Der Winter naht. Was wie eine Anspielung auf die berühmte Fantasy-Buchreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ des amerikanischen Autors George R. R. Martin klingt, meint eher die nun beginnende Heizperiode. In den Bergen hat es bereits den ersten Schnee gegeben, in den Tälern Frankens bleibt es immerhin kühl. Während Sonnenausflügler das Ende des Sommers beklagen dürften, schaut Claus Rottmann mit leuchtenden Augen dem Herbst entgegen. Denn schlechtes Wetter ist gut fürs Geschäft.
Aira: Eine Million Wärmepumpen in Deutschland bis 2033
Claus Rottmann steht vor der brandneuen Niederlassung des schwedischen Clean-Energy-Tech-Unternehmens Aira in Herzogenaurach, lässig angelehnt an eins der knallgelben Servicefahrzeuge der Firmenflotte. Rottmann leitet den knapp 1200 Quadratmeter großen Südost-Hub, wie er die erste süddeutsche Aira-Niederlassung nennt, von wo aus er mit seinem Team zu einem Hochlauf von Wärmepumpen in ganz Bayern beitragen möchte.
Der Freistaat ist ein guter Startpunkt, immerhin ist hier die Wärmepumpe prozentual am meisten vertreten. Das große Ziel: Bis 2033 will Aira deutschlandweit eine Million Wärmepumpen hauptsächlich in privaten Haushalten installiert haben.
Direktvertrieb, 15 Jahre Garantie, Ratenkauf
Das Besondere am Modell des schwedischen Unternehmens: Von der Idee bis zur jährlichen Kontrolle will es alles aus einer Hand anbieten. Für die Kunden bedeute die Wahl einer Direktvertriebsmarke wie Aira größtmögliche Autarkie, schreibt das Unternehmen. Erst seit Herbst 2023 ist Aira überhaupt auf dem deutschen Markt, nun also in Herzogenaurach.
Zum Portfolio gehören unter anderem Wärmepumpen verschiedener Leistungsklassen, sowohl für den Neubau als auch für den Altbau. Dabei gibt das schwedische Unternehmen eine Produkt- und Leistungsgarantie von 15 Jahren und überdies sollen sich Kunden die Wärmepumpen über einen monatlichen Ratenkauf einfacher realisieren können. Anfangs verkaufte Aira ausschließlich Geräte von Vaillant, seit dem Frühjahr bietet das schwedische Start-up zudem seine eigene Wärmepumpe an, hergestellt in Polen.
Herzogenaurach zentral in Bayern gelegen, bis zu 150 Mitarbeitende
„Von Herzogenaurach aus können wir zentral gelegen alle Gebiete in Bayern schnell und gut erreichen“, sagt Rottmann, der bereits seit 20 Jahren in der Energiewirtschaft tätig ist. Vertrieb, Planung, technisches Design, Installation und Kundenservice – aktuell sind ungefähr 30 Mitarbeitende unter seiner Leitung tätig. Perspektivisch sollen es bis zu 150 Mitarbeitende sein, die von Herzogenaurach aus einmal Wärmepumpen im gesamten Freistaat planen, einbauen und warten. Bayernweit erhofft sich Aira sogar 300 Mitarbeitende.
Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es in Herzogenaurach überdies die Aira-eigene Akademie, in der die Fachkräfte von morgen vollends auf das Thema Wärmepumpe eingeschworen und praktisch an eigens dafür aufgebauten Geräten trainiert werden sollen. „Viele in der Branche trauen sich an die Wärmepumpe noch nicht richtig heran, dabei gehört ihr in Deutschland die Zukunft“, so Rottmann. Es gehe um Mindset und Know-how; beides würden sie in der Academy erlernen.
„Wir suchen noch weitere Mitarbeitende in den Bereichen technisches Design, Fachplanung, Lagerlogistik sowie Fachkräfte in allen Gewerken (Heizungsbau, Elektrik, Garten- und Landschaftsbau) sowie Quereinsteigende mit handwerklichem Geschick und Interesse an Heizungs- und Wärmetechnik“, schreibt Aira. Um die zu finden, und um die Kundschaft in Franken im Showroom von ihren Angeboten zu überzeugen, feiert Rottmann am Samstag mit einem Tag der offenen Tür die Eröffnung seines 1200 Quadratmeter großen Aira Hubs (14. September, 11 bis 16 Uhr, Einsteinstraße 6a, Herzogenaurach).
Handwerksbetriebe kritisieren aggressive Personalpolitik
Während sich Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker qua Amt freut, dass der Untertitel seiner Stadt „Technologie und Sport“ durch ein weiteres innovatives Unternehmen gestärkt werde, erklingen auch kritische Stimmen über die Neuansiedlung. Zwar sagt Aira-Niederlassungsleiter Rottmann, der hiesige Markt sei groß genug, damit Aira dem lokalen Handwerk nicht zur ungleichen Konkurrenz werden könne. Doch die Kreishandwerkerschaft sieht das etwas anders.
Stephan Pohler ist Obermeister der Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) Erlangen und blickt mit gemischten Gefühlen auf Aira. „Klar sind im Moment Aufträge da. Aber das bleibt nicht ewig so. Doch wir in der Innung sehen ein größeres Problem in der aggressiven Werbung um Personal“, sagt Pohler. Die Sorge sei nicht, dass eigene Aufträge wegbrächen, sondern dass die ohnehin dringend benötigten Fachkräfte lieber zum unliebsamen Konkurrenten gingen oder gar von den Betrieben dorthin wechselten.
„Solche Firmen wie Aira zahlen oft nicht marktgerecht, subventioniert aus ganz anderen Bereichen. Da können wir kleinen Mittelständler nicht mithalten“, sagt Pohler. Ein Indiz dafür, dass Pohlers Angst nicht ganz unberechtigt ist, ist die Tatsache, dass Aira sich im Juni medienwirksam Fremdkapital in Höhe 200 Millionen Euro von der Bank BNP Paribas gesichert hatte, um sein Wärmepumpengeschäft auszubauen. Für Aira heißt diese Finanzspritze, dass sie ihr „Kundenangebot beschleunigen" können. Für Pohler und seine Kollegen klingt das eher nach ungleicher Konkurrenz und Verdrängung.
Den meisten Kunden wird es am Ende egal sein, im Zweifel profitieren sie davon. Konkurrenz belebt das Geschäft und gerade bei einer – trotz der nun erneut festgezurrten Förderperiode der Bundesregierung – weiterhin kostspieligen Anschaffung einer Wärmepumpe werden die Menschen ganz genau aufs Geld schauen. Und ob es dem alteingesessenen Heizungshandwerk gefällt oder nicht: Mit Aira ist ein neuer, schlagkräftiger Spieler hinzugekommen.
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