„Wir sprechen über ein wichtiges Thema, was die Sulzthalerinnen und Sulzthaler und auch den Gemeinderat schon seit längerem beschäftigt“, sagte 2. Bürgermeisterin Gabi Dehmer zu Beginn die Bürger-Informationsveranstaltung zum Thema Freiflächen-Photovoltaikanlage nahe der Kreuzkapelle.
Sie begrüßte rund 60 Teilnehmer, von denen sich auch einige zu Wort meldeten, eine Tendenz für oder gegen das Vorhaben war nicht auszumachen.
Bürgermeister selbst beteiligt
Gabi Dehmer hatte die Versammlung vorbereitet und leitete sie, weil Bürgermeister August Weingart als Eigentümer einer Fläche im geplanten Gebiet persönlich betroffen ist.
Christian Schweikardt und Vanessa Varga stellten die Firma GPJoule und das Projekt vor, Schweikardt ist für die Kommunikation zuständig und gab an, Bindeglied zwischen GPJoule und Gemeinde zu sein.
Firma bereits 2009 gegründet
2004 hätten die Landwirte Heinrich Gärtner und Ove Petersen den ersten Solarpark gebaut, 2009 gründeten sie dann GPJoule. Die Firma habe mittlerweile mehr als 600 Mitarbeiter in ganz Deutschland und schon mehr als 1000 Megawatt Kraftwerkleistung installiert.
Varga ging auf das Vorhaben in Sulzthal ein, es handle sich um rund 16 Hektar „benachteiligtes Gebiet“, die Maßnahme sei förderfähig nach dem Erneuerbaren Energiengesetz. Die GPJoule-Mitarbeiterin betonte jedoch, dass das Projekt auch ohne Förderung profitabel wäre.
Strom für umgerechnet 4900 Haushalte
Der Solarpark könne umgerechnet 4900 Haushalte mit Strom versorgen, unter den Paneelen werde zwei Mal jährlich gemäht oder es könne Schafhaltung betrieben werden. Schweikardt ging mit Gewerbesteuer, möglichen Beteiligungen und den 0,2 Cent je Kilowattstunde noch auf die Wertschöpfung vor Ort ein. Der Aufstellungsbeschluss liege vor, jetzt müssten Bauleitplanverfahren und danach die öffentlichen Auslegungen erfolgen.
Die Fragerund eröffnete Harald Tremer, er wollte wissen was, benachteiligtes Gebiet bedeutet und ob GPJoule in Sulzthal noch weitere Flächen ins Auge gefasst habe. Benachteiligte Flächen seien Felder unter einer bestimmten Ertragsmesszahl. Welche Bonität die Flächen genau haben, konnten aber weder Gp Jpule, noch die Eigentümer, noch Dehmer sagen. GPJoule versicherte, dass aktuell nur dieses Projekt in Sulzthal geplant werde.
Keine Fläche der Gemeinde beteiligt
Franz Diez stellte fest, dass der Markt Sulzthal an der Fläche nicht beteiligt sei. Aufgrund der Tatsache, dass auch Nachbarkommunen Anlagen planten, wollte er wissen, ob es seitens des Landratsamtes Unterstützung gebe.
Die Gemeinderäte Klaus Keller und Ludwig Edelmann informierten, dass sie bei einem Treffen zum Thema regionale Energiegenossenschaft dabei gewesen seien und bedauerten, dass es hier in keiner Weise voranginge. Edelmann sah die Freiflächenanlagen nicht als Flächenverbrauch an, auch unter den Anlagen herrsche vielfältiges Leben.
Ralf Ruppert wies auf den Vorstoß anderer Gemeinden wie Zeitlofs hin, die Anlagen nur noch auf gemeindlichem Grund zuließen. Laut Marktstammdatenregister gebe es in Sulzthal nur 77 Photovoltaikanlagen und 20 Stromspeicher. Leider seien die meisten Dächer noch weitestgehend leer, während landwirtschaftliche Flächen zugepflastert werden sollen.
Windräder statt PV-Anlagen nötig
Die Fläche aufzuforsten und dafür weitere Windräder zu bauen, sei für ihn die bessere Lösung, denn: Ein Windrad benötige höchstens einen halben Hektar Fläche, erzeuge aber bis zu 15 Millionen Kilowattstunden Strom. Dagegen werde auf einem Hektar PV-Anlage nur rund eine Million Kilowattstunden pro Jahr erzeugt.
Ruppert verwies zudem auf Kartenmaterial der Regierung von Unterfranken, das als Planungshilfe für die Kommunen gedacht sei. Hierin das Areal als Fläche mit hohem Raumwiderstand und Britgebiet der streng geschützten Wiesenweihe dargestellt. Die Regierung von Unterfranken schließt Freiflächen-PV-Anlagen für solche Gebiete eigentlich aus.
Landwirt verweist auf schwierige klimatische Verhältnisse
Auch Gabi Morath-Halbig ging noch einmal auf den Artenschutz ein und wollte wissen, ob die Einspeisung gesichert sei. Die GPJoule-Mitarbeiter sagten dagegen, dass das artenschutzrechtliche Gutachten bisher keine Hindernisse ergeben habe.
„Auf dem Muschelkalk zu arbeiten ist eine Herausforderung“, sagte Jürgen Herrle, Landwirt und selbst Besitzer einer Fläche. Die Erträge würden von Jahr zu Jahr sinken, ob des Klimawandels plädierte er für Energiegewinnung statt Pflanzenbau. Bürgermeister August Weingart sprach sich für klare Grenzen beim Flächenverbrauch für PV-Anlagen aus. Der Gemeinderat habe sich für eine Begrenzung auf 20 Hektar ausgesprochen, aber ein zu viel gebe es bei diesem Thema eigentlich nicht. Man müsse hier über den Kirchturm hinaus denken.
Meinung der Bevölkerung wird nicht abgefragt
Gemeinderat Andreas Sauerhöfer erinnerte noch einmal daran, das Meinungsbild der Bevölkerung abzufragen. „Kann man die Bürger nicht zu diesem Thema abstimmen lassen?“, wollte Toni Stephan wissen. Auch Gabi Dehmer wollte die Meinung der Bürgerinnen und Bürger zu diesem Thema wissen, deshalb sei man ja auch heute hier zusammen gekommen. Sie hegte aber Zweifel, ob ein Bürgerentscheid hier die richtige Lösung sei. Auch in der Versammlung wurde kein Meinungsbild abgefragt.
















