Das Auto stehen lassen und stattdessen öfter mit den „Öffis“ fahren – dieser Appell ist so alt wie die Idee vom Umweltschutz selbst. In großen Städten wie Berlin, München oder Nürnberg, wo U-Bahnen im Minutentakt unterwegs sind, mag das auch funktionieren. Doch wie sieht es hier bei uns auf dem Land aus?
Wenn man nach den Ergebnissen unseres Heimatmonitors geht, dann hat der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in der Region Erlangen-Höchstadt noch viel Potential nach oben. „Wirklich katastrophal, teuer und unzuverlässig ist der ÖPNV. Besonders Querverbindungen zwischen größeren Orten gibt es nicht“, schreibt etwa ein Umfrageteilnehmer aus Gremsdorf. Ein Teilnehmer aus Höchstadt hat uns den folgenden Wunsch hinterlassen: „Der Öffentliche Nahverkehr nach Forchheim und Neustadt/Aisch müsste ausgebaut werden“.
Aus drei Minuten wird eine Stunde
Die Forderung nach besseren Verbindungen mit dem Bus über die B 470 von Forchheim über Adelsdorf, Höchstadt und Uehlfeld nach Neustadt kommt bei den Umfrageergebnissen gleich mehrfach zur Sprache. Auch die Bürger im Nachbarlandkreis Forchheim schließen sich dem Wunsch nach guten Busverbindungen über die Grenzen der Landkreise hinweg an, wie aus den uns vorliegenden Ergebnissen des Heimatmonitors hervorgeht.
Doch in der Realität gibt es diese Verbindung nicht: Wer mit dem Bus von Forchheim nach Höchstadt oder Neustadt will, muss mehrfach umsteigen und lange Fahrzeiten in Kauf nehmen. Wenn jemand etwa um 15 Uhr am Forchheimer Bahnhof in den Bus der VGN-Linie 206 steigt, dann kommt derjenige 21 Haltestellen später in Zeckern an. Dort muss der geneigte Fahrgast dann von 15:25 bis 15:59 Uhr auf den Anschlussbus warten.
Mit dem Auto schneller
Nach Höchstadt geht es dann weiter mit der Linie 205 über 10 Haltestellen, Ankunft um 16:28 Uhr. Falls dieser Bus pünktlich ist, geht es gleich um 16:31 Uhr weiter mit der Linie 127 nach Neustadt. Falls der Anschluss in Höchstadt zum Beispiel wegen einer Verspätung verpasst wird, wird aus drei Minuten Umsteigezeit mehr als eine Stunde. Die Gesamtzeit für die Reise von Forchheim nach Höchstadt beträgt beim Erreichen aller Anschlüsse fast eineinhalb Stunden. Die Fahrt führt über 31 Haltestellen. Bis Neustadt sind es zwei Stunden und 17 Minuten und man hat tatsächlich 56 Haltestellen gesehen.
Wer selber mit dem Auto fährt, ist da deutlich schneller unterwegs – und ist auch nicht dazu gezwungen, bei Wind und Wetter über eine halbe Stunde lang in Zeckern herumzustehen. Kostenpunkt für die kleine Frankenrundfahrt: 13,40 Euro für die Strecke Forchheim-Neustadt und 6,70 Euro für die Strecke Forchheim-Höchstadt.
Mitunter nur alle zwei Stunden ein Bus
Und dabei haben es die Bewohner der größeren Städte wie Forchheim und Höchstadt noch gut. Wer in kleinen Dörfern wie Ailsbach oder Fetzelhofen wohnt, sieht mitunter nur alle zwei Stunden einen Bus nach Höchstadt.
Der Landkreis Erlangen-Höchstadt verweist auf Nachfrage darauf, dass die Verbindung von Forchheim nach Neustadt „sehr gut mit dem Zug über Fürth zu erreichen“ sei. Eine 2018 durchgeführte Potentialanalyse habe ergeben, dass weniger Personen als erwartet eine Direktverbindung von Adelsdorf nach Forchheim nutzen würden. Deswegen sei der Einsatz zusätzlicher Busse schwer zu rechtfertigen.
Zu wenig Potential für die Strecke?
Die Auskunft des Landkreises Forchheim deckt sich damit fast wortgleich: „Für eine Direktverbindung Adelsdorf-Forchheim sehen wir nicht genügend Potential. Ein zusätzlicher Einsatz von Bussen ist somit nicht zu rechtfertigen.“
Für den Adelsdorfer Bürgermeister Karsten Fischkal ist diese Einigkeit frustrierend. „Man hat das Gefühl, wir fliegen leichter zum Mond, als mit dem Bus über Landkreis- oder gar Bezirksgrenzen zu fahren“, schreibt Fischkal zu diesem Thema an die Redaktion.
Die Gemeinde Adelsdorf bemühe sich seit vielen Jahren um einen Direktbus nach Forchheim. Und damit steht Adelsdorf auch nicht allein da: Eine Buslinie Neustadt-Uehlfeld-Höchstadt-Adelsdorf-Forchheim werde „von allen beteiligten Bürgermeistern aus dem Landkreis ERH als zwingend und dringend notwendig angesehen“, so Fischkal weiter. Was also bleibt, ist Warten auf den Bus.
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