Es glitzert und leuchtet, aus den Lautsprechern dringen bekannte Weihnachtsklassiker – eigentlich fehlt nur der Glühweinduft, sonst könnten Besucher glatt meinen, sie stünden schon auf dem Weihnachtsmarkt. Denn auf den Regalen in dem kleinen Laden in der Herzogenauracher Hauptstraße drängen sich weihnachtliche Türkränze, handgemachter Schmuck, Engelchen aus Holz und verschiedenste Christbaumanhänger aneinander.
Mittendrin stehen Miri Zeitschel und Laura Langer hinter einem Tisch mit Sektgläsern und strahlen selbst mit der Weihnachtsbeleuchtung um die Wette. Zum ersten Mal richten sie das Weihnachtslädchen aus. 22 Hersteller aus der näheren Region bieten hier nun bis zum 23. Dezember ihre Ware an, jedes Teil ist selbstgemacht, jedes Teil ein Unikat.
Wunderschmiede seit 2023 in der Hauptstraße
Ganz neu ist das Konzept für Zeitschel und Langer nicht, schon seit Juli 2023 verkaufen sie auf einem Teil der jetzigen Ladenfläche ihre handgenähten Klamotten unter dem Namen Wunderschmiede. Die Marke an sich haben sie bereits 2016 gegründet. Auch während des Jahres haben sie Produkte anderer Anbieter zum Verkauf, dann sind es allerdings nur neun Anbieter statt der 22 während der Adventszeit. Auch die Verkaufsfläche ist für die kommenden Wochen deutlich größer.
„Sonst standen da vorne noch eine Couch und ein Kicker, das wurde jetzt alles rausgetragen“, erzählt Zeitschel lachend. Eigentlich handelt es sich nämlich um die Räumlichkeiten der IT-Firma ihres Mannes, die sich das Ladenlokal nun mit dem kleinen Weihnachtsmarkt teilt. „Unsere Männer machen manchmal schon ganz schön was mit uns mit“, scherzt Zeitschel, die hauptberuflich die Buchhaltung in der Firma ihres Mannes macht. „Unser Kopf ist immer voll mit Wunderschmiede.“
Dabei hat 2016 alles ganz klein angefangen. „Als ich schwanger war und nicht mehr gearbeitet habe, habe ich ein Hobby gebraucht“, erzählt Zeitschel. „Ich bin dann in einen Laden in Erlangen gegangen und habe mich beraten lassen. Ich hatte davor nie genäht und keine Ahnung.“ Wenig später habe sie Laura Langer kennengelernt. „Ich habe schon immer gestrickt und gehäkelt, aber irgendwie dachte ich immer, Nähen wäre ein Omahobby“, berichtet diese lachend. Durch Zeitschel habe sie sich dann auch fürs Nähen begeistert. „Wir haben uns alles selber beigebracht über YouTube zum Beispiel. Irgendwann waren unsere Kinder sozusagen benäht und Freunde haben angefangen, uns auch nach Sachen zu fragen. Dann wurde das einfach immer größer“, erzählt Langer.
„Mumelade“ aus Mühlhausen: Nur regionale Anbieter
Wie bei Zeitschel und Langer läuft es bei vielen Bastlern, deren Hobby irgendwann zum Nebenerwerb wird – egal ob an der Nähmaschine, am Plotter oder am Laser. Im diesjährigen Weihnachtslädchen ist von allem etwas vertreten. Neben Klamotten gibt es auch Schmuck, Deko aus Schiefer, Holz oder Glas, Pralinen, edle Liköre und allerlei Geschenkideen von lokalen Herstellern wie Tochter von Walter aus Gremsdorf oder Ver.wunderlich aus Oberreichenbach.
Eine der Ausstellerinnen ist Melanie Großmayer. „Ich mache das schon seit sechs oder sieben Jahren. Ich habe mit Nähen und Sticken angefangen, irgendwann kam dann das Plotten dazu, dann der Laser“, erzählt sie und zeigt auf ein Regal, in dem sich von ihr gefertigte Untersetzer aus Schiefer, Holzsterne und Tassen mit niedlichen Tieraufdrucken für Kinder befinden. Sonst verkauft die Mühlhausenerin ihre Produkte unter dem Namen Mumelade auf der Onlineplattform Kasuwa oder auf Weihnachtsmärkten. „Aber das hier ist auch gute Werbung, die Chance wollte ich nutzen“, sagt sie.
„Coronageburt“: Weihnachtslädchen 2021 eingeführt
„Vom Weihnachtslädchen profitieren alle“, ist Judith Jochmann, Leiterin des Stadtmarketings, überzeugt. Schon zum vierten Mal begleitet das Konzept die Vorweihnachtszeit. 2021 habe das Stadtmarketing es in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ ins Leben gerufen. „Es ist eine Coronageburt“, sagt Jochmann. „Damals war bis kurz vor der Adventszeit alles erlaubt und wir waren schon in den Startlöchern, als dann doch die Verbote kamen.“ Spontan habe man also das erste Weihnachtslädchen in einem damaligen Leerstand in der Innenstadt eröffnet. 2022 und 2023 führte Sylvia Röth vom „Klapperadatsch“ das Weihnachtslädchen fort. Das Konzept hat sich bewährt.
„Wir probieren gerne aus“, sagt Bürgermeister German Hacker bei der Eröffnung des diesjährigen Lädchens. „Und das Weihnachtslädchen hat eingeschlagen wie selten“, bestätigt auch er. Den beiden Organisatorinnen sowie den Ausstellern wünscht er „klingelnde Kassen“.
Innenstadt profitiert davon
„Ich glaube, dass viele das inzwischen kennen und dass da viele Nachfragen gekommen wären, wenn es das dieses Jahr nicht gegeben hätte“, so Jochmann. Konkurrenz für den Weihnachtsmarkt sieht sie im Weihnachtslädchen nicht. „Klar, das ist eine Gratwanderung, aber uns ist dadurch niemand weggebrochen“, sagt sie. „Wir haben ja auch nur vier Tage Weihnachtsmarkt, da ist das hier eine gute Ergänzung.“ Außerdem könnte nicht jeder Hersteller es leisten, tagelang auf einem Weihnachtsmarkt zu stehen.
In den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, dass viele sogar mehrfach im Weihnachtslädchen einkaufen. „Und wenn die Zielgruppe einmal in der Stadt ist, geht die auch in die anderen Geschäfte, die Geschenke anbieten“, so Jochmann. „Das ist ein Win-Win für alle.“



























