Halsschmerzen, Husten, Gliederschmerzen: Die herbstliche Erkältungswelle rollt, immer mehr Menschen in Unterfranken stecken sich momentan mit einem Infekt an. „Viele sind krank, viele haben Corona und es sind auch echte Influenza-Patienten dabei“, sagt Joachim Lentzkow, Allgemeinmediziner und unterfränkischer Vorstandsbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB). Das sei „extrem ungewöhnlich“, normalerweise breite sich die Grippe erst im Januar aus.
In seiner Praxis in Goldbach (Lkr. Aschaffenburg) zählt der Hausarzt derzeit bis zu 200 Infekt-Patienten pro Woche. „Meist fängt es heftig an, mit Hals- und Gliederschmerzen, die Patienten fühlen sich matt und wollen nicht mehr aufstehen“, sagt Lentzkow. Schwere Verläufe gebe es zum Glück kaum, allerdings seien die Infekte oft hartnäckig und dauerten länger an.
In Bayern bisher 50 Grippe-Fälle registriert
Bundesweit geht das Robert Koch-Institut (RKI) derzeit von etwa 7,5 Millionen akuten Atemwegserkrankungen aus. Die Zahlen würden insbesondere bei Erwachsenen zwischen 35 bis 59 Jahren steigen, heißt es im aktuellen RKI-Wochenbericht. Die geschätzte Covid-19-Inzidenz in der Bevölkerung bleibe weiter eher niedrig. Grippefälle registrierte das RKI bisher nur vereinzelt.
Auch in Bayern sind die Influenza-Zahlen noch niedrig. Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurden nach dem Beginn der Grippesaison zwischen 29. September und 6. Oktober insgesamt 50 Fälle im Freistaat registriert. Neben der Influenza registrierte das LGL bisher in dieser Saison zwei RSV-Infektionen, 754 Corona-Fälle sowie neun Pneumokokken-Fälle in Bayern.
„Es ist voll, wir sehen sehr viele Infekte“, sagt Dr. Mohammad Ahmadi, unterfränkischer Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes. Auch in seiner Praxis in Mainstockheim (Lkr. Kitzingen) stieg die Zahl der Infekt-Patienten in der vergangenen Woche deutlich.
Etwa 90 Prozent der Patientinnen und Patienten würden über Symptome wie „starke Halsschmerzen und extreme Gliederschmerzen“ klagen. Getestet würde nicht mehr, sagt der Allgemeinmediziner. „Klinisch würde ich aber sagen, dass viele Corona haben.“
Grippefälle gebe es bei ihm noch keine, sagt dennoch Ahmadi. Doch rät er dringend zur Impfung: „Der perfekte Impfzeitpunkt ist jetzt!“ Da in Unterfranken in diesem Jahr „Herbstwetter seit Ende August“ herrsche, hält er es für möglich, dass die Grippesaison insgesamt etwas früher beginnt. „Ich würde mich so schnell wie möglich impfen, bevor mich ein Infekt erwischt.“
Ärzte und die Gesundheitsministerin raten jetzt dringend zur Grippe-Impfung
Gleiches empfiehlt der KVB-Beauftragte Joachim Lentzkow: „Wenn ich gerade noch gesund bin, würde ich mich jetzt impfen.“ Die Nachfrage in seiner Praxis nach der Grippe-Impfung sei im Moment hoch, Impfstoff sei ausreichend vorhanden.
„Gerade bei den sogenannten Risikogruppen kann eine Infektion mit Grippeviren zu einem schweren Verlauf führen“, warnt Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach. Auch die CSU-Politikerin sagt: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine Impfung – vor allem für ältere Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen.“
Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Grippe-Impfung Menschen ab 60 Jahren, sowie chronisch kranken Menschen, Schwangeren und Bewohnerinnen und Bewohnern von Senioren- und Pflegeheimen. Auch für Pflegekräfte und medizinisches Fachpersonal, die viele Kontakte mit anderen haben, ist der Impfschutz wichtig. Möglich sind Grippe- und Corona-Impfungen sowohl bei Ärzten, als auch in Apotheken.












