Mit dem Umzug nach Ailersbach steht der Tierschutzverein Höchstadt vor einer enormen Herausforderung. Er braucht Geld, Expertise und jede Menge Hilfe. Doch die Tierschützer sehen in der Aufgabe vielmehr eine Chance auf einen Neuanfang, auf Optimierung.
Eine größere, besser ausgestattete Quarantäne- und Krankenstation soll zum Beispiel am neuen Standort entstehen, denn in Oberndorf sei diese aktuell zu klein. Auch für die kleine Schafherde sind die Voraussetzungen in Ailersbach optimal, hier sollen sie nämlich ein durchgehend zugängliches Außengehege bekommen. Bis es so weit ist, kommt jedoch noch einiges an Arbeit auf den Verein zu.
Bauantrag in Ailersbach genehmigt: Jetzt startet die Planung
„Wir haben die Möglichkeit, den Verein zukunftsfähig zu machen“, sagt Lisa Weber, Vorsitzende des Tierschutzvereins. „Wir haben einen Standort, wir haben einen genehmigten Bauantrag.“ Jetzt geht es an die Planung – und dann an den Umbau. Noch in diesem Jahr soll das Anwesen in Ailersbach fertig werden.
Aktuell kümmert der Verein sich um die Förderung. 300.000 Euro wird der Umbau laut aktuellen Schätzungen kosten, rund die Hälfte davon hofft der Verein an Fördergeldern vom Freistaat Bayern zu bekommen. Den Rest müsse man in Eigenmitteln aufbringen. „Das können Geldmittel sein, aber auch Eigenleistung“, erklärt Weber. Keine kleine Summe für einen Verein, der rein auf Spendengeldern basiert.
„Es ist mühsam und aufregend, aber es ist realistisch“, findet Sigrid Hader-Popp, stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Doch der Tierschutz gehe alle an. „Tierschutz wird gebraucht. Es ist ein Thema, das in der Gesellschaft ein Fass ohne Boden darstellt“, erklärt sie. Für sie ist ganz klar: „Wenn die Bevölkerung will, dass es weiterhin ein Tierheim gibt, muss sie mithelfen.“
Spenden und handwerkliches Know-How: Hilfe beim Umbau benötigt
Möglich ist das auf viele Arten, denn beim Umbau wird vieles gebraucht: Geld, Zeit, Handwerker, Material. „Alles, was Umbau- und Sanierungsarbeiten angeht, jedes Gewerk, das wir entlasten oder ersetzen können durch jemanden, der uns ehrenamtlich unterstützt, ist willkommen“, sagt Weber. Auch Menschen, die den Verein bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen möchten, Kontakte zu möglichen Sponsoren haben, oder mit kreativen Ideen für Spendenaktionen helfen können, könnten sich jederzeit beim Verein melden.
„Viele denken immer, dass Tierheime immer städtische oder staatliche Einrichtungen sind und in den großen Städten gibt es die auch, aber gerade auf dem Land ist das nicht so“, gibt Weber zu bedenken. „Deswegen kämpfen kleine Tierheime oft extrem. Wir sind ja wie ein Unternehmen mit Kosten und müssen Personal bezahlen. Die engmaschige Betreuung, dass so ein Tierheim von Montag bis Sonntag besetzt ist, kriegt man mit Ehrenamtlichen allein gar nicht abgedeckt.“
Tierschutz ist zeitintensives Ehrenamt
Oft werde die Arbeit im Tierschutz auf schöne Katzenvideos auf Instagram reduziert. Das Verständnis für das Straßenkatzenproblem sei gerade in Deutschland kaum vorhanden. „Diese Katzen sieht man nicht, weil es nicht die sind, die bei einem auf dem Schoß liegen. Die sieht man nicht, aber wir sehen dann, was bei uns ankommt. Wir hatten Zeiten im letzten Jahr, wo wir 70 Mal am Tag Augentropfen geben mussten. Und dann wird man gefragt, wofür man im Tierheim Personal braucht“, schildert Weber. „Weil wir hier nicht sitzen und Katzen streicheln. Weil wir die Tiere medizinisch versorgen.“
Ein Vollzeitjob, der zum eigenen Job und Privatleben dazukommt. Ihren Urlaub habe Weber im vergangenen Jahr komplett für den Verein verbraucht. „Aber man macht das ja nicht für sich“, erklärt sie. Man kämpfe für die Tiere – eine wichtige, gesellschaftliche Aufgabe, so Hader-Popp. „Man denkt, der Umgang mit Tieren wird ein bisschen besser, aber wenn ich die ganzen unkastrierten Katzen mit Katzenschnupfen etc. sehe, habe ich meine Zweifel“, sagt sie.
Hader-Popp: Verständnis für Tierschutz fehlt
Von dem mangelnden Verständnis für die Wichtigkeit ihrer Aufgabe wollen beide Tierschützerinnen sich aber nicht unterkriegen lassen. „Auf Unverständnis zu stoßen gehört zum Tierschutz dazu“, gibt Hader-Popp zu bedenken. „Wenn man sich daran aufhängt, kann man es gleich bleiben lassen. Die moralische Entwicklung der Menschen ist noch nicht so weit, dass Tiere einen guten Platz hätten.“
„Es gibt da dieses Sprichwort: Man kann nicht alle Tiere der Welt retten, aber die ganze Welt eines Tieres. Das muss das Credo eines jeden Tierschützers sein“, fügt Weber hinzu. Für die Katzen, Schafe, Hasen, Hühner und Enten, die auf dem Hof in Oberndorf ein vorübergehendes oder endgültiges Zuhause gefunden haben, gilt dieses Motto ganz bestimmt. Sie alle sollen Ende des Jahres in die neuen Räumlichkeiten umsiedeln.
Auch der Umzug selbst und die Eingewöhnung der Tiere werden nochmal eine Herausforderung für den Verein werden. „Aber wir werden dann schon einige Gegenstände hingebracht haben, die sie kennen und die Tiere gegenseitig kennen sich auch“, erklärt Weber. „Verglichen mit dem Szenario, dass es nicht klappt und alle Tiere auf andere Tierheime verteilt werden müssten, ist der Umzug eine schöne Vorstellung. In einem Jahr sitzen wir dann auf der Wiese in Ailersbach und stoßen mit einem Gläschen Sekt auf alles an, was wir dann erreicht haben.“
Kontakt zum Tierheim:
info@tierschutz-hoechstadt.de
Spendenmöglichkeiten:
Sparkasse Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach
IBAN:DE35 7635 0000 0430 4489 93, BIC: BYLADEM1ERH
VR Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach
IBAN: DE83 7606 9559 0003 5598 66, BIC: GENODEF1NEA
PayPal: Spenden@tierschutz-hoechstadt.de















