Generieren, führen, umwandeln, erhalten: Bei Schaeffler dreht sich in diesen Tagen anders als in den vergangenen Wochen wieder alles um die Bewegung. Dabei macht CEO Klaus Rosenfeld auf der Hannover Messe, einer der größten Industriemessen der Welt, mehrfach klar, dass die Herzogenauracher Firma längst nicht mehr nur ein Automobilzulieferer ist.
„Motion Technology Company“ nennt das Unternehmen sich inzwischen. Die Idee sei einfach: „Überall, wo heute Bewegung stattfindet, braucht es innovative Ideen“, sagt Rosenfeld. Und die will Schaeffler liefern.
Schaeffler: Mehr Fokus auf Roboter
Das Augenmerk soll sich hier künftig wohl vor allem auf humanoide Roboter richten, denn in diesem Bereich gebe es laut Rosenfeld eine „rasante Entwicklung.“ „Bis gestern war das noch Science Fiction“, sagt der CEO, heute sei es Realität und Schaeffler wittert hier eine Chance. Denn bei humanoiden Robotern zähle nicht nur die Software und die Künstliche Intelligenz (KI) dahinter, sondern auch die Motorik. „Die Stärke der deutschen Wirtschaft ist es, dass sie Software und KI-Anwendung mit Präzision kombinieren kann“, ist Rosenfeld überzeugt.
25 bis 30 Gelenke werden laut Angaben von Schaeffler im Durchschnitt in einem solchen Roboter verbaut. „Als Anwender humanoider Roboter im Produktionsumfeld verfügt Schaeffler über tiefgehendes Know-how hinsichtlich der hohen Anforderungen an die in humanoiden Systemen eingesetzten Komponenten“, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Unternehmen könne hier technische Lösungen bieten.
Vorteile bringe auf diesem Feld auch der Zusammenschluss mit Vitesco Technologies. Auf der ersten Messe seit der Fusionierung mit dem Automobilzulieferer aus Regensburg wird Rosenfeld nicht müde, die positiven Aspekte des Firmenzusammenschlusses zu betonen, zum Beispiel die Erweiterung des Produktportfolios. Auch das Know-how von Vitesco in Bezug auf Sensoren sei eine Bereicherung, denn diese seien nutzbar für Roboter, die sich reibungslos bewegen und präzise greifen können müssen.
Stellenabbau bei Schaeffler auch wegen Vitesco
Trotz aller positiver Worte hatte Schaeffler zuletzt vor allem mit dem geplanten Stellenabbau Schlagzeilen gemacht. 4700 Stellen will das Unternehmen in Europa streichen, rund 700 davon in Herzogenaurach. Betroffen sind hauptsächlich die Funktionsbereiche und Zentralabteilungen am Hauptstandort sowie in Schweinfurt. Wie der Autozulieferer bereits bei Bekanntgabe der Pläne bestätigte, hängt der Stellenabbau direkt in Zusammenhang mit der Fusionierung mit Vitesco.
Um den Stellenabbau reibungslos abzuwickeln, soll ein Freiwilligenprogramm Mitarbeitern Anreize geben, das Unternehmen zu verlassen. Details zum Inhalt des Programms oder dazu, wie es bisher angenommen wird, gab das Unternehmen bis zuletzt nicht preis. Bis 2027 soll der Abbau aber abgeschlossen sein, wie Schaeffler auf Anfrage dieser Redaktion Mitte März bestätigte. Der Standort in Höchstadt soll vom Abbau nicht betroffen sein.
Begehrter Preis der Hannover Messe geht an Siemens
Auf der Hannover Messe stehen für Rosenfeld aber die Technologien und die künftige Ausrichtung des Unternehmens im Fokus. Ihr Know-how will die Firma in Zukunft auch dazu nutzen, um sich neu zu orientieren. „Wir haben die Technik und die Innovation über Jahrzehnte perfektioniert“, so Rosenfeld. Das müsse man nun als Absprungbasis nutzen, um auf weltweite Trends einzugehen. Die deutsche Industrie sieht der CEO dafür perfekt positioniert.
Beinahe hätte Schaeffler auf der Messe noch den renommierten Hermes Award feiern können, der dort jährlich für Innovation und Technologie vergeben wird. In die Endrunde schaffte es ein „innovatives Wälzlager, das speziell für die Robotik, industrielle Automation und Zukunftsfelder wie beispielsweise Humanoide konzipiert wurde“. Stattdessen gewann der KI-gestützte Industrial Co-Pilot von Siemens, ein KI-basierter Assistent, den Preis.














