Rund 12.000 Männer und Frauen leisten deutschlandweit derzeit ihren freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr. Unter ihnen 90, die ihre Grundausbildung auf dem Truppenübungsplatz auf dem Lagerberg in Hammelburg absolvieren. Oberfähnrich Alexander B., die Bundeswehr nennt Soldaten nur im Ausnahmefall mit ganzem Namen, bildet einen Zug mit 35 Rekruten aus. „Anfangs waren es 39“, erklärt er. Eine Abbruchquote von rund 20 Prozent sei normal – aus mentalen oder körperlichen Gründen, aufgrund falscher Vorstellungen im Vorfeld, oft aber auch, weil sich beruflich eine Alternative auftut.
Freiwilliger Wehrdienst in Hammelburg: Dienstbeginn mit Frühsport um 5.30 Uhr
Die insgesamt 90 freiwilligen Rekruten, darunter sechs Frauen, sind in Hammelburg gewissermaßen zu Besuch. Sie absolvieren ihren freiwilligen Wehrdienst im Rahmen eines Projekts der 3. Kompanie Panzerbataillon 363 (Hardheim) und nutzen die hochwertigen Ausbildungsmöglichkeiten am Lagerberg. Sechs Monate verbringen die Freiwilligen in Hammelburg, seit dem 1. Oktober 2025 sind sie bei der Bundeswehr.
Im Alltag wird ihnen viel abverlangt: „Dienstbeginn ist normalerweise um 5.30 Uhr. Wir prüfen die Vollzähligkeit, dann gibt es 30 Minuten Frühsport, je nach Plan drinnen oder draußen“, erklärt Alexander B. „Nach dem gemeinsamen Frühstück beginnt ab 7 Uhr die Ausbildung. In den ersten Wochen liegt der Schwerpunkt auf der Theorie, in den Folgewochen gehen wir in die Handhabung von Waffen über. Über den Simulator geht es dann zum scharfen Schießen. Abschließend geht es in die Ausbildung Gefechtsdienst, da sind wir fünf Wochen am Stück draußen, leben im Wald und üben Stellungsbau, Verteidigung und Angriff“, führt er aus. Am Ende gibt es eine Abschlussprüfung für die Rekruten.
Zusammenleben auf engstem Raum: „Das dauert seine Zeit“
Für seinen Zug steht beim Pressetermin erstmals auf dem Programm, scharfe Handgranaten zu werfen. „Es geht darum, die Angst vor der Handgranate zu verlieren“, so der Oberfähnrich. Hauptmann Marvin D. betreut die Übung: „Die Rekruten haben vorher schon das Werfen mit Übungsgranaten geübt, damit die Handgranate auch da landet, wo man will. Das ist ja nicht wie bei den Bundesjugendspielen, dass man möglichst weit wirft. Sondern es geht darum, einen bestimmten Radius zu treffen“, erklärt er. Unfälle habe es in seiner Laufbahn noch keine gegeben, sagt Zugführer Alexander B. „Wir sind aber dafür ausgebildet, was dann zu tun wäre.“
Besonders herausfordernd sei für die jungen Männer und Frauen die Umstellung, sich ständig mit vielen anderen Menschen auseinandersetzen zu müssen. Die Rekruten leben in Vierer-Stuben zusammen. „Viele sind noch von Corona geprägt und waren oft für sich“, erklärt der Oberfähnrich. „Wir wollen die Gemeinschaft fördern. Für die Rekruten ist es schwierig, das alles zu verarbeiten. Das dauert seine Zeit.“
Zwei Drittel der freiwilligen Rekruten bleiben bei der Bundeswehr
Auch körperlich müssen die Soldatinnen und Soldaten an ihre Grenzen gehen. „Wir marschieren mit fast 20 Kilogramm Gepäck jeden Tag sechs Kilometer, bald werden es zehn sein“, sagt der Ausbilder. „Entscheidend ist, dass wir immer noch zu 100 Prozent leistungsfähig sind, wenn wir am Ziel ankommen.“
Dennoch: Rund zwei Drittel bleiben nach ihrem Wehrdienst bei der Bundeswehr, schätzt der Soldat. Der freiwillige Wehrdienst werde insgesamt gut angenommen. In seinem Zug, ergänzt er, sind die Rekruten von 17 bis 32 Jahre alt. Die meisten Freiwilligen seien maximal 22, ein Teilnehmer in einem anderen Zug ist aber schon 55 Jahre alt. „Er will nachholen, was er als Jugendlicher nicht machen konnte“, erklärt Alexander B.
















