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Platz 1 für Erlangen-Höchstadt
Kitaplätze: Deshalb ist der Landkreis Bayerns Spitzenreiter
Das Montessori Kinderhaus im Röttenbach ist eine von vielen Kinderbetreuungseinrichtungen in Erlangen-Höchstadt. In keinem Landkreis in Bayern ist die Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren höher als im Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Das Montessori Kinderhaus im Röttenbach ist eine von vielen Kinderbetreuungseinrichtungen in Erlangen-Höchstadt. In keinem Landkreis in Bayern ist die Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren höher als im Landkreis Erlangen-Höchstadt. // Foto: Adelheid Wagner
Erlangen-Höchstadt – Das ist offiziell: Erlangen-Höchstadt ist besser als der bayerische und deutsche Durchschnitt, wenn es um Kitabetreuung geht. Wie Kommunen das schaffen und warum die Zukunft trotzdem herausfordert.

Einen Kinderbetreuungsplatz für den eigenen Zögling zu finden, spielt auf vielen Ebenen eine Rolle. Jener Platz für die kleinen Mitbürger kann darüber entscheiden, ob Eltern einer Arbeit nachgehen können, wo sich Familien mit Kindern niederlassen und vielleicht sogar, wie attraktiv eine Kommune für Unternehmen ist.

Erlangen-Höchstadt ist Spitzenreiter in Bayern für Kinderbetreuung U3

Viele gute Gründe für Kommunen, sich ins Zeug zu legen, wenn es um den Ausbau der Kinderbetreuung geht. Seit neuestem kann der Landkreis Erlangen-Höchstadt als Vorzeigebeispiel für die Kinderbetreuung von Kindern unter drei Jahren (U3) gelten. Denn im Jahr 2025 ist hier die Kinderbetreuungsquote für Kinder von null bis drei Jahren mit 48,4 Prozent die höchste aller Landkreise in ganz Bayern. Das ging jüngst aus den Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik hervor. Zum Vergleich: Laut dem Statistischen Bundesamt lag die durchschnittliche U3-Betreuungsquote in Deutschland im Jahr 2024 bei 37,4 Prozent.

Warum Erlangen-Höchstadt bayernweit auf Platz Eins ist und welche Herausforderungen in den kommenden Jahren trotzdem bevorstehen, hat fränkischertag.de bei Städten und Gemeinden in Erfahrung gebracht.

Erlangen-Höchstadt: keine Warteliste und viele freie Plätze

Seit 2013 haben Eltern in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren. Die große Wende der Familienpolitik hat sich seitdem überall in Deutschland ausgewirkt. So auch in Herzogenaurach, der größten Stadt im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Bei rund 26.000 Einwohnern zählt Sabine Weber von der Hauptverwaltung in Herzogenaurach 931 Kindergartenplätze und 338 Kinderkrippenplätze (exklusive der Betriebskindergärten von Unternehmen). Und die Kinderbetreuungsquote U3? „Stand September liegt sie bei 100 Prozent“, sagt Weber, „Wir haben aktuell mehr Betreuungsplätze als Kinder.“

Ganz ähnlich sieht die Situation im rund 9000 Einwohner großen Adelsdorf aus. Hier werden in diesem Kindergartenjahr 520 Kinder in Kitas und Krippen betreut. „Aktuell haben wir keine Warteliste und noch freie Plätze“, teilt Bürgermeister Karsten Fischkal (Freie Wähler) auf Anfrage von fränkischertag.de mit. Im Kindergartenjahr 2024/2025 habe es zwölf und im Jahr 2023/2024 sogar 45 Kinder ohne Betreuungsplatz in Adelsdorf gegeben.

Auch anderswo im Landkreis klagt man nicht über Platzmangel „Wir haben viele Plätze frei und sind bereit Gastkinder aufzunehmen“, sagt Julia Müller aus der Gemeindeverwaltung Röttenbach. Im Gemeindegebiet der Stadt Höchstadt an der Aisch, hat auch Tina Reißberger, Geschäftsleiterin des Hauptamts, bei zehn Kindertageseinrichtungen und 170 Plätze im Bereich U3 noch freie Kapazitäten: „Für U3-Kinder haben wir in diesem Betriebsjahr bis zu 18 offene Plätze, die vergeben werden könnten.“ Auch im Kindergartenbereich gäbe es derzeit freie Plätze.

So hat Erlangen-Höchstadt seine Betreuung ausgebaut

Wie die befragten Städte und Gemeinden berichten, habe man die Betreuungsplätze für U3-Kinder in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut. So ist Röttenbach derzeit in Planungen für die Sanierung seines Montessori Kinderhauses. In Herzogenaurach werden in den kommenden Jahren die im Bau befindliche Kindertagesstätte in der Beethovenstraße als auch die St.-Josef-Kita in Niederndorf in Betrieb gehen.

Der Blick auf die Entwicklung des Landkreises bestätigt insgesamt einen Ausbau der Kinderbetreuung.

Seit 2013, seitdem der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren in Deutschland gilt, ist die Zahl der betreuten Kinder in Kindertageseinrichtungen um etwa 2500 gestiegen (Jahr 2013: 6118 betreute Kinder; Jahr 2025: 8644 betreute Kinder). Dem folgen auch die Personalzahlen: Mit 1914 Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen gibt es im Landkreis Erlangen-Höchstadt etwa 900 Mitarbeiter mehr als im Jahr 2013 (1003 Beschäftigte in Kindertageseinrichtungen).

Den geringsten Zuwachs gibt es in der Anzahl der Kindertageseinrichtungen. Die haben im Verhältnis zu den betreuten Kindern und dem Personal am geringsten zugenommen. Im Jahr 2025 gab es in Erlangen-Höchstadt 129 Kindertageseinrichtungen, und damit nur 28 mehr als im Jahr 2013.

Mehr Plätze als Kinder in Erlangen-Höchstadt: Das sind die Gründe

Neben dem Ausbau des Betreuungsangebots scheint es allerdings noch andere Gründe zu geben, warum die Kommunen ihre Kitas nicht vollständig füllen können, darunter jährliche Schwankungen der Anmeldungen und Geburtenzahlen.

Als allgemeine Tendenz, das bestätigen die Befragten, lässt sich ein Rückgang der Geburten feststellen. „2024 haben wir ungefähr 30 Geburten verzeichnet, ein Jahr davor waren es noch etwas mehr als 40“, sagt Müller über die Situation in Röttenbach.

„Nach den sukzessiven Erweiterungen bestehen im Bereich der Betreuung von U3-Kindern keine Platzengpässe mehr, im Gegenteil, derzeit merkt man den Geburtenrückgang“, erläutert Reißberger aus Höchstadt.

Gemeinden warnen vor Herausforderungen der nächsten Jahre

Weniger Nachwuchs stellt Kommunen und Träger wiederum vor Herausforderungen. „Bei uns in Röttenbach ist das auch ein Problem“, erklärt Müller. Denn, im Prinzip bedeutet jeder unbesetzte Betreuungsplatz eine Verlustrechnung. Verluste der Träger würden mit sogenannten Defizitverträgen finanziell von der Gemeinde ausgeglichen.

„Die Defizite fallen auch bei den anderen Trägern an, die ihre Einrichtungen nur noch mit einem von der Kommune zu tragenden Defizitausgleich weiter betreiben“, sagt Reißberger aus Höchstadt. In der Folge werde auch das Defizit der Kommune immer höher, die Zuschüsse durch das Land dagegen, gesehen zu den Gesamtkosten, prozentual immer geringer.

Ähnlich kritisiert das auch der Adelsdorfer Bürgermeister: „Die Kosten steigen, die Aufgaben wachsen, aber die Unterstützung bleibt gleich. Wir brauchen weniger Bürokratie, mehr Handlungsspielraum und eine faire finanzielle Ausstattung, damit die Kinderbetreuung zukunftsfähig bleibt.“

Eine weitere Herausforderung ist der ab dem nächsten Schuljahr geltende Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. In Adelsdorf scheint man eine flexible Möglichkeit für etwaige künftige Herausforderungen gefunden zu haben: Da sich der Kindergarten an der Grundschule befindet, wäre es auch möglich, die Räume, als Hort oder anderweitig zu nutzen.

+++ Die im Artikel genannten Zahlen stammen vom Bayerischen Landesamt für Statistik, Stand 2025. +++

 

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