Brüssel ist weit weg? Von wegen! Die Europäische Union (EU) fördert verschiedene Projekte im Landkreis Bad Kissingen. Zwei Schwerpunkte sind die LEADER-Projekte und die Bildungskommune.
Seit 2003 wurden im Kreis insgesamt 99 LEADER-Projekte umgesetzt. Zum Beispiel wurde das Naturerlebnisbad Aura neugestaltet, der Skatepark Oberthulba errichtet und viele Museen barrierefrei umgebaut. Aktuell baut sich die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) eine neue Zentrale in Bad Kissingen.
„Die Leader-Projekte haben unsere Region vorangebracht“, sagt Cordula Kuhlmann. Sie ist Leiterin der Abteilung Regionalentwicklung und ‑management im Landratsamt, die LEADER und die Bildungskommune organisiert.
Grundsätzlich will die EU den ländlichen Raum voranbringen. Der Landkreis musste ein Papier schreiben, wie das gelingen soll. Und weil dieses so offen formuliert ist, kommen die Gelder so verschiedenen Vorhaben zugute.
Förderung zwischen 40 und 70 Prozent
Kommunen, aber auch Vereine und Unternehmen können eine Förderung beantragen. Ein Gremium, das sich aus verschiedenen Interessensgruppen zusammensetzt, entscheidet über den Antrag. Die Förderung liegt zwischen 40 und 70 Prozent. Mehr Geld gibt es, wenn das Vorhaben nicht gewinnorientiert ist und mit anderen Regionen aus Deutschland oder Europa verwirklicht wird. Den Rest muss der Antragsteller bezahlen.
Das Geld stammt aus einem Fonds der EU und des Freistaates Bayern. Wie bei allen EU-Programmen muss sich der Landkreis alle sieben Jahre neu bewerben. Bisher hatte er damit immer Erfolg. Für diesen Förderzeitraum wurden die Mittel von 1,8 Millionen Euro schon ausgegeben. „Wir hätten gerne mehr“, gibt Kuhlmann zu. Allerdings: Als strukturschwache Region erhält der Landkreis Bad Kissingen eine höhere Förderung als etwa der wirtschaftsstarke Landkreis München.
Bildungskonferenzen mit verschiedenen Themen
Ein Höhepunkt der Bildungskommune ist die jährliche Bildungskonferenz. Vertreter aus Schulen und außerschulischen Bildungseinrichtungen – zum Beispiel dem Naturerlebniszentrum Rhön – tauschen sich aus und verhandeln ein Thema. Vergangenes Jahr war es mentale Gesundheit, dieses Jahr ist es Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dabei geht es nicht nur darum, wie die Bildungseinrichtungen das Thema vermitteln, sondern auch darum, es selbst in ihrem Haus anwenden zu können – beispielsweise wurde bei der Konferenz 2025 neben der psychischen Gesundheit der Schüler auch die der Lehrer behandelt.
Ein Bildungsrat entscheidet jedes Jahr, was bei der anstehenden Bildungskonferenz thematisiert werden soll. „Wir nehmen Themen auf, bei denen Bedarf besteht, und geben Hilfe“, sagt Kuhlmann.
Darüber hinaus ist ein Bildungsportal entstanden. Darauf lassen sich Informationen über alle Bildungseinrichtungen im Kreis wie Schulen, Kindergärten und Volkshochschulen finden. Bald soll es auch einen Steckbrief zum Bildungsangebot in jeder Kommune geben. „Die Webseite wird gut angenommen“, sagt Kuhlmann.
Die Bildungskommune finanziert sich zu 40 Prozent aus dem Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) mit Mitteln des Bundes und der EU und zu 60 Prozent aus dem Landkreis.
Welche Ziele hat die EU?
Doch warum steckt die EU so viel Geld in diese Programme? „Wir wollen die Bürger und Kommunen vor Ort unterstützen“, sagt Wolfgang Bücherl, Leiter der Europäischen Kommission für Baden-Württemberg und Bayern. Das ist aber nicht der einzige Grund. „Gerade bei innovativen Projekten fehlen oft Mut und Geld. Mit EU-Geldern ist die Schwelle niedriger!“, sagt Bücherl, „außerdem fördern wir so den europaweiten Austausch. Die Projektträger bekommen ihre Informationen nicht nur vor Ort, sondern aus ganz Europa.“ Zusätzlich erhofft sich die EU, dass sie auf diese Art ihre Ziele erreicht – zum Beispiel bis 2050 klimaneutral zu werden.
Dabei setzt die EU nur den Rahmen und mischt sich nicht in die Projekte ein. „Wir wollen, dass die Akteure einbezogen werden und Verantwortung nehmen“, sagt Bücherl. Auch deswegen gibt es – abgesehen von der Forschung – keine Förderung von 100 Prozent.













