Im ehemaligen Pflegeheim Endreß entsteht eine Asylbewerberunterkunft. Verantwortliche der Regierung von Unterfranken, der das Gebäude anmietet, gaben dem Gemeinderat nun weitere Informationen. Zur aktuellen Lage sagt Maria-Antonette Graber, zuständig für Flüchtlingsunterbringung und Integration, dass es im Jahr 2022 50 Prozent mehr Zugänge gab als im Vorjahr. Eine Folge ist, dass die Regierung das ehemalige Pflegeheim anmietet, in das Menschen aus der Anker-Einrichtung Geldersheim kommen.
Höchstens 40 Personen in der Unterkunft
Höchstens 40 Personen sollen auf 18 Zimmern leben, die zur Hälfte mit Bad ausgestattet sind, berichtet ihre Kollegin, Teresa Mark. Die meisten Heime gälten aber schon mit 80 Prozent vollbelegt. Auf jedem Stock gibt es eine Küche. Meist sind es Dreibettzimmer, in denen entweder eine Familie oder drei Landsleute untergebracht werden.
Das Heim wird an die Unterkunft Münnerstadt mit einem Team von vier Mitarbeitern angeschlossen. „Für die Teilgemeinschaftsunterkunft wird Montag bis Freitag ein Mitarbeiter vor Ort sein, der sich um das Haus kümmert und erster Ansprechpartner und Kümmerer für die Bewohnenden ist“, so Graber. Der Vermieter habe dieselben Pflichten wie bei privaten Vermietungen. Dazu kommen der Winterdienst und die Grünpflege.
Je nach Bleibeperspektive dürfen die Bewohner auch arbeiten. „Die Menschen warten dort auf das Ende ihres Asylverfahrens. Wenn sie eine Anerkennung bekommen, dürfen sie auch ausziehen“, so Graber.
Warum Steinach?
„Wie sind sie ausgerechnet auf Steinach gekommen?“, wollte Bürgermeister Andreas Sandwall (CSU) wissen. Steinach sei nicht mit Nahversorgung gesegnet. Das wissen die beiden. „Wir sind ständig auf der Suche, etwas Passendes zu finden wird immer schwerer. Da wurde das Angebot an uns herangetragen“, beantwortet Graber.
Das Haus sei räumlich gesehen perfekt geeignet. Mark nahm Bezug auf gute Erfahrungen mit den Unterkünften in Bad Bocklet, sowie zur Nähe zu dem Kurort, der mit dem Fahrrad erreichbar sei. Zudem gebe es eine grundlegende, wenn auch nicht perfekte ÖPNV-Anbindung an Bad Kissingen und Bad Neustadt.
Eine Anfrage bei der Polizei habe eine gute Sicherheitslage bescheinigt. Heime in großen Ortschaften seien zwar wünschenswert, aber nicht immer möglich.
Asylbewerberunterkunft auf dem Land
Im Nachgespräch sagt Graber gegenüber der Zeitung: „Die kleineren Orte sind hinsichtlich des ÖPNV nicht optimal. Erfahrungsgemäß wird auf das Fahrrad als Fortbewegungsmittel zurückgegriffen, teilweise sind auch Ehrenamtliche bereit, Fahrdienste zu übernehmen.“
Das 49-Euro-Ticket trage dazu bei, dass die Nutzung des ÖPNV erschwinglich wird. „Die Ängste der Einwohner werden nach unserer Erfahrung immer zu Beginn geäußert. In der Regel verschwinden sie, sobald aus ,den Flüchtlingen‘ konkrete Menschen werden.“
Menschen in Steinach haben Sorgen
Paul-Uto Schmitt (FCW) bemängelte wie viele, dass sich bei der Wahl des Ortes keine Gedanken um die Infrastruktur gemacht wurde. Anschließend bekräftigte er „die Ängste der Menschen in Steinach hinsichtlich ihrer Lebensqualität, ihrer Ruhe, ihres Vereinslebens und ihrer Immobilie, die jetzt einen massiven Wertverlust erleidet.“
Und er bemängelte, nicht frühzeitig informiert worden zu sein. Dazu heißt es aus der Pressestelle der Regierung von Unterfranken: „Uns ist ein gutes Einvernehmen mit den kommunal Verantwortlichen vor Ort wichtig, sodass wir so früh wie möglich über eine anstehende Anmietung informieren“.
Über Konflikte und Freizeitgestaltung
Viele Räte sorgten sich um Konflikte innerhalb der Unterkunft. Dass die Polizei kommen müsse, sei bei einer Unterkunft dieser Größenordnung etwa einmal jährlich der Fall. Auf die Frage der Freizeitgestaltung erklären die Frauen, dass die Menschen mit Behördengängen oder Haushalt beschäftigt seien.
Wünschenswert sei jedoch, dass sie sich in die ansässigen Vereine integrieren könnten. Integrationskurse dürften Asylbewerber mittlerweile kostenlos belegen. Spätestens, wenn sie ein Bleiberecht bekämen und sich beim Jobcenter melden, werde der Kurs zur Auflage.
Frist verpasst, Einvernehmen ersetzt
Hintergrund des Besuchs der beiden Frauen war, dass der Gemeinderat Bad Bocklet in einer vorherigen Sitzung (18. April) über die Umnutzung des Gebäudes abstimmen sollte. Eine rein baurechtliche Abwägung – dennoch fühlten sich einige Mitglieder des Gremiums nicht ausreichend informiert. Sie forderten, Verantwortliche der Regierung von Unterfranken einzuladen. Danach sollte eine Entscheidung fallen.
Ärgerlich für einige war der Umstand, dass bis zur folgenden Sitzung die Frist für eine Zustimmung oder Ablehnung verstrichen war und das Landratsamt diese ersetzte. Dies nahm Geschäftsführer Thomas Beck auf seine Kappe, der von ähnlichen Vorgängen eine längere Zustimmungsfrist gewohnt war. Er betonte jedoch: Auch wenn der Rat das Vorhaben abgelehnt hätte, so hätte das Landratsamt diese Ablehnung mit einer Zustimmung ersetzt. Denn baurechtlich sei dem Vorhaben nichts entgegengestanden.
In etwa zwei bis vier Wochen könnten bereits die ersten Menschen das Heim beziehen.
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