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Bitter
Das letzte Schuhgeschäft in Herzogenaurach schließt
Silvia Gottschalk berät eine Kundin. 23 Jahre hat sie das Schuhhaus geführt, jetzt ist Ausverkauf.
Silvia Gottschalk berät eine Kundin. 23 Jahre hat sie das Schuhhaus geführt, jetzt ist Ausverkauf. // Bernhard Panzer
Herzogenaurach – Das Schuhhaus Bitter ist der letzte Vertreter einer einst blühenden Branche in Herzogenaurach. Jetzt ist Ausverkauf. Aber es gibt für die Kunden auch eine gute Nachricht.

So wandeln sich die Zeiten: Einst galt Herzogenaurach als die Stadt der Schlappenschuster und Schuhfabriken und trug daher auch den Spitznamen „Fränkisches Pirmasens“. Nach der Stadt in der Pfalz, die das Zentrum der deutschen Schuhindustrie war. Heute ist von der einstigen Blütezeit nichts mehr übrig, und jetzt schließt auch noch das letzte Schuhhaus in Herzogenaurach. Schuh Bitter in der Bamberger Straße hat den Ausverkauf angekündigt, spätestens bis zum Jahresende soll das Lager geräumt sein.

Drei Häuser schlossen 2003 und 2022

Damit folgt die Besitzerin Silvia Gottschalk den drei Geschäften nach, die zuletzt noch in der Hauptstraße Schuhe verkauft haben: Hedwig Röttger bis Frühjahr 2022, heute werden dort Bücher verkauft. Und das Schuhhaus Herderich am Vehnturm schloss bereits 2003, ebenso wie Schuh Bauer am Türmersturm. In den ersten beiden Fällen waren es Altersgründe und fehlende Nachfolger.

Es sind mehrere Gründe, die Silvia Gottschalk zur Aufgabe bewogen haben. Zuerst fehlt auch ihr ein Nachfolger, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Weder ihre Kinder noch die ihres Bruders Edmund Bitter, der an der gleichen Adresse weiterhin orthopädische Schuhe herstellt, möchten das tun.

Silvia Gottschalk berät eine Kundin. 23 Jahre hat sie das Schuhhaus geführt, jetzt ist Ausverkauf.
Silvia Gottschalk berät eine Kundin. 23 Jahre hat sie das Schuhhaus geführt, jetzt ist Ausverkauf. // Bernhard Panzer

Außerdem seien ihre Mitarbeiterinnen auch schon älter. Außerhalb zu suchen, sei zudem sehr schwer. „Schuhverkäuferinnen findet man kaum mehr, gerade in einem speziellen Bereich“, stellt die 58-Jährige fest. Da ihr Mann jetzt in Rente gegangen sei, habe sie sich zu diesem in Schritt entschlossen, wenn auch schweren Herzens, wie sie sagt.

Alles hat seine Zeit

Aber sie weiß auch: „Alles hat seine Zeit im Leben“. Mit diesen Worten könnte man auch den Wandel im Handel erklären, vor allem in der Schuhbranche. In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg hat der frühere Schuhfabrikarbeiter und Buchautor Fritz Spieß allein rund um die Hirtenbuckstraße, wo er wohnte, 14 Schlappenschuster aufgelistet. Das waren Bürger, die in ihren Privathäusern Schusterwerkstätten betrieben.

Sie stellten Schuhe her und verkauften sie auch selbst. Ganz in diesem Sinne arbeiteten zuletzt noch die Schuhhandlungen Kaltenhäuser in der Heinrichstraße und Mahr in der Gartenstraße. Hinzu kamen in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts laut Spieß noch etwa 20 Schuhfabriken.

Sportschuh-Outlets in Herzogenaurach 

Und – ganz wichtig für den Werdegang der Stadt Herzogenaurach – nach dem Krieg die beiden Sportschuhfabriken von Adolf (Adidas) und Rudolf (Puma) Dassler. In diesem Bereich gibt es freilich auch heute noch Schuhe in Herzogenaurach zu kaufen. Allerdings sind das keine Straßen-, sondern Sportschuhe. Die Sportoutlets im Stadtnorden sind damit gut bestückt.

Plakative Hinweise  kündigen es an: Das Schuhhaus schließt, die Werkstatt macht weiter.
Plakative Hinweise kündigen es an: Das Schuhhaus schließt, die Werkstatt macht weiter. // Birgit Jentsch/Montage: Maximilian Arnold

Der sich seit Jahrzehnten schon abzeichnende Niedergang kleiner Geschäfte ist kein alleiniges Problem der Stadt Herzogenaurach. Selbst in größeren Städten, wie Erlangen, haben es Händler schwer. „Das liegt an der enormen Online-Konkurrenz“, erklärt Judith Jochmann, Leiterin des Stadtmarketings in Herzogenaurach.

Das macht auch vor dem Schuhverkauf nicht Halt, obwohl dort ja die Beratung und das Anprobieren eine große Rolle spielen sollten. Dennoch kaufen viele Kunden auch hier bereits im Internet ein.

Die größeren Läden respektive Filialen von Ketten täten sich mit dem Verlauf vor Ort noch leichter, allerdings würden sich diese Geschäfte mehr auf Oberzentren konzentrieren. Sie haben laut Jochmann genaue Vorstellungen von einer Mindest-Größenordnung einer Stadt. Und dass Herzogenaurach Großstädte vor der Nase hat, erleichtert die Sache auch nicht gerade. „In der Breite tun sich alle schwer“, sagt Jochmann. Besser sei es, sich zu spezialisieren.

Orthopädie-Schuhmachermeister Edmund Bitter mit Geselle Matthias Loos in der Werkstatt. Er führt sein Geschäft weiter.
Orthopädie-Schuhmachermeister Edmund Bitter mit Geselle Matthias Loos in der Werkstatt. Er führt sein Geschäft weiter. // Bernhard Panzer

Edmund Bitter tut das. Er ist Orthopädie-Schuhmachermeister, kümmert sich also um Schuhe für alle Menschen, die ein Fußproblem haben. 1989 hat er seine Werkstatt am Standort in der Bamberger Straße integriert und arbeitet dort mit drei Gesellen zusammen. Sein Hauptgeschäft sind Einlagen und Schuhveränderungen. Bisher konnte man die Schuhe direkt im Laden kaufen und sich entsprechend anpassen lassen.

Seit 1974 in der Bamberger Straße

Das Schuhgeschäft schließt nun. Silvia Gottschalk hatte es 2000 von den Eltern übernommen. Vater Bitter hatte sich 1951 als 19-Jähriger selbstständig gemacht und das Schuhhaus in der Bamberger Straße seit 1974 geführt. Sohn Edmund Bitter bleibt. Er wird nicht nur seine Werkstatt weiterbetreiben, er nutzt den bisherigen Laden, um diesen Bereich künftig besser zu präsentieren.

Orthopädie-Schuhmachermeister Edmund Bitter  führt seine  Werkstatt  weiter.
Orthopädie-Schuhmachermeister Edmund Bitter führt seine Werkstatt weiter. // Bernhard Panzer

Und ein kleines Sortiment an Spezialschuhen soll es auch noch geben. An Kunden fehlt es ihm nicht. Weil er sich spezialisiert hat und sein Beruf in der Region sehr selten ist, kann er sich durchsetzen. Die Leute kommen auch aus den angrenzenden Landkreisen, sagt er.

Somit ist Edmund Bitter der einzige verbliebene Schuhmacher in Herzogenaurach. Er ist der letzte seiner Art.

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