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Reaktionen und Richtung
Nach dem Ja zur Stadt-Umland-Bahn: Wie es jetzt weitergeht
Freie Bahn für die Stadt-Umland-Bahn (StUB): So reagiert die Region auf den Ausgang des Bürgerentscheids.
Freie Bahn für die Stadt-Umland-Bahn (StUB): So reagiert die Region auf den Ausgang des Bürgerentscheids. // Illustration: Claus Hirche / ZV StUB
Kreis Erlangen-Höchstadt – Die Stadt-Umland-Bahn (StUB) kommt. Mit dem positiven Bürgerentscheid hat das größte deutsche Straßenbahnprojekt die vorerst letzte große Hürde genommen. Wie das in der Region ankommt und wie es weitergeht.

Jemand hat die Absicht, eine Straßenbahn zu errichten.

Erlangens Bürgerschaft hat am Sonntag beim Bürgerentscheid mit einem mehrheitlichen Ja die Planungen zur Stadt-Umland-Bahn (StUB) aufrechterhalten. Das heißt, die städteübergreifende Straßenbahn wird einmal Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach verbinden können. 31 Haltestellen soll es in drei Städten geben - das ist das aktuell größte Straßenbahnbauprojekt der Bundesrepublik Deutschland.

Bürgerentscheid am 9. Juni: Mehr als 55.000 abgegebene Stimmen

Und es bleibt das aktuell größte deutsche Straßenbahnbauprojekt. „Sind Sie dafür, dass die Verlängerung der Nürnberger Straßenbahn (Stadt-Umland-Bahn - StUB) durch die Erlanger Innenstadt bis zum Bahnhof und weiter nach Herzogenaurach auf Basis der vorliegenden Planungen gebaut wird?“, so lautete die Frage für die knapp 83.000 Wahlberechtigten in Erlangen. Dem vorläufigen Ergebnis nach (das amtliche Wahlergebnis liege laut Stadt Erlangen erst am Mittwoch vor) beantworteten 52,4 Prozent der 55.108 abgegebenen Stimmen die Frage mit Ja (47,6 Prozent Nein). Gespannt blickte die gesamte Metropolregion auf den Ausgang dieser Wahl.

Pro oder contra StUB: Intensiver Wahlkampf, knapper Ausgang

Nun ist die Entscheidung gefallen. Von einer durchgängigen Aufbruchstimmung kann zumindest in Erlangen allerdings nicht die Rede sein; zu knapp bleiben die Gegner und Befürworter des Megaprojekts Kopf an Kopf. Lange sah es am Sonntag sogar noch danach aus, als könnte die Waagschale kippen, ein Nein überwiegen. Am Ende triumphiert das breite Bündnis, das sich die Umsetzung der StUB auf die Fahnen geschrieben hat. Allen voran Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) zeigt sich noch am Wahlabend hocherfreut. „Großartig. Der Auftrag ist klar, nämlich bauen. Und jetzt bauen wir eine Straßenbahn.“

Worte, die man ein paar Kilometer weiter nördlich gerne hört. Auch Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker macht sich seit Jahren stark für das Infrastruktur-Projekt. Auf Facebook tut er noch am Wahlabend seine große Freude über den Wahlausgang kund. „Yes! Was für ein tolles Votum“, schreibt er. Und weiter: „Für Herzogenaurach – die größte Stadt Bayerns ohne Schienenanbindung – darf ich sagen, dass wir sehr froh sind, aus der nicht wirklich angenehmen Zuschauerrolle während der Phase des Erlanger Bürgerentscheids uns nun wieder aktiv und voll auf die Umsetzung des Projekts konzentrieren können.“

German Hacker ist Bürgermeister von Herzogenaurach.
German Hacker ist Bürgermeister von Herzogenaurach. // FT-Archiv

Weitgehend herrscht sowieso Einigkeit über den Sinn des Millionenprojekts. Sowohl in Nürnberg als auch in Herzogenaurach und im Landkreis Forchheim, der in einem möglichen zweiten Schritt von einer als Ostast bezeichneten Verlängerung durch das Schwabachtal profitieren könnte. Sowohl der StUB-Zweckverband als auch viele prominente Unterstützer wie die Friedrich-Alexander-Universität sowie Industrie- und Handelskammer, Großkonzerne wie Siemens und Schaeffler sowie zahlreiche Verbände wie beispielsweise Bund Naturschutz hatten sich eindeutig für die StUB positioniert.

StUB-Gegner zeigen sich enttäuscht, aber als faire Verlierer

So klar wie Erlangens Stadtchef Florian Janik den Ausgang der Wahl deklariert, ist er jedoch nicht. Längst nicht alle Interessensvertreter, vor allem aus Erlangen, sehen eine Zukunft mit Überland-Straßenbahn positiv. „Wir sind enttäuscht, dass wir keine Mehrheit erreichen konnten“, sagt auch Peter Rath vom Verein „HeimatERhalten“, der ebenso Politik gegen die StUB gemacht hatte. „Wir hatten eine große Übermacht gegen uns, von daher können wir stolz auf das knappe Ergebnis sein“, sagt er am Montag unserer Redaktion. Man werde das weitere Vorgehen kritisch begleiteten und genau beobachten, ob die als Vorteile verkauften Punkte wirklich so einträten.

„Auch wenn wir von der aktuellen Trassenführung und der vorliegenden Planungstiefe nicht überzeugt sind, hat das Votum der Bürgerinnen und Bürger für uns einen hohen Wert. An das Ergebnis des Bürgerentscheids fühlen wir uns gebunden“, erklärt Christian Lehrmann als Sprecher der Initiative „NE!N zur StUB“. Zu deren Unterstützern gehörten unter anderem neben der Erlanger FDP und den Freien Wählern auch die Stadt-CSU. Vor allem Letztere, die mit Jörg Volleth auch den zweiten Bürgermeister Erlangens stellen, treten seit Jahren als entscheidender Widersacher der StUB-Visionäre in den Ring.

Erlangen stimmte 2016 schon einmal über die StUB ab, und zwar darüber, ob sie überhaupt geplant werden solle. Damals sprachen sich 60 Prozent dafür aus. Nach den Kommunalwahlen 2020 rangen die Christsozialen Janiks SPD für einen Kooperationsvertrag aber das Versprechen ab, die Bürgerschaft noch einmal an die Wahlurnen zu holen. Eben dann, wenn die Planungen präziser sind. Das ist nun geschehen und man müsse den Ausgang respektieren, heißt es.

Wahlkampf ließ zum Teil Respekt vermissen

Vor allem der Wahlkampf-Endspurt hatte eben jenen Respekt manchmal vermissen lassen. Beide Seiten berichteten von zerstörten Wahlplakaten, Störungen an Infoständen und Beschimpfungen im Internet. Aus beiden Lagern drangen währenddessen und nun auch im Nachgang Appelle an die Öffentlichkeit, trotz wachsender inhaltlicher Kluft fair miteinander umzugehen.

So geht es mit der Stadt-Umland-Bahn jetzt weiter

Seit der Machbarkeitsstudie für die StUB aus dem Jahre 2012 ist viel passiert, doch noch mehr steht bevor. Der nächste große Schritt ist das Planfeststellungsverfahren, also das Baugenehmigungsverfahren, das nach Bürger-Ja nun starten kann. Laut StUB-Zweckverband sei die Einreichung der Unterlagen ab dem kommenden Jahr geplant. Wie lange das dauert, ist unklar. Auch, weil auch währenddessen mit Gegenwind zu rechnen ist und sogar Klagen von Anwohnern oder Verbänden möglich sind.

Der eigentliche Beginn des voraussichtlich in vier Abschnitte gegliederten Baus wird demnach wohl nicht vor dem Jahr 2028 beginnen, schreibt der Zweckverband. Die ersten Bahnen sollen dann ab 2031 fahren.

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