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Experte äußert sich
Automatensprenger wie in Küps werden immer rücksichtsloser
Die Suche nach den Tätern der Bankautomatensprengung in Küps läuft noch.
Die Suche nach den Tätern der Bankautomatensprengung in Küps läuft noch. // Sparkasse Kulmbach/Kronach
Landkreis Kronach – Wie kommt es zu solch brutaler Gewalt wie bei der Automatensprengung in Küps? Und fasst die Polizei solche Täter? Jannik Schmidt vom Bayerischen Landeskriminalamt hat Antworten auf unsere Fragen.

Bankraub 2.0 - ein begriffliches Phänomen, das längst durch unzählige Taten von Automatensprengern traurige Berühmtheit erlangte. So wie am am 17. Juli gegen 4 Uhr morgens in Küps jagen unbekannte Täter Geldautomaten in die Luft, um an die Geldkassette zu kommen. Und haben damit leider allzu oft auch Erfolg.

Die Tat an sich ist schon schlimm genug. Noch viel bedenklicher und vor allem gefährlicher ist aber der Umstand, dass die Täter das Risiko in Kauf nehmen, unschuldige Anwohner durch die Sprengung zu verletzen oder gar zu töten. Und auch bei ihrer Flucht sind sie nicht zimperlich. Nicht selten rasen sie mit rund 250 Stundenkilometern über die Autobahn und verursachen dabei auch den einen oder anderen Verkehrsunfall - teilweise mit Todesfolge. 

Auf schnelle Beute aus

Die Landeskriminalämter, die sich für die Bekämpfung von Geldautomatensprengungen einsetzen, sehen nicht nur ein wirtschaftliches, sondern vor allem ein sicherheitsrelevantes Kriminalitätsproblem. Unsere Reporterin spricht mit Jannik Schmidt, Pressesprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes (BLKA) über die Vorgehensweise der Täter und über die Möglichkeit ihrer Ergreifung.   

Schmidt bestätigt während des Gesprächs, dass die Täter immer risikofreudiger werden. "Sie haben nichts zu verlieren." Und das beziehe sich nicht nur auf die Tat selbst, sondern eben auch auf die Flucht. "Sie verschwenden keinen Gedanken an ihre Sicherheit oder die von anderen. Sie wollen in der Regel zwar nicht absichtlich jemanden verletzen, nehmen es aber billigend in Kauf."

Der materielle Schaden und der Sachschaden sei ihnen sowieso egal, so Schmidt. "Sie wollen nur ganz schnell ganz viel Beute machen und damit entkommen." Das Vorgehen bleibe beinahe immer das Gleiche, bestätigt er. 

Drei Fakten rund ums Thema Automatensprengungen


1. Es gibt eine eigene Taskforce ("GAA-Sprengungen" des Landeskriminalamtes Niedersachen), die gegen die Automatensprenger vorgeht.

2.  Die Automatensprenger unterhalten eigene "Schulen", ausgestattet mit den unterschiedlichsten Typen von Geldautomaten, um daran zu üben.

3. Auf TikTok, YouTube und anderen Plattformen feiern immer mehr Rapper die Bankautomatensprenger und widmen ihnen eigene Songs. 

 

Auf die Frage, auf welchen Wegen die Täter gefasst werden könnten, antwortet er: "Täter hinterlassen am Tatort immer Spuren. Diese werden sichergestellt und ausgewertet. Dafür gebe es eine ganz spezielle Dienststelle, die sich hauptsächlich auch um Waffen und Sprengstoff kümmere. "Sie übernehmen die Spurensicherung und die Auswertung." Das garantiere natürlich nicht zwingend eine Festnahme der Täter, "aber die Chance ist definitiv da." Werden die Sprenger tatsächlich gefasst, dann fänden sich oft Spuren auf ihren elektronischen Speichermedien, die auf weitere Fälle hinweisen. 

Eine weitere Möglichkeit zur Ergreifung bilde die sehr enge Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden. Da die Täter überwiegend aus den Niederlanden stammten - und nicht selten einen Migrationshintergrund hätten, sei dieses Vorgehen natürlich überaus sinnvoll. Denn die Täter selbst, bestätigt Schmidt, erwiesen sich bei ihrer Festnahme nicht wirklich als redefreudig. "Sie machen von ihrem Recht zu schweigen Gebrauch."  

Präventionsmaßnahmen sollen verstärkt werden

Doch die Zusammenarbeit beschränke sich natürlich nicht nur auf ausländische Behörden, sondern auch auf inländische. "Es gibt in jedem Bundesland einen zentralen Ansprechpartner." In Niedersachsen beschäftigt sich sogar eine eigene Taskforce mit den "Bankräubern 2.0". Der Austausch untereinander sei enorm wichtig, um Parallelen zwischen den Fällen ziehen zu können, versichert Schmidt. "So kann man feststellen, ob der Modus operandi der gleiche ist und auf eine gewisse Tätergruppe hinweist. Passen die Fälle zusammen, arbeiten wir sie ab. Wir befinden uns im ständigen Austausch, um auf dem Laufenden zu bleiben." Für einen großen Vorteil hält Schmidt die Tatsache, dass alle Fäden in Bayern dabei in der zuständigen Dienststelle des BLKA zusammenlaufen. 

Das Phänomen der Geldautomatensprengung ist übrigens nicht ganz so neu, wie man vielleicht vermuten könnte. "Es gab sie mindestens ab 2019. Richtig zahlreich wurden sie 2021." Das BLKA meldet zwar rückläufige Fallzahlen auf Bundes- und Landesebene, sei aber weit davon entfernt, Entwarnung zu geben. Aus diesem Grund wurde in Bayern ein Aktionstag durchgeführt, dessen Ziel es gewesen sei, die Präventionsmaßnahmen zu verstärken.

Erweiterung des Netzwerks ist dringend nötig

Weiter heißt es seitens des BLKA: "Ein weiterer Ansatz gegen das rücksichtslose Vorgehen dieser Banden, welche zumeist aus den Niederlanden zur Tatbegehung bis nach Bayern vorstoßen, sind präventive Risikoanalysen und diesbezügliche Beratungsgespräche mit den Banken, verbunden mit gezielten Empfehlungen und Umsetzungsmaßnahmen. Das gemeinsame Netzwerk zwischen den Banken und der Polizei wird bereits gelebt. Die Erweiterung und Intensivierung des Netzwerks sind jedoch zwingend nötig."

Das BLKA vermeldete allein zum Halbjahr 2024 14 Sprengungen. Ende 2014 resultierte daraus eine Gesamtsachschadens-Summe von rund 4 Millionen Euro und eine Gesamt-Beutesumme von zirka 1,6 Millionen Euro. 

Diese und andere YouTube-Videos zeigen, wie schnell und skrupellos die Täter bei den Sprengungen vorgehen

 

 

 

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