Frauen-Fußball
Forderung nach "Equal Pay" und "Equal Play"
Der Geschäftsführer von Greuther Fürth, Holger Schwiewagner (links vorne), spricht mit Puma-Urgestein Helmut Fischer.
Der Geschäftsführer von Greuther Fürth, Holger Schwiewagner (links vorne), spricht mit Puma-Urgestein Helmut Fischer.
Foto: Marcus Maiwald
Burgstall – Abseits von Großereignissen fehlt dem Frauenfußball die Aufmerksamkeit der Medien, wurde in einer Diskussionsrunde in Burgstall festgestellt.

„Frauenfußball in Deutschland: Gibt es Potenziale für Gesellschaft und Wirtschaft?“ Antworten auf diese Frage suchte eine Diskussionsrunde, an der hochrangige Vertreter aus Sport, Presse und Sportmarketing teilnahmen. In der vom Sportjournalisten Frank Schneller moderierten Talkrunde war rasch klar, dass es letztlich – egal ob bei Frauen oder Männern – um den Fußball als Sport geht und nichts anderes. Es sei egal, wer spielt.

Einigkeit gab es zudem darin, dass auch aufgrund der Fußball-Europameisterschaft das Thema Fußball der Frauen aktuell en vogue sei, jedoch leider nicht nachhaltig entwickelt werde. Das Interesse flache selbst nach erfolgreichen Großveranstaltungen sehr schnell ab. Den Medien würde eine wichtige Rolle in der Verbreitung des Fußballs der Frauen zukommen, welche sie aber nicht immer ausfüllen.

Ein Basisregelwerk fehlt

„Es ist leider immer noch eine eventbezogene Begeisterung“, sagte Elisabeth Schlammerl, die Vizepräsidentin des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS). „Die Berichterstattung geht bei EM und WM rauf, kippt dann aber ab – die traditionelle Bundesligaberichterstattung wie bei den Männern findet bei den Frauen nur sehr spärlich statt.“ Sie sagte, es gehe überall um Klickzahlen: „Lässt das Interesse nach, sinkt auch die Bereitschaft der Medienhäuser, über Frauenfußball zu berichten.“

Zwei weitere Haupthürden sind die noch rar gesäten Sponsoren sowie das Fehlen eines ordentlichen Basisregelwerkes vonseiten des DFB. Hier seien Länder wie England bereits erheblich weiter.

„Equal Pay“, wie es erst kürzlich in den USA umgesetzt wurde, sei eine in Deutschland offensichtlich weder durchsetzbare noch finanzierbare Forderung. Das bestätigte auch Harald Sauer (1. FCN): Das geforderte Grundgehalt von 2000 bis 3000 Euro brutto im Monat wäre zwar wünschenswert, sei aktuell aber unrealistisch. „Wir würden dann mit zwei Spielerinnen auflaufen.“

Fokus liegt auf „Equal Play“

Der Fokus liegt hierzulande auf „Equal Play“, das heißt für Frauen identische Trainings- und Spielbedingungen wie für die Männer zu schaffen. Holger Schwiewagner, Geschäftsführer der Spielvereinigung Greuther Fürth, führte die dortige Frauenmannschaft an, die in der Bayernliga spielt. „Wir haben uns für Equal Play entschieden. Wir wollen die Breite fördern. Wir bieten exzellente sportliche Voraussetzungen, sagen unseren Spielerinnen aber auch bewusst, die Schwerpunkte sind Schule, Ausbildung, Beruf. Haben wir eine Spielerin mit herausragendem Talent, sind wir bereit, sie abzugeben.“

Die deutschen Frauen durften nach dem Sieg gegen Österreich (2:0) jubeln.
Die deutschen Frauen durften nach dem Sieg gegen Österreich (2:0) jubeln.
Foto: Ashley Western, Witters

Dennis Trautwein, Geschäftsführer Deutschland bei Octagon, dem weltweit größten Beratungsunternehmen für Sponsoring, verschaffte einen interessanten Blick hinter die Kulissen der Fußballvermarktung. Wirtschaftlich betrachtet handle es sich beim Männer- beziehungsweise Frauenfußball um zwei aktuell noch sehr unterschiedliche „Produkte“, die bei Sponsoren unterschiedliches Interesse wecken. Aktuell seien 50 Prozent der Fans im Frauenfußball Männer – mit steigender Tendenz. Entsprechendes Storytelling zur Gewinnung langjähriger Sponsorenpartnerschaften sei dabei eine Aufgabe, der sich Vereine, Verbände und auch die einschlägige Sportpresse annehmen müssten.

Sportausstatter Puma, vertreten durch Helmut Fischer, trägt bereits durch speziell entwickelte Fußballschuhe und Trikots vonseiten der Sportausstatter zur Entwicklung des Fußballes für Frauen bei. Die Puma-Kampagne „She Moves Us“ sei – mitgetragen von den Fußballerinnen Nikita Paris, Ingrid Engen und Fridolina Rolfö – die größte Social-Media-Kampagne des Unternehmens, sagte Fischer, und habe einen riesigen Stellenwert. Für ihn wäre sogar denkbar, dass die zwei großen Rivalen Adidas und Puma hier eine gemeinsame Aktion starten könnten. „Aber da müsste der DFB auch mitspielen – und das ist derjenige, der so was immer wieder ausbremst“, sagte Fischer.

Leidenschaft gegen Kommerzdenken

In den Diskussionen der von Rotary organisierten Veranstaltung wurde zudem ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Fußball-Geschlechtern herausgearbeitet: Bei Frauen dominiere die Leidenschaft für den Sport und das Team – bei den Männern überwiegt der kommerzielle Gedanke. Das wurde unterstrichen von Michaela Schmitt, Headcoach FC Herzogenaurach, und Vizepräsidentin Elisabeth Schlammerl.

Sie begrüßten die Gäste (von links): Journalist Frank Schneller,  Susanne Hehn  und  Dennis Trautwein.
Sie begrüßten die Gäste (von links): Journalist Frank Schneller, Susanne Hehn und Dennis Trautwein.
Foto: Marcus MaiwaldMail von info@marcusmaiwald.de: Mail von info@marcusmaiwald.de:

Einen erweiterten Aspekt, nämlich den der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen, brachte Sören Zinner mit dem Beispiel Schaeffler aus dem Motorsport ein. In Carrie Schreiner und Sophia Floersch habe man zwei erfolgreiche Rennfahrerinnen als Markenbotschafterinnen. Der Direktor Corporate Sponsoring von Schaeffler Technologies sagte: „Wir wollen, dass es normaler wird, dass Mädchen auf die Kartbahn gehen, um die Grundgesamtheit an weiblichen Talenten zu erhöhen, damit es völlig normal wird, dass Frauen gegen Männer Auto fahren.“ Mit Carrie Schreiner und Sophia Floersch sei ein Anfang gemacht.

So darf man also kräftig die Daumen drücken, dass die deutsche Nationalmannschaft die Europameisterschaft auch heute Abend im Halbfinale so weiterspielt, wie sie gestartet ist: Mit einem Titelgewinn wäre der Grundstein für eine nachhaltige Entwicklung des Fußballs der Frauen gelegt.

Lesen Sie mehr: