Die länderübergreifende Natur- und Kulturlandschaft der Rhön hat erneut den inzwischen vierten Evaluierungsprozess der Unesco bestanden: Sie darf sich wie schon seit 1991 auch in den nächsten zehn Jahren mit dem Titel „Unesco-Biosphärenreservat“ schmücken.
Damit gehört die Rhön zu einem weltweiten Netz aus 784 Bioreservaten in 142 Ländern. Stellvertretend für ihre drei Bundesländer nahmen Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW), sein thüringischer Amtskollege Tilo Kummer (BSW) sowie Hessens Umweltstaatssekretär Michael Ruhl (CDU) bei einem Festakt im Staatsbad Bad Brückenau die Urkunden entgegen.
Über die Auszeichnung als Biosphärenreservat
Die Auszeichnung als Biosphärenreservat nach dem Unesco-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) muss alle zehn Jahre erneut geprüft und bewertet werden. Damit soll gesichert werden, dass die Ziele des MAB-Programms weiterhin erfüllt werden, die Einteilung in Kernzone, Pflegezone und Entwicklungszone noch den geforderten Kriterien entspricht und das Management sowie die nachhaltige Entwicklung im Reservatsgebiet wirksam umgesetzt werden.
Die Evaluierung wird von der Verwaltung des Biosphärenreservats vorbereitet und an das deutsche MAB-Komitee im Bundesumweltministerium weitergeleitet, bevor sie zur abschließenden Beurteilung an die Unesco in Paris geht. Dieser langwierige Prozess geschah für die Rhön in den Jahren 2023 und 2024.
Wichtiger für Schutz und Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft
„Als international repräsentative Modellregion leistet es [das Bioreservat Rhön] einen wichtigen Beitrag zum Schutz und zum Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft, zum nachhaltigen Wirtschaften und zur Regionalentwicklung sowie zu Forschung, Monitoring und Bildung für nachhaltige Entwicklung“, heißt es in der von der MAB-Nationalkomitee-Vorsitzenden Dr. Stefanie Hedtkamp überreichten Urkunde.
Hedtkamp würdigte das verdienstvolle Engagement aller Beteiligten aus Politik, Wirtschaft und Einwohnerschaft. Zahlreiche Projekte seien in den vergangenen Jahren im Sinne der MAB-Zielvorgaben umgesetzt und die Rhön zu einem nachhaltigen Reiseziel entwickelt worden. „Dies ist ein positives Ergebnis“, lobte Hedtkamp. Gleichzeitig schränkte sie ein, dass noch nicht überall alles erreicht worden sei. So fehlt es in Hessen mancherorts noch an Rechtssicherheit und in Thüringen an der Akzeptanz in manchen Gemeinden.
Umweltminister Glauber: Rhön ist Premiumliga
„Die Rhön gehört auch in Zukunft zur Premiumliga der international anerkannten deutschen Schutzgebiete“, erklärte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber in seiner Festansprache vor Landtagsabgeordneten, Wirtschafts- und Vereinsvertretern sowie weiteren Rhöner Leistungsträgern aller drei Bundesländer in der Wandelhalle des Staatsbades.
„Mit über 10.000 nachgewiesenen Arten ist das Biosphärenreservat mit seiner Fläche von 2400 Quadratkilometern ein Hotspot der Biodiversität.“ Unter der Dachmarke Rhön seien Ökologie, Ökonomie, Soziales und Kultur vereint.
Dieses Zusammenspiel ist nach Glaubers Meinung die entscheidende Grundlage für die erneute Anerkennung als Biosphärenreservat. Zu beachten sei aber immer die Verhältnismäßigkeit: „Wie viel Mensch – wie viel Natur?“ Wichtig sei die Umweltbildung, denn das gesellschaftliche Leben habe sich verändert. Glauber lobte auch die Vermarktungsstrategien der Dachmarke Rhön von der Apfel-Initiative bis zum Rhönschaf: „Heimat landet auf dem Tisch.“
Landrat Bold: Regionalität ist wichtiger als ein Bio-Zertifikat
„Regionalität ist wichtiger als ein Bio-Zertifikat“, bestätigte Landrat Thomas Bold (CSU). „Unser Biosphärenreservat ist eine große Erfolgsgeschichte.“ Er habe sich deshalb schon seit seinem Amtsantritt im Jahr 2002 für die Flächenerweiterung der bayerischen Rhön von 71.500 Hektar auf 129.600 Hektar eingesetzt, die allerdings erst 2014 umgesetzt wurde.
„Wir müssen diese Natur- und Kulturlandschaft erhalten“, forderte er, mahnte hierzu aber auch staatliche Unterstützung an, um die sinnvolle Entwicklung der Vorjahre auch künftig weiter vorantreiben zu können.
Thüringens Umweltminister: In Thüringen noch Nachholbedarf
Mit der erneuten Anerkennung als Biosphärenreservat könne „dieser besondere Weg der nachhaltigen Entwicklung“ fortgesetzt werden, meinte Thüringens Umweltminister Tilo Kummer. Dazu gehört seiner Meinung nach auch, dass die Menschen vor Ort sich mit diesem Weg identifizieren und davon profitieren können. „In Thüringen haben wir da noch Nachholbedarf“, nahm er die kritische Anmerkung der MAB-Vorsitzenden auf.
„Wir müssen die Rhön-Gemeinden stärken. Die Wertschöpfung aus allem Engagement muss für die Bewohner der Rhön spürbar sein, um das Vertrauen ins Bioreservat zu fördern.“
Dies ist auch für Hessens Staatssekretär Michael Ruhl wichtig: „Die Kommunen müssen spüren, dass für sie ein Mehrwert herauskommt.“ Einen eindeutigen Wert der Marke Rhön sieht Ruhl darin, dass manche Gemeinden mit der Rhön werben, obwohl sie gar nicht dazugehören. „Das spricht für die Marke Rhön.“
Auf diese positive Grundstimmung hatte bereits Bad Brückenaus Bürgermeister Jan Marberg (SPD) in seiner Begrüßung hingewiesen: „Biosphärenreservat ist nicht mehr der Kampfbegriff wie vor Jahrzehnten. Inzwischen haben sich Öko- und Nachhaltigkeitsbewusstsein durchgesetzt.“


















