0
Bundeswehr in Hammelburg
Warum sechs Rekruten freiwillig ihren Wehrdienst absolvieren
Die Rekruten (von links oben nach rechts unten): Daniel, Max, Anton, Olaf, Aaron und Lucy absolvieren derzeit ihren Grundwehrdienst in Hammelburg.
Die Rekruten (von links oben nach rechts unten): Daniel, Max, Anton, Olaf, Aaron und Lucy absolvieren derzeit ihren Grundwehrdienst in Hammelburg. // René Ruprecht
Signet des Fränkischen Tags von Simon Snaschel und Lisa-Marie Geiger
Hammelburg – Was bewegt junge Menschen, sich zum freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr zu melden? Fünf Männer und eine Frau sprechen über ihren Antrieb und ihre Eindrücke.

In Deutschland wird nach wie vor über den verpflichtenden Wehrdienst diskutiert. Aktuell werden junge Menschen nur freiwillig einberufen. Rund 90 von ihnen nutzen im Rahmen ihrer Grundausbildung derzeit den Truppenübungsplatz in Hammelburg. Im Gespräch mit dieser Redaktion haben fünf Männer und eine Frau, allesamt seit dem 1. Oktober 2025 Rekruten bei der Bundeswehr, verraten, wie sie ihre Zeit bei der Bundeswehr erleben und was sie für den freiwilligen Wehrdienst motiviert.

Anton (18): „Ich habe einen Beruf gesucht, der viel Abwechslung bietet“

Für Anton bietet die Bundeswehr viel Abwechslung im Berufsalltag.
Für Anton bietet die Bundeswehr viel Abwechslung im Berufsalltag. // René Ruprecht

„Ich habe Bekannte, die vorher schon bei der Bundeswehr waren und fand es schon immer interessant. Ich bin dann zum Karrierecenter gegangen und habe nach einem Beruf gesucht, der viel Abwechslung bietet. Seitdem ich bei der Bundeswehr in der Grundausbildung bin, machen wir jeden Tag etwas anderes. Wir gehen auf Märsche, machen zusammen Sport, wir gehen schießen. Das ist schon genug Abwechslung und macht Spaß. Es waren natürlich auch Momente dabei, bei denen ich mir gedacht habe: Das wird jetzt schon schwierig. Aber im Endeffekt ist man dann doch am Ende des Tages froh, dass man alles geschafft hat.“

Olaf (17): „Ich dachte mir, dass das eine Chance für mich ist“

Olaf (18) kam über eine Jobmesse zum Wehrdienst.
Olaf (18) kam über eine Jobmesse zum Wehrdienst. // René Ruprecht

„Ich war mit der Schule auf einer Jobmesse und da war die Bundeswehr. Ich hatte dort sehr tolle Gespräche und dachte mir, dass das eine Chance für mich ist. Erstmal wollte ich eigentlich freiwillig ein Jahr bleiben, aber jetzt habe ich etwas für mich gefunden und bin sehr zufrieden. Ich habe als Soldat auf Zeit verlängert. Wir haben ein tolles Wir-Gefühl. Wenn es richtig kalt ist, friert jeder. Wenn jeder die gleichen Probleme hat, ist man nicht alleine. Und man schafft alles, man muss es nur wollen.“

Daniel (22): „Das frühe Aufstehen ist für mich eine große Herausforderung“

Der 22-jährige Daniel hatte sich schon häufiger überlegt, zur Bundeswehr zu gehen.
Der 22-jährige Daniel hatte sich schon häufiger überlegt, zur Bundeswehr zu gehen. // René Ruprecht

„Die Bundeswehr war für mich schon immer ein Thema und ich hatte schon oft überlegt, dorthin zu gehen. Ich hatte mich häufig mit Freunden ausgetauscht, die Soldaten sind. Jetzt, wo es sich ergeben hat, dachte ich mir, ich ergreife die Chance und schaue, was dabei herauskommt. Jetzt ist es tatsächlich besser als gedacht. Nur das frühe Aufstehen um 4.30 Uhr ist für mich eine große Herausforderung.“

Lucy (19): „Die Kameradschaft und der Zusammenhalt verbinden“

Lucy ist eine von wenigen Frauen in der Grundausbildung.
Lucy ist eine von wenigen Frauen in der Grundausbildung. // René Ruprecht

„Nachdem ich das Gymnasium beendet hatte, war ich für einen Studienplatz zu spät dran. Ich dachte mir, Scharfschütze bei der Bundeswehr wäre ganz spannend und dass ich das doch mal versuchen könnte. Ich hatte vorher schon gehört: frühes Aufstehen , Ordnung und Disziplin. Das hatte in meinem Leben bis dahin etwas gefehlt. Aber es wird besser durch die Bundeswehr. Loyalität und Kameradschaft, das ist hier auch sehr ausgeprägt und das möchte ich nicht mehr missen. Auf den Viererstuben sitzen wir zwangsläufig aufeinander. Die Kameradschaft und der Zusammenhalt verbinden auf jeden Fall. Als Frau merkt man die Unterschiede zu den Männern natürlich vor allem auch körperlich. Aber ich komme zurecht und dadurch, dass wir so wenige Frauen sind, ist der Zusammenhalt unter uns noch einmal größer.“

Max (20): „Es ist genau das, was ich mir vorgestellt habe“

Rekrut Max führt bei der Bundeswehr die Familientradition weiter.
Rekrut Max führt bei der Bundeswehr die Familientradition weiter. // René Ruprecht

„Mein Vater war vor 40 Jahren bei der Bundeswehr. Er hat mir geraten, das auch zu machen und gemeint, dass mir das guttut. Er hatte recht und ich werde auf jeden Fall verlängern. Es ist genau das, was ich mir vorgestellt habe. Klar gibt es hier ein paar Sachen, die nicht so super sind, aber vieles ist deutlich besser, als ich es mir vorgestellt habe. Das Kameradschaftsgefüge ist zum Beispiel noch besser, als es außerhalb der Bundeswehr beschrieben wird. Es hat sich nicht so angefühlt, als würde man in eine Gruppe Fremder kommen, so wie der Neue in eine Schulklasse.“

Aaron (18): „Ich wusste, dass es hier körperlich sehr hart wird“

Der 18-jährige Aaron möchte nach seiner Grundausbildung bei der Bundeswehr bleiben.
Der 18-jährige Aaron möchte nach seiner Grundausbildung bei der Bundeswehr bleiben. // René Ruprecht

„Alle Männer meiner Familie waren bei der Bundeswehr und deswegen bin ich eigentlich auch hergekommen. Einfach, um die Tradition fortzuführen. Und es ist echt gut hier. Ich kann mich immer auf die Leute verlassen, und wenn etwas ist, helfen die Ausbilder uns weiter. Im Grunde ist man nie alleine. Ich habe mir schon Erwartungen gestellt. Ich wusste auch, dass es hier körperlich sehr hart wird. Das ist es teilweise auch. Aber wenn man dann am Abend auf der Bude ist, dann weiß man, man hat’s geschafft. Dann ist es einfach ein Erfolgserlebnis. Ich möchte verlängern und entweder in die Laufbahn der Unteroffiziere oder sogar irgendwann Feldwebelanwärter sein.“

Inhalt teilen
  • kopiert!