Es ist kurz nach 22 Uhr in Münnerstadt, die Innenstadt ist zur Ruhe gekommen, doch in der Bahnhofstraße leuchtet noch ein Display: die 24/7 Genussbox der Metzgerei Glasauer. Eine Kundin öffnet mit ihrem Handy ein Kühlfach und nimmt ihre Bestellung heraus: Bratwürste, Aufschnitt und hausgemachte Spezialitäten. Bestellt hat sie am Nachmittag per App, gepackt hat es das Metzgerei-Team noch während der Öffnungszeiten. Bezahlt wird bargeldlos am Automaten.
Dieses Konzept hat nun einen Preis gewonnen: Kürzlich hat das Bayerische Wirtschaftsministerium die Metzgerei als „Digitaler Champion im bayerischen Handel 2026“ ausgezeichnet. Der Wettbewerb kürt kleine und mittlere Handelsunternehmen, die den digitalen Wandel beispielhaft gestalten. „Wir haben uns gar nicht selbst beworben, jemand hat uns vorgeschlagen“, berichtet Metzgermeister Dominik Glasauer. Eine Jury aus verschiedenen Bereichen bewertete alle Vorschläge und wählte die Metzgerei als eine der sechs Gewinner aus.
Bestellung per Glasauer-App an Genussbox oder Laden
Gewonnen hat sie mit der App, mit der die Kundschaft zum einen eine Bestellung zum Abholen im Laden aufgibt, oder aber zur wenige Minuten entfernten Genussbox, die eine Abholung rund um die Uhr möglich macht. „Ich wollte es anfangs selbst in die Hand nehmen“, so Dominik Glasauer - „aber es wurde sehr schnell sehr technisch“. Also holte er sich Hilfe bei Experten. Das Ziel war, die Umsetzung so automatisiert wie möglich zu gestalten – was auch gelang: „Der Kunde bestellt und ich muss nur noch die Bestellung im Schließfach hinterlegen.“
Angefangen hatte es mit der Genussbox, die im November 2024 eröffnet wurde. Die Überlegung: „Wie können wir nach den Öffnungszeiten noch etwas Zusatzkauf generieren?“ Der Laden laufe gut, Personal sei ausreichend vorhanden und die Metzgerei bilde derzeit drei Azubis aus, doch man müsse an die Zukunft denken.
Neue Kundschaft durch App und 24/7-Automaten
Damals bot der 24/7-Automat noch keine individuellen Bestellungen. „Dann kam relativ schnell die Entwicklung der App, weil wir es der Kundschaft noch einfacher machen und mit dem Wandel der Gesellschaft gehen wollten.“ Die Leute lebten heute anders als vor zwanzig Jahren: Sie pendeln, arbeiten in Schichten, kaufen spontan. Wer da nur zwischen acht und achtzehn Uhr Bratwurst verkauft, verschenkt Nähe zu ihnen. „Und sie haben die Möglichkeit, zu bestellen, was sie brauchen, ohne an zu große oder kleine Packungsgrößen gebunden zu sein“, so Dominik Glasauer.
Angenommen werde das Angebot super: „Viele Stammkunden gehen gerne zum Automaten, einfach, weil sie flexibler sind und auch schneller als beim Einkauf im Laden.“ Doch auch neue Kundschaft hätten App und Automat angezogen. Heute nutzen bereits über 500 Kunden die digitale Lösung. „Das ist bemerkenswerter für einen Handwerksbetrieb in einer Kleinstadt, und ein deutliches Zeichen, dass der Bedarf an flexiblen Einkaufsmöglichkeiten auch im traditionellen Handwerk wächst.“
Intern liefen die Bestell- und Verkaufsabläufe strukturierter und planbarer als zuvor, der Automat erschließe zusätzliche Umsätze. Dass das gelingt, führt Familie Glasauer vor allem auf einen Faktor zurück: das Team. Die Mitarbeitenden wurden von Anfang an eingebunden. „Digitalisierung ist für unser Unternehmen extrem wichtig und heute längst unabdingbar“, so Dominik Glasauer.
Neues Projekt: KI-Chatbot mit Fachwissen
Ein neues Projekt ist ein Chatbot, der keine womöglich fehlerhaften Informationen aus dem Netz sucht, sondern mit dem Wissen aus der Metzgerei die Fragen der Kundschaft beantwortet – beispielsweise, wie das Steak zubereitet werden soll. „Da sind wir noch dabei. Das Training ist schnell gemacht, aber der Datenschutz und das Drumherum sind aufwendig.“
Für das zweite Standbein, das Catering, gibt es auch Entwicklungen: „Schon jetzt senden wir die Angebote nicht mehr als PDF zu, sondern es wird eine Website für den Kunden generiert, auf der er alles überblicken und mit dem Handy unterschreiben kann.“ Noch am Arbeiten ist Dominik Glasauer an einem Konfigurator, an dem die Kundschaft sich ihr Buffet anhand von Paketen je nach Personenanzahl selbst zusammenstellen kann.
Metzgerei Glasauer ab August montags geschlossen
Trotz aller digitaler Neuerungen betont er: „Mein Vater sagt immer, man darf das Altbewährte nicht verlieren. Ohne das geht es nämlich auch nicht.“ Dass das derzeit noch von Vater Stephan und Mutter Heike Glasauer geführte Familienunternehmen einiges richtig macht, zeigen die Zahlen. „Trotz schlechter Parksituation ist der Zulauf im Laden enorm gut. Wir kommen derzeit an einen Punkt, wo wir entscheiden müssen, wo die Reise hingehen soll. Noch größer wollen wir gar nicht werden“, so Dominik Glasauer. Dabei hat er auch im Kopf, dass seine Eltern bald in Rente gehen und er den Laden dann alleine führen muss.
Trotz oder genau wegen des guten Zulaufs wird die Metzgerei ab August montags geschlossen sein. „Das hat den Hintergrund, dass wir auch am Wochenende viel frequentiert sind, sodass wir uns einen Tag mehr für uns rausnehmen wollten.“ So habe auch das Verkaufspersonal zwei Tage frei, bis es Dienstag wieder losgeht.
















