0
Krise in bad Rodach
Haba in Not: So soll jetzt die Rettung klappen
Mit fast 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort Bad Rodach war die Haba-Familygroup bislang der mit Abstand größte Arbeitgeber im Landkreis Coburg.
Mit fast 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort Bad Rodach war die Haba-Familygroup bislang der mit Abstand größte Arbeitgeber im Landkreis Coburg. // Jochen Berger
Bad Rodach – Der Spielwarenhersteller hat sich für ein Insolvenzfahren „in Eigenverwaltung“ entschieden. Was bedeutet das? Und wer sind die beiden Experten, die der Geschäftsführung zur Seite gestellt werden?

Das Wort „Insolvenz“ wird in der Pressemitteilung, mit der die Haba-Familygroup am Dienstag an die Öffentlichkeit gegangen ist, konsequent vermieden. Stattdessen ist immer nur von einem „Antrag auf Eigenverwaltung“ die Rede. Das wiederum ist die Kurzform von „Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung“. Doch letztlich sind irgendwelche Begrifflichkeiten sowieso zweitrangig. Was zählt, ist: Sämtliche Anstrengungen, das angeschlagene Familienunternehmen zu retten, haben jetzt eine neue Phase erreicht. Vielleicht sogar die alles entscheidende Phase.

In der Pressemitteilung wird erklärt, warum man sich für diesen Schritt entschieden hat. So heißt es: „Für die Haba-Familygroup bedeutet die Eigenverwaltung nach den wirtschaftlichen Turbulenzen der vergangenen Wochen und Monate die Chance auf einen kompletten Neustart. Das Verfahren zur Eigenverwaltung ermöglicht es, das Familienunternehmen bei laufendem Geschäftsbetrieb neu aufzustellen und langfristig auf solide finanzielle Füße zu bringen. “

Geschäftsbetrieb läuft wie gewohnt weiter

Während bei einem klassischen Insolvenzverfahren ein Insolvenzverwalter eingesetzt wird, der dann quasi alle Geschicke leitet, behält bei einem Verfahren „in Eigenverwaltung“ die eigentliche Geschäftsführung die wichtigsten Zügel in der Hand. Dennoch hat das Amtsgericht Coburg, bei dem der Antrag gestellt wurde, zwei Personalien angeordnet. So wurde Tobias Sorg zum vorläufigen Sachwalter bestellt; er soll das gesamte Verfahren fachkundig begleiten und überwachen.

Wer ist Tobias Sorg?

Tobias Sorg ist Diplom-Wirtschaftsjurist und seit Oktober 2019 bei der Kanzlei dmdp solutions in Bamberg tätig. Zu seinen Spezialgebieten gehören Insolvenz- und auch Eigenverwaltung, Interimsmanagement sowie Restrukturierungs- beziehungsweise Sanierungsberatung. Bereits 2018 war er von der „Wirtschaftswoche“ mit einem Award für „exzellente Leistungen im Bereich Restrukturierung Mittelstand“ ausgezeichnet worden.

Des Weiteren hat das Amtsgericht Coburg der dreiköpfigen Haba-Geschäftsführung um Mario Wilhelm, Stefanie Frieß und Sabine Habermaass noch einen weiteren Sanierungsexperten zur Seite gestellt. Die Wahl fiel auf Martin Mucha. Bei Haba bekommt er die Funktion des Generalbevollmächtigten.

Wer ist Martin Mucha?

Martin Mucha ist Rechtsanwalt und Partner bei der renommierten Kanzlei Grub Brugger in Stuttgart. Auf der Internetseite der Kanzlei ist nachzulesen, dass Mucha seinen Schwerpunkt im Insolvenzrecht hat. So ist er auch Fachanwalt für Insolvenzrecht sowie Wirtschaftsjurist. Martin Mucha werde, wie es heißt, seit vielen Jahren regelmäßig von zahlreichen Amtsgerichten branchenübergreifend zum Insolvenzverwalter oder Sachwalter in Unternehmensinsolvenzen bestellt. Mit seinem Team betreue er sowohl Regelinsolvenzverfahren, Eigenverwaltungsverfahren als auch Schutzschirmverfahren. Der Fokus seiner Tätigkeit liege dabei auf der Sanierung krisenbefangener mittelständischer und großer, auch international agierender Unternehmen. Interessant: Studiert hat Martin Mucha zunächst an der Universität in Bayreuth, später auch noch in der Schweiz und in Freiburg.

Sanierungsexperte ist zuversichtlich

Martin Much wird in der Haba-Pressemitteilung wie folgt zitiert: „Wir werden den Geschäftsbetrieb wie gewohnt fortsetzen und uns mit allem Engagement auf die Kernkompetenzen des Unternehmens konzentrieren.“ Die Chancen, die Haba-Familygroup wieder auf solide Füße stellen zu können, bezeichnet er als „gut“. Denn: „ Wir gehen davon aus, dass uns sowohl Lieferanten als auch Kunden weiterhin das Vertrauen schenken und mit uns zusammenarbeiten.“

Interessant in diesem Zusammenhang: In der Pressemitteilung von Haba wird explizit darauf hingewiesen, dass ein „Eigenverwaltungsverfahren“ nur dann vom Gericht bewilligt werde, wenn auch die wichtigsten Gläubiger diesen Kurs unterstützen. Dies scheint also bei Haba der Fall zu sein.

Keine leichter Entscheidung

Entsprechend zuversichtlich zeigt sich auch Mario Wilhelm. Der Antrag auf Eigenverwaltung sei zwar „alles andere als leicht“ gefallen. Doch halte er diesen Schritt angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation für „die einzige Möglichkeit, dass die Haba-Familygroup mit ihrer großen Tradition schnell wieder zu alter Stärke zurückfindet“.

Mario Wilhelm als Geschäftsführer bildet zusammen mit Stefanie Frieß (Foto; verantwortlich für Vertrieb und Marketing) sowie Sabine Habermaass als Vertreterin der Inhaberfamilie das dreiköpfige Führungsteam der Haba-Familygroup in Bad Rodach.
Mario Wilhelm als Geschäftsführer bildet zusammen mit Stefanie Frieß (Foto; verantwortlich für Vertrieb und Marketing) sowie Sabine Habermaass als Vertreterin der Inhaberfamilie das dreiköpfige Führungsteam der Haba-Familygroup in Bad Rodach. // Haba-Familygroup.

Wichtig ist Haba auch noch dieser Hinweis: Bei der jetzt eingeleiteten „Eigenverwaltung“ handele es sich um ein „qualifiziertes Sanierungsverfahren“, das nur solchen Unternehmen offenstehe, die sich zwar in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden, aber „vielversprechende Aussichten auf eine nachhaltige Sanierung“ hätten.

Mitarbeiter in Bad Rodach bangen um ihre Jobs

Doch selbst wenn das Gesamtunternehmen gerettet werden kann: Viele Menschen werden dennoch ihren Arbeitsplatz verlieren. Wie viele genau, darüber kann weiterhin nur spekuliert werden. Befürchtet wird, dass von den insgesamt rund 1800 Arbeitsplätzen am Standort Bad Rodach fast jeder dritte wegfallen könnte. Im Zuge der Neustrukturierung war bereits entschieden worden, den Geschäftsbereich „Jako-o“ innerhalb der Haba-Gruppe aufzugeben.

Die Haba-Familygroup war deshalb in eine schwere Krise geraten, weil die Umsätze weggebrochen sind. Dafür wiederum sollen in erster Linie Softwareprobleme der Grund gewesen sein. Denn speziell „Jako-o“ lebte fast ausschließlich von Online-Bestellungen, die dann aber technisch kaum noch möglich waren.

Lesen Sie auch:

 

Inhalt teilen
  • kopiert!