Wer derzeit über die Webseite des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) eine Verbindung sucht, kennt die Meldung: „Aufgrund von krankheitsbedingten Personalausfällen kommt es aktuell auf einzelnen Linien (Bus und Bahn) zu Ausfällen einzelner Fahrten. Wir bitten um Ihr Verständnis und empfehlen, sich vor Fahrtantritt über das aktuelle Fahrtenangebot zu informieren.“
Die Corona-Sommerwelle ist im vollen Gange. Viele Menschen liegen mit Halsschmerzen und Fieber im Bett, statt an ihrem Arbeitsplatz zu sitzen. Natürlich macht Corona auch vor den Busfahrern nicht Halt. Bayernweit führt das zu Problemen im Fahrplan.
Landkreis derzeit am heftigsten betroffen
„Erlangen-Höchstadt ist zur Zeit ein Hotspot“, sagt Dirk Volkert, Niederlassungsleiter Mittelfranken beim Omnibusverkehr Franken (OVF). Hier sei die Personalsituation sehr angespannt. In Nürnberg könne man noch ganz gut umdisponieren, aber im Landkreis ERH gebe es starke Probleme. Die Folge: Einzelne Fahrten können nicht stattfinden. Ganze Linien, wie etwa in München, hätten aber noch nicht gestrichen werden müssen, sagt Volkert.
Er bittet betroffene Fahrgäste um Verständnis. „Wir kämpfen jeden Tag an der Front und hoffen, dass das Problem schnell gelöst ist.“ Mittelfrankenweit würden derzeit coronabedingt acht Prozent der Fahrer fehlen. Und die Personaldecke ist wegen Nachwuchsmangel sowieso schon sehr dünn. Vor allem in ERH und Forchheim ist das spürbar. Die beiden Kreise machen mit über hundert Fahrern beim OVF etwa die Hälfte des gesamten Verkehrs aus.
Fahrer werden aus dem Urlaub geholt
Standardmäßig sehe die Personalplanung für Urlaub und Krankheit einen gewissen Puffer vor. Der werde bei dem Krankenstand jedoch gerade gesprengt, so Volkert. Um die Lücken, die Corona reißt, zu füllen, habe der OVF Fahrer aus dem Urlaub geholt. Kollegen aus der Verwaltung mit Busführerschein seien eingesprungen, Fahrer werden von anderen Linien abgezogen. Leider könne man erst kurzfristig sagen, welche Linie betroffen ist, da Fahrer, die sich krank melden, häufig mehrere Routen fahren. Der OVF bemühe sich, die Hauptverkehrszeiten zu bedienen. Hiefür müssen oft spontan Dienste getauscht werden.
Probleme im Aisch-, Aurach- und Regnitztal
Betroffen seien aktuell vor allem Linien im Aisch-, Aurach- und im Regnitzgrund, teilt Johannes Hölzel, Pressesprecher des Landkreises Erlangen-Höchstadt, mit. „Gemessen an dem gesamten Verkehrsangebot sind die Fahrtausfälle verschwindend gering, allerdings ist jede ausgefallene Fahrt eine zu viel und immer ärgerlich und mit Unannehmlichkeiten verbunden“, sagt Hölzel. Ziel sei es, das Verkehrsangebot flächendeckend aufrecht zu erhalten, die Ausfälle so gering wie möglich zu halten und gerade während der Hauptverkehrszeit den Betrieb zu gewährleisten.
Der Höchstadter Busunternehmer Werner Vogel hat im eigenen Betrieb derzeit keine großen Personalprobleme: „Toi, toi, toi! Seit Corona ist bei uns noch keine einzige Linie ausgefallen.“ Von den Engpässen bei Kollegen habe er natürlich mitbekommen. Der OVF habe auch bei ihm wegen Fahrern angefragt. „Überall, wo es geht, helfen wir natürlich gerne“, sagt Vogel. Mit einer „Notreserve“ von neun Fahrern sei man gut aufgestellt. Insgesamt hat Vogel 123 Personen im Fahrdienst beschäftigt.
Auch Busunternehmer-Kollege Klaus Kohler aus Höchstadt hat derzeit selbst keine größeren krankheitsbedingten Engpässe beim Personal: „Bei uns ist es gerade noch so, dass nichts ausfällt.“ Dass Corona gleich mehrere Fahrer gleichzeitig ausgeknockt hat, sei bei ihm zum Glück noch nicht vorgekommen.
Ausbildung ist sehr teuer
Aber: Ganz generell fehle der Nachwuchs bei den Busfahrern. Ein Grund: Die hohen Kosten von über 10.000 Euro für den Busführerschein. „In Europa sind wir in Deutschland da am teuersten“, sagt Kohler, der Linien in ERH und Erlangen mit 65 Fahrern bedient. „Momentan könnten wir noch drei Leute gebrauchen“, sagt der Unternehmer.
Auch OVF-Mann Volkert sagt: „Der Personalmangel betrifft die gesamte ÖPNV-Branche – unabhängig von Corona.“ Der OVF habe Kampagnen und Stellengesuche gestartet. Man investiere in Aus- und Weiterbildung, übernehme die Kosten für den teuren Busführerschein und versuche mittlerweile sogar im Ausland Fahrer zu rekrutieren. „Aber der Markt ist leer“, so Volkert.
Preisdruck macht sich bemerkbar
Auch beim VGN hat man das auf dem Schirm: „Das Problem des Mangels an Fahrpersonal besteht schon länger und spitzt sich zu“, sagt Melinda Burmeister, VGN-Sprecherin. Das Problem: Die Verkehrsleistungen würden an den günstigsten Anbieter vergeben. „Daher haben die Verkehrsunternehmen in der Regel keine Möglichkeit, Personal-,Puffer’ einzubauen, da dies den Preis nach oben treiben würde“, sagt Burmeister.
Wie lange der Busfahrplan wegen Corona noch Federn lassen muss, ist ungewiss. Landkreissprecher Hölzel ist vorsichtig optimistisch: „Wir hoffen täglich auf eine Besserung der Situation. Schon heute ist gegenüber letzter Woche eine deutliche Entspannung bemerkbar.“
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