Mit einem Lächeln lässt Judith Rehäußer den Blick durch ihren Laden schweifen. Ein bisschen Wehmut schwingt dann aber doch mit, als sie erzählt, wieso die Türen von Judiths Schatzstube in Höchstadt am 20. Dezember zum letzten Mal öffnen werden.
Die Gründe sind wirtschaftlicher Natur, wie sie erklärt, doch die Entscheidung ist ihr nicht leicht gefallen. „Die Innenstadt wird einfach immer leerer, es gibt kaum Publikumsverkehr“, sagt Rehäußer, die ihr Geschäft in Toplage im September 2021 eröffnet hatte.
Doch auch andere Faktoren hätten zur Entscheidung geführt. 80 Mieter hatte Rehäußer zu Höchstzeiten. Denn das Besondere an ihrer Schatzstube: Hier verkaufte nicht nur Rehäußer ihre Produkte, sondern auch andere Künstler konnten ihre Werke auf ihrer Ladenfläche ausstellen. Das Ergebnis: Ein bunter Mix aus gehäkelten Körben, Kinderkleidung, Holzbrettern und -bierdeckeln mit Lasergravur, Keramik, Taschen, Kerzen und Kerzenhaltern, Schmuck, Bildern und vielem mehr.
Schließung in Höchstadt: Aus für Judiths Schatzstube
„Während Corona ist viel Kreativität entstanden“, erzählt Rehäußer. Gleichzeitig habe es kaum Kunsthandwerkermärkte gegeben. „Wenn also jemand was in die Richtung wollte, kam er zu mir.“ Inzwischen seien viele Künstler wieder zu den Märkten zurückgekehrt. „Andere haben nach Corona wieder in ihren Alltag gefunden und keine Zeit mehr dafür“, sagt Rehäußer.
Auch Geschäfte mit günstigeren Angeboten seien ein Problem. „Das ist, glaube ich, ein großer Punkt. Es wird viel bei Billiganbietern bestellt, wie Temu“, kritisiert Rehäußer. „Ich verstehe wirklich, dass jeder auf sein Geld schauen muss. Aber vielleicht müssen wir ein wenig umdenken. Weniger ist manchmal mehr, vor allem langfristig gesehen. So erhält man seine Anbieter vor Ort.“
Viel Konkurrenz von Billiganbietern online
Denn mit Preisen der Onlineanbieter können lokale Künstler nicht mithalten. „Ich möchte nicht der Moralapostel sein“, sagt Rehäußer schmunzelnd. Auch sie gibt zu, dass das Einkaufen von Zuhause oft bequemer ist. „Aber so ein kleines Umdenken, das wäre schön für die lokalen Händler.“
Der 20. Dezember soll also der letzte Tag für die Schatzstube sein. Der Abschied fällt Rehäußer nicht leicht, das sieht man ihr deutlich an. „Aber so sehr das Herz auch blutet, ich weiß, dass es kein ganz endgültiges Ende ist“, sagt die Künstlerin.
Ab Januar will Rehäußer loslegen und mit ihren Produkten einen Onlineshop aufbauen. „Das wird viel Arbeit“, sagt sie lachend und schaut sich um. „Ich muss meine ganze Ware – und das ist einiges – fotografieren und Beschreibungen erstellen. Dann muss ich mir überlegen, wie ich es mache mit Verpackungsmaterial und Versandkosten. Also ab Januar wird der Shop peu à peu aufgebaut.“
Vorerst soll es in ihrem Onlineshop aber nur ihre eigene Ware geben. „Ich biete Laserarbeiten an, Plotterarbeiten und Sublimation. Aus diesen drei Bereichen wird es Angebote geben. Sei es das gelaserte Brettchen oder Besteck, das man gravieren lässt. Ich mache auch Acrylarbeiten oder beplotte Dosen mit Sprüchen“, zählt Rehäußer auf. Über den Onlineshop kann man sich sämtliche Produkte personalisieren lassen.
Pläne für die Zukunft: Onlineshop und Marktsonntage
Auch das vordere Schaufenster ihres Ladens soll bestehen bleiben und regelmäßig neu dekoriert werden, ein QR-Code in der Auslage soll direkt auf den Onlineshop führen. „Auch die Handynummer bleibt“, sagt Rehäußer. Eine weitere Überlegung ist, den Laden an den Marktsonntagen zu öffnen.
Neu vermietet wird die Ladenfläche nicht. Früher war in dem Haus, das in Familienbesitz ist, ein Lederwaren- und Taschengeschäft, der Schriftzug Rehäußer prangt noch stolz über dem Eingang. „Es ist als Familienhaus mit Geschäftsfläche gebaut worden, das heißt es gibt im Erdgeschoss beispielsweise keine Sanitäranlagen“, erklärt Rehäußer. Auch wenn ihre Schwiegereltern, die über dem Laden wohnen, in den Keller wollen, müssten sie durch den Laden durch.
Leerstand in Innenstädten – was könnte helfen?
In der Stadt wird also ein Leerstand bleiben. „Das ist ein Problem, mit dem ja viele Städte zu kämpfen haben. Selbst Erlangen oder Nürnberg haben Leerstände“, sagt Rehäußer. Eine Idee, wie man die Innenstadt beleben könnte, hätte Rehäußer – für umsetzbar hält sie diese jedoch nicht. „Aber ich könnte mir vorstellen, was gehen würde, wären so kleine Handwerksläden. Sowas wie ein kleiner Töpferladen, Wolle mit Nähbedarf, ein Kunstschmied. Dinge, die sich wirklich von Action, Tedi und Co. abheben.“
Von ihren Kunden und Mietern hat Rehäußer bisher viel Verständnis für die Entscheidung bekommen. „Viele waren sehr traurig, vor allem die Mieter, die selbst aus unterschiedlichen Gründen nicht auf Märkte gehen können“, erzählt Rehäußer, die den Laden selbst nur als Kleingewerbe neben ihrem eigentlichen Job betrieb. „Aber es war auch sehr viel Verständnis von allen Seiten.“
„Die Kreativität bleibt – der Laden schließt“, schreibt Rehäußer in ihrem Beitrag zur Schließung auf ihrer Homepage. Und genau so will sie das Ende ihres Geschäfts auch sehen. „Eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich“, sagt sie lächelnd.



















