36 Jahre war er im Stadtrat von Hammelburg, acht Jahre Ortsbeauftragter von Diebach sowie viele Jahre zweiter und dritter Bürgermeister der Stadt Hammelburg. Er war Fraktionsvorsitzender des Christlichen Bürgerblocks (CBB), 18 Jahre Mitglied im Kreistag Bad Kissingen, Ehrenamtlicher Verwaltungsrichter und Schöffe am Landgericht Schweinfurt.
Reimar Glückler aus Hammelburg hat sich etliche Jahre für seine Heimat engagiert, sich eingebracht und für die Belange der Bevölkerung eingesetzt. Seine Vita ist lang und trotzdem hat er dabei sein Ziel, Hammelburg mitsamt seinen Ortsteilen weiter voranzubringen, nie aus den Augen verloren.
Nach über 40 Jahren ist für den 80-Jährigen in der Kommunalpolitik nun allerdings Schluss. „Ich habe das Amt als Auszeichnung gesehen, aber auch als Verpflichtung den Bürgern gegenüber. Während dieser Zeit hatte ich einige Highlights, auf die ich stolz bin. Ich habe auch meinen inneren Frieden gefunden, trotz mancher Niederlagen und menschlichen Enttäuschungen. Ich würde vieles wieder so machen, denn es war eine Erfüllung, mitwirken zu dürfen“, sagt er.
Im Interview blickt Reimar Glückler nun zurück, schaut aber auch in die Zukunft.
Herr Glückler, sie haben sich viele Jahre in der Hammelburger Kommunalpolitik engagiert. Können Sie sich noch an Ihre Anfänge erinnern?
Glückler: Ich wurde 1984 von Edgar Hirt, einem Urgestein des Christlichen Bürgerblocks (CBB), gebeten zu kandidieren. Da ich es nicht sofort in den Stadtrat geschafft habe, bin ich 1990 erneut angetreten – und diesmal auch mit eingezogen. Was uns damals stark gemacht hat, das war, dass wir nach dieser Wahl die absolute Mehrheit der CSU gebrochen haben, welche sie Jahrzehnte lang in Hammelburg hatte. Die CSU hat den ersten Bürgermeister gestellt, hat den zweiten Bürgermeister gestellt und auch den dritten – sie hat uns also nicht rangelassen. Mit Bürgermeister Arnold Zeller (CBB) hat sich das dann schließlich bei der Wahl 1990 geändert.
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Die absolute Mehrheit hat bis heute keiner mehr. Ist das eines der Dinge, welches sich im Laufe der Zeit im Gremium verändert hat?
Absolut. Damals gab es die CSU, die SPD und uns vom CBB – nur vereinzelt waren noch Kollegen von kleineren Listen im Stadtrat vertreten. Heute ist das anders. Das Gremium ist bunt gemischt und drei große, starke Parteien gibt es nicht mehr wirklich. Ansonsten hat sich nicht wirklich viel getan. Die Themen sind natürlich etwas anders als damals, die Zusammenarbeit im Gremium war aber schon immer gut und die Diskussionen sachlich, schließlich haben wir alle das gleiche Ziel: Hammelburg weiter voranbringen.
Haben Sie mal eine getroffene Entscheidung bereut?
Es gibt natürlich Entscheidungen, die bereiten einem auch mal schlaflose Nächte. Irgendwann kommt aber der Zeitpunkt, an dem eine Wahl getroffen werden muss, auch wenn einem bewusst ist, dass man es damit vermutlich nicht allen recht machen kann. Bereut habe ich allerdings keine meiner Entscheidungen. Ich habe immer versucht, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln, um die Stadt Hammelburg so bestmöglich weiterzubringen.
In Ihren 36 Jahren mussten Sie sicherlich viele Entscheidungen treffen. Welche waren da die Schwersten?
Mit eine der schwersten Entscheidungen stand gleich zu Beginn meiner Zeit an. Wir haben damals vorgeschlagen, die Turnhouter Straße zu verlegen. Daraufhin gab es einen riesigen Protest aus den CSU-Reihen und der Bevölkerung. Am Ende brachte das sogar 1700 Unterschriften hervor. Ich bin der Meinung, der Vorschlag war richtig, die Turnhouter Straße nicht direkt an den Hausreihen am Langen Graben vorbeizuführen – anders als die 1700 Unterschriften es verlangten. Jeder Besucher aus der Stadt hätte sonst über die viel befahrene Straße zum Parkplatz laufen müssen. Trotzdem war es kein leichter Entschluss, gegen die 1700 Unterschriften zu stimmen.
Wenn ich so zurückblicke, gab es sicherlich noch mehr solcher schwierigen Entscheidungen. Dazu gehört zum Beispiel auch der Verkauf des städtischen Weingutes auf Schloss Saaleck oder die Abstimmungen über das Gewerbegebiet IV in Westheim, die Ende 2025 anstanden.
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Wie haben Sie solche schwierigen Entscheidungen am Ende für sich getroffen?
Es gibt ab und zu Entscheidungen, da wünscht man sich, in der Sitzung mal auf die Toilette zu müssen, um am Ende nicht mit abstimmen zu müssen. Ich bin aber ein Mensch, der versucht immer beide Seiten zu sehen, um am Ende einen guten Kompromiss zu finden; nicht immer nur schwarz und weiß zu sehen, sondern irgendwo einen Konsens zu finden. Ob es mir immer gelungen ist, weiß ich nicht, aber bemüht habe ich mich auf jeden Fall. Am Ende müssen wir doch eines sehen: Wir wollen alle nur das Beste für die Stadt.
Es gab doch bestimmt auch Menschen, die nicht mit Ihren Standpunkten zufrieden waren. Wurden Sie oft angefeindet?
Körperlich hat mich nie jemand angegriffen. Verbal gibt es natürlich ab und an mal die ein oder andere Anfeindung, meistens ist die Kritik aber sehr sachlich. In der Kommunalpolitik lernt man schnell, dass wir es nicht allen recht machen können und bekommt mit der Zeit ein dickes Fell. Ich sage immer: Gelobt wird man selten, kritisiert umso öfter.
An manchen Projekten mussten Sie zehn Jahre dranbleiben, bis sie schließlich realisiert wurden. Wie haben Sie es geschafft, da nicht einfach das Handtuch zu werfen?
Ich bin jetzt 36 Jahre im Geschäft, da entwickelt man mit der Zeit einfach eine dicke Haut. Hammelburg ist meine Heimatstadt und für die habe ich mich eingesetzt. Wir vom CBB haben im Laufe der letzten Jahre an die 100 schriftliche Anträge eingereicht. Es sind nicht alle durchgegangen, aber sehr viele. Aufgeben ist da keine Option.
Es gibt natürlich trotzdem noch ein paar Punkte, bei denen es mir wehtut, dass ich nichts erreicht habe. Mein größtes Problem war damals die Schließung des Bürgerspitals, aber auch der Zustand der alten Volksschule und das alte Marterstock-Gelände – der größte Schandfleck in der Bahnhofsstraße – tun mir weh. Das sind die drei Punkte, die ich gerne noch über die Bühne gebracht hätte.
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Am Ende hat sich Ihr Durchhaltevermögen also oft gelohnt. Was waren die Highlights in den 36 Jahren als Stadtrat?
Eines meiner Highlights war die Sanierung der Kirchgaden in Diebach zu meiner Zeit als Ortsbeauftragter. Die Gaden waren dem Verfall überlassen. Es war ein wahnsinniger Kampf mit dem Denkmalamt, der Regierung von Unterfranken, der Stadt und dem Landratsamt, die Sanierung voranzubringen. Am Ende hat es sich aber – wie ich finde – gelohnt, die Gaden sind inzwischen ein richtiges Schmuckstück. Trotzdem war auch das eine schwierige Entscheidung, weil die Grundstückseigentümer ursprünglich dagegen waren.
Dass das Verkehrskonzept von 1995 nun fast zu 90 Prozent umgesetzt ist, freut mich ebenfalls sehr. Es gibt viele Projekte, auf die man im Nachhinein sehr stolz sein kann.
Glauben Sie, Sie können der Kommunalpolitik nach so vielen Jahren einfach den Rücken kehren oder sieht man sie künftig noch als Zuschauer im Sitzungssaal?
Ich werde die Kommunalpolitik natürlich weiterverfolgen und mich im CBB einbringen. Ich möchte mich aber zurückhalten. Wenn ich gefragt werde, werde ich etwas sagen, ungefragt möchte ich allerdings nicht mehr so aktiv werden – auch wenn es mir in der ersten Zeit sicherlich schwerfallen wird. Irgendwann muss einfach Schluss sein, ich möchte schließlich auch der jungen Generation die Chance geben, sich einzubringen. Ich habe es unglaublich gerne gemacht und es hat mir immer Spaß gemacht meine Heimat mitzugestalten. Wie ich am Anfang bereits sagte: Ich würde vieles wieder so machen, denn es war eine Erfüllung, mitwirken zu dürfen.













