nach einem kurzen Erasmus-Zwischenstopp in Kopenhagen dann über den Deutsch-Akademischen Austauschdienst nach New York. Aus den geplanten zwei Jahren für den Master wurden schließlich sieben Jahre. 

Intensive Zeit in New York: Mekka des Jazz

„Ich wollte gerne da bleiben“, erzählt die Musikerin. „Mich hat die Qualität der Musik und des Jazz und die Dichte der Musiker fasziniert. Für mich war das das reinste Paradies. Direkt an der Quelle zu sein, hat mich inspiriert. Was hier an einem Tag passiert, passiert in New York in zwei Stunden“, schwärmt sie.

 

Für immer dort zu bleiben, war für sie dennoch nie eine Option – dafür habe Deutschland zu viele Vorzüge. Neben der höheren Lebensqualität ist das für sie vor allem die Vielfältigkeit innerhalb Europas. „Wenn man in New York ist, ist man in New York und das war's dann so ein bisschen. In Europa kann man so schnell in andere Länder reisen, man hat so viele Kulturen in kurzer Entfernung. Es ist einfach vielseitiger“, so Wiening. 

Mareike Wiening ist viel beschäftigt

2019 entschied sie sich also nach Deutschland zurückzukehren, genauer gesagt nach Köln. Neben Berlin sei die Großstadt in Nordrhein-Westfalen das zweite große Jazz-Zentrum in der Republik. Ruhiger wird es in ihrem Leben aber nicht. Blockweise unterrichtet sie an der Musikhochschule in Zürich. Ende April geht sie mit ihrer eigenen Band dann auf die zweite Release-Tour zu ihrem dritten Album. „Die Band ist die erste und einzige Band, die ich gegründet habe“, erklärt Wiening. Überall anders wirke sie nur als Band-Mitglied mit. „Wenn jemand eine Schlagzeugerin für einen bestimmten Termin braucht, kann man mich anfragen.“ Nebenbei gibt Wiening auch noch Workshops und fungiert als Vorsitzende der Kölner Jazzkonferenz. 

Mareike Wiening
Ihre Liebe zur Musik begann am Klavier und auf der Querflöte – heute ist das Instrument ihrer Wahl das Schlagzeug. // Luke Marantz

Was genau fasziniert die gebürtige Herzogenauracherin eigentlich ausgerechnet am Jazz? „Jazz ist für mich ein Stück Freiheit. Ich liebe es, zu improvisieren. Im Jazz ist alles erlaubt – das ist toll, aber auch eine Herausforderung. Man gibt viel mehr von der eigenen Persönlichkeit rein als in der Klassik“, schildert Wiening. „Im Jazz formen Menschen durch Können die Musik, in der Klassik ist die Musik schon da und man muss sich wie eine Marionette der Musik fügen.“

Schlagzeug statt Klavier, Jazz statt Klassik

Dass es Mareike Wiening wichtig ist, sich in der Musik auszuleben, die eigene Persönlichkeit zu zeigen, merkt man im Gespräch immer wieder – auch als es um die Wahl ihres Instrumentes geht. „Man kann mit dem Schlagzeug viel gestalten. Man hat Power, ist das stärkste Instrument in der Band, was den Rhythmus angeht. Das ist eine große Verantwortung, aber man kann viel mitbestimmen. Für mich war das Schlagzeug die Befreiung aus der Klassik“, erzählt sie. 

Fragt man sie nach dem Moment, der ihr bisher am meisten in Erinnerung geblieben ist, muss sie kurz überlegen. „Die Zeit in New York war sehr intensiv, die werde ich mein Leben lang nicht vergessen, sowohl im positiven als auch im negativen. Die Intensität der Stadt ist mit keiner anderen Stadt vergleichbar“, sagt Wiening. „Ansonsten jede Albumveröffentlichung meiner eigenen Band.“ Durch die Band sei sie selbst nämlich erst zum Komponieren gekommen. Die Stücke auf den drei Alben der Band stammen fast ausschließlich aus ihrer Feder. „Man arbeitet wahnsinnig viel für so ein Album, da steckt viel Herzblut drin. Man hat ein bisschen das Gefühl, dass man ein Stück von sich selbst abschneidet und es der Welt präsentiert. Auf gewisse Weise ist das sehr persönlich und intim“, so die Musikerin. 

Trotz vieler Reisen: Mareike Wiening hängt an Herzogenaurach

Auf die Frage, was sie heute noch mit ihrer Heimat verbindet, kommt die Antwort hingegen ohne zu Zögern: „Meine Familie, meine Eltern. Mein Bruder wohnt in Möhrendorf, ich habe noch viele alte Freunde hier. Ich bin immer noch sehr gerne dort und fühle mich auch Erlangen und Nürnberg noch sehr verbunden und habe viele Kontakte zu Musikern aus meiner Zeit als Schülerin. Es ist einfach die Heimat, das ist mir wichtig“, erzählt sie. 

Aktuell darf Mareike Wiening sich über die zweite Nominierung für den Deutschen Jazzpreis freuen. Vor zwei Jahren sei sie schon einmal mit ihrer Band nominiert gewesen, damals habe es aber leider nicht geklappt. In diesem Jahr hat sie Chancen auf den Titel als beste Schlagzeugerin. Die Preisverleihung findet am 18. April statt. „Das wird wahnsinnig spannend, denn die Konkurrenz ist sehr groß“, gibt die Musikerin zu bedenken. „Aber die Nominierung an sich ist schon sehr viel wert. Ich freue mich einfach auf den Abend und nutze das Momentum.“

Ihre Tour, die Ende April startet, führt die Herzogenauracherin übrigens auch nach Bamberg: Am Sonntag, 28. April, tritt Mareike Wiening mit ihrer Band im Jazzclub Bamberg auf. Tickets gibt es direkt beim Jazzclub. Alle Infos zur Tour sowie die drei Alben gibt es auf Mareike Wienings Homepage. 

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