0
Betriebsrat: „Massiver Abbau“
Job-Beben bei Siemens: Erste Zahlen zum Standort Erlangen
2850 Stellen will der Industriekonzern Siemens in den nächsten drei Jahren abbauen. Davon betroffen ist auch der Standort in Erlangen.
2850 Stellen will der Industriekonzern Siemens in den nächsten drei Jahren abbauen. Davon betroffen ist auch der Standort in Erlangen. // Daniel Karmann/dpa/Symbolbild
Erlangen – Bisher hält sich Siemens noch bedeckt, wie viele Stellen in der Region abgebaut werden. Die Rede ist von einem unteren dreistelligen Bereich. Nun sind erste Zahlen für den Standort Erlangen bekannt.

Wie viele Stellen werden in der Region Erlangen und an den Standorten von Siemens in Nordbayern in den nächsten Jahren abgebaut? Das ist die große Frage, die seit vergangener Woche wohl viele Beschäftigte bei Siemens umtreibt. Vergangenen Donnerstag hatte das Unternehmen angekündigt, 2850 Stellen innerhalb der nächsten drei Jahre in Deutschland zu streichen, davon 2600 Stellen in der Digital Industries (DI) Sparte sowie 250 Stellen im Geschäft mit Ladelösungen für Elektrofahrzeuge.

Neben Erlangen sind auch die Standorte Amberg, Bad Neustadt, Fürth und Nürnberg besonders betroffen, denn in Bayern hat das Unternehmen einen Schwerpunkt im vom Abbau betroffenen Automatisierungsgeschäft. Am Montag sollen die Mitarbeiter am Standort Erlangen über erste Einzelheiten informiert worden sein. 150 Personen wären vom Stellenabbau bei Siemens G in Erlangen (Siemens Campus und Mitte)  betroffen, sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende für Siemens G, Martin Jandt.

Siemens: Stellenabbau pro Standort im unteren dreistelligen Bereich

Bei Siemens wollte man die genannte Zahl auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Bis alle Mitarbeitergespräche an den jeweiligen Standorten geführt worden seien, möchte man sich nicht über die Anzahl der geplanten Streichungen äußern. Zwar wären schon Teile der Metropolregion Nürnberg informiert worden. Genaue Angaben könne man derzeit allerdings nicht machen. „Das Problem ist, dass es sich nur um Planzahlen handelt“, sagt Bernhard Lott, Pressesprecher von Siemens für Bayern. Lott räumt jedoch ein, dass pro Standort mit einer Anpassung in einem unteren dreistelligen Bereich zu rechnen sei.

Siemens schließ betriebsbedingte Kündigungen aus

Wie geht es für die betroffenen Angestellten bei Siemens weiter? „Das Wichtigste ist, dass wir den Mitarbeitern die Angst genommen haben, dass sie nicht entlassen werden“, betont Martin Jandt, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende für Siemens in Erlangen, über die Gespräche am Montag, „Viele haben sich gefragt, ob sie auf einer Abschussliste stehen würden“, sagt Jandt über die Sorgen innerhalb der Belegschaft. Das Feedback sei nach den ersten Informationsveranstaltungen deutlich beruhigter gewesen, schildert der Betriebsrat seinen Eindruck.

In der Pressemitteilung vom 18. März hatte das Unternehmen klargestellt, dass es in Deutschland keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. Nun wird es darauf ankommen, welche Angebote das Unternehmen denjenigen machen wird, die vom Stellenabbau betroffen sind. „Es muss immer etwas angeboten werden“, sagt Jandt und bezieht sich dabei auf die Betriebsvereinbarung Radolfzell II, die 2010 geschlossen wurde. Das könnte Regelungen über Altersteilzeit, Vorruhestand, interne Versetzungen oder Aufhebungsverträge bedeuten. Genaue Propositionen will Siemens in den kommenden Wochen und Monaten in Gesprächen mit dem Gesamtbetriebsrat herausarbeiten. Laut Jandt seien in Fällen, in denen mehrere Standorte betroffen sind, nicht mehr die jeweiligen Betriebsräte vor Ort, sondern der Gesamtbetriebsrat zuständig.

Siemens: Fokus auf sozialverträgliche Gestaltung

„Konkrete Maßnahmen müssen nun noch definiert werden“, sagt Bernhard Lott. Er versichert: „Man wird alles Mögliche tun, um alles sozialverträglich zu gestalten.“

Die ersten Reaktionen über die Ankündigungen zum Stellenabbau fielen von Seiten der Arbeitnehmervertreter deutlich und scharf aus. Birgit Steinborn, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates, äußerte ihre Unzufriedenheit über Siemens gegenüber der Deutschen Presseagentur: „Wir haben kein Verständnis für die geplanten Maßnahmen bei der DI und sind angesichts der massiven geplanten Abbauzahl überrascht und verärgert.“

In der Frage, wie gravierend der geplante Stellenabbau denn sei, gehen die Meinungen auseinander. Siemens ordnet den Sachverhalt in der Pressemitteilung aus der vergangenen Woche wie folgt ein: Neben den Maßnahmen in Deutschland sind zusätzlich weltweit 5600 Stellenanpassungen geplant – und erwähnt in diesem Zusammenhang auch, dass bei dem Unternehmen derzeit 7000 offene Stellen, davon rund 2000 in Deutschland, ausgeschrieben seien.

In Erlangen wird das Ganze etwas anders gesehen. Jandt schließt sich in seinem Urteil der Gesamtbetriebsrätin an. Auch vor dem Hintergrund von Stellenabbau bei Siemens in den vergangenen Jahren kommt er zu dem Schluss, dass es um „eine massive Anzahl von Stellen geht, die hier abgebaut werden soll“. Jandt fügt hinzu: „Es ist eine extrem große Veränderung und aus meiner Sicht ist jede Stelle, die abgebaut werden soll, eine zu viel.“

Große Firmen kündigten großen Stellenabbau auch in der Region an

Mit dem Entschluss zum Stellenabbau ist Siemens nicht allein. In den vergangenen Wochen haben im Landkreis Erlangen-Höchstadt mehrere der größten Arbeitgeber den Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt, darunter Puma, Adidas und Schaeffler. 

 

Inhalt teilen
  • kopiert!