Manchmal gewinnt sein Herz über seinen Kopf, gesteht Heinrich Freiherr von Pölnitz (59), Diplom-Kaufmann und Forstwirt. "Schau ich einem Reh zu lange beim Äsen zu, denn kann es sein, dass ich nicht auf den Abzug drücke." Der Jäger und Waldbauer weiß um die inneren Konflikte eines Jägers, aber er muss auch die Belange des Waldes im Auge behalten. "Das tut dem Wald – gerade in Bezug auf den Klimawandel – nicht gut. Es braucht eben eine gesunde Balance."
"Nützen und Schützen" lautet das Motto
Und weil das bei ihm so gut funktioniert, wurde er mit dem Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung gewürdigt. Es ist die höchste Auszeichnung, die der Freistaat Bayern für Privatwaldbesitz vergibt. Eine Ehre, die auch den Landkreis Kronach betrifft. "Gut die Hälfte meines Waldes liegt bei Kronach", berichtet der Freiherr. Rund 210 Hektar zwischen Ziegelerden und Schmölz gehören zu seinem Besitz, den er von seinem Vater vor 18 Jahren übernommen hat.
Das diesjährige Motto des Preises lautete: „Wir brauchen den Wald – der Wald braucht uns“. Für von Pölnitz ist das keine leere Phrase, sondern eine klare Handlungsanweisung. "Nützen und schützen", so seine Maxime. Dafür ist er mindestens einmal pro Woche in seinen Kronacher Beständen vor Ort, behält den Überblick, markiert Bäume und Rückegassen, weist Harvester ein, pflanzt Bäume.
Er ist ein Macher, kein reiner Verwalter. Deshalb könne es auch vorkommen, dass er zu Hause ankommt und etwa so aussieht: "Gelbe Farbe im Gesicht, auf der Brille an den Händen." Die Farbe diene dazu, Bäume zu markieren, sei es für den Erhalt oder eben für die Fällung. All das erledige er zu Fuß, denn nur so könne er sich ein Bild über den Zustand seiner Wälder machen.
Die Vielfalt kommt mit der Motorsäge
Von Pölnitz steht für einen Umbau des Waldes, für Vielfalt. Und er macht klar: "Diese Vielfalt kommt mit dem Forstwirt und der Motorsäge." Er macht es am Beispiel der Fichte fest, die den Frankenwald dominiert. "Sie hat einen genetischen Rucksack aus den letzten 300 Jahren, aber die Bäume müssen sich anpassen." Seine Prognose ist unmissverständlich: "Deshalb wird die Fichte verschwinden, die Eiche und wärmeliebende Baumarten dagegen bleiben stehen."
Um den Wald der Zukunft zu bauen, brauche es Alternativen. "Deshalb brauchen wir Baumarten wie Esskastanie, Hainbuche, Douglasie." Dass manche Vorbehalte gegen Bäume hegen, die ursprünglich in Deutschland nicht heimisch waren, kann er nicht nachvollziehen. Dafür findet er ein plakatives Beispiel. Zum Slogan "Douglasie go home" fällt ihm Cem Özdemir ein. "Da erkennt man doch auch nur noch am Namen, dass er der Sohn von türkischen Gastarbeitern ist, und niemand würde ihn deshalb in die Türkei schicken."
Keine "Bambi-Idylle"
Zum Waldumbau gehört für ihn auch, alte Zöpfe abzuschneiden. "Licht muss auf den Boden kommen und wir müssen aufräumen, beides wurde versäumt." Auch mit der "verklärten Bambi-Idylle", die "eher anstrengend" sei, räumt er auf. Der Wildbestand müsse reguliert werden, damit der neue Baumbestand eine Chance habe.
Ein "Schulterklopfer" von der Ministerin
Für den Staatspreis musste er sich erst bewerben; ein Schritt, für den er sich Zeit ließ. "Wenn ich was mache, mache ich es richtig. Dann braucht es seine Zeit." Unter dem Strich habe es sich gelohnt. Von Pölnitz outet sich als Fan von Forstministerin Michaela Kaniber, die den Preis an die 15 Preisträger verlieh. "Ihre lobenden und schönen Worte haben sich eingeprägt", sagt er. Die Ministerin habe den "unermüdlichen Einsatz, den Fleiß und das Herzblut" gelobt. Für von Pölnitz war das "ein deutlicher Schulterklopfer, etwas ganz richtig gemacht zu haben."
Dass er der einzige oberfränkische Preisträger war, bedauert er. Er vermutet, dass ein Grund dafür die Schäden seien, die der Borkenkäfer verursacht habe und deshalb viele seiner Kollegen auf eine Bewerbung verzichtet hätten. Für ihn allerdings kein Grund, das Handtuch zu werfen. Auch er selbst habe 25 Hektar Wald durch den Käfer verloren. Sein Credo: "Man darf es halt nicht einfach liegen lassen. Es wurde alles wieder aufgeforstet."
Ein Freiherr mit Bodenhaftung
Insgesamt bewirtschaftet er mit Familie und externer Unterstützung 450 Hektar Wald. Das stellt ihn vor unterschiedliche Herausforderungen. Sein Kronacher Wald als südlicher Ausläufer des Frankenwaldes zum Beispiel verfügt überwiegend über sandige Böden. Hier finde man vor allem die Fichte, aber auch Kiefern und Douglasien. Der Wald in Schlüsselfeld liegt im Steigerwald und bestehe vorwiegend aus Kiefern, Eichen und Buchen. Dann wäre noch sein Besitz in Hundshaupten, ein Wald, der eng mit der Fränkischen Schweiz verbunden ist, sehr felsig sei und hauptsächlich aus Ahorn, Eschen und Buchen bestehe. Seine Verbundenheit für seinen Waldbesitz drückt er mit einem Augenzwinkern aus: "Ich kenne fast schon jeden Baum beim Vornamen."
Trotz der Auszeichnung und seines Titels ist Heinrich Freiherr von Pölnitz bescheiden geblieben. "Ich hab einen langen Namen, aber dafür kann ich ja nix", witzelt er. Er weiß um die Sozialfunktion des Waldes, der Wanderern, Joggern und Pilzsuchern kostenlos zur Verfügung steht. Dafür fordert er nur eines ein: Rücksichtnahme. Er bittet darum, "dem Wild in den Abendstunden einfach etwas Ruhe zu gönnen, damit es äsen kann."





























