Die Haba-Familygroup kämpft ums wirtschaftliche Überleben. Nachdem zuletzt von der neuen Geschäftsführung versucht wurde, so etwas wie Zuversicht zu verbreiten, folgte an diesem Dienstag ein echter Tiefschlag: Es wurde mitgeteilt, dass der Geschäftsbereich „Jako-o“ geschlossen wird. Die Firmengruppe werde sich künftig nur noch auf die Sparten „Haba“ und „Haba Pro“ (ehemals „Wehrfritz“) konzentrieren. Was das in konkreten Zahlen und Stellen für den „massiven Personalabbau“ bedeutet, der angekündigt wurde, ist aber noch nicht bekannt. Und auch am Mittwochvormittag, als die Geschäftsführung alle Beschäftigten der Sparte „Jako-o“ zu einer Betriebsversammlung geladen hatte, gab es noch keine weiteren Details.
Die Stimmung bei der Betriebsversammlung soll, wie zu hören ist, sehr bedrückend gewesen sein. Verständlich: Die Sorge bei allen in der Belegschaft ist groß, bald den Arbeitsplatz zu verlieren. Als größter Arbeitgeber im Landkreis Coburg beschäftigt die Haba-Familygroup am Standort Bad Rodach fast 1800 Menschen. Zuletzt wurde spekuliert, dass jeder dritte Arbeitsplatz wegfallen könnte.
Wilhelm kämpft mit den Tränen
Auch Geschäftsführer Mario Wilhelm soll bei der Betriebsversammlung sehr emotional gewesen sein. Er habe zwischenzeitlich sogar mit den Tränen kämpfen müssen, wie dem Tageblatt berichtet wurde. Inhaltlich orientierte er sich aber im Wesentlichen an den Informationen, die es bereits am Dienstag in einem Aushang gegeben hatte.
In diesem Aushang hatte Mario Wilhelm unter anderem versichert: Man werde „alles daran setzen“, für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine neue Beschäftigung zu finden – und zwar gemeinsam mit dem Betriebsrat, der Politik sowie „benachbarten Firmen“. Denn Mario Wilhelm glaubt, wie er in dem Aushang betont, sehr wohl daran, dass sich neue Arbeitsplätze finden lassen: „Einige größere Unternehmen aus der Region suchen händeringend exzellent ausgebildete Fachkräfte und genau diese kann ihnen die Haba-Familygroup und speziell der Bereich Jako-o bieten.“
Dass man sich zur Aufgabe von „Jako-o“ entschlossen hat, war nach Darstellung von Mario Wilhelm unumgänglich. Er spricht in dem Aushang von „langwierigen wirtschaftlichen Problemen“ bei Jako-o und von einer Analyse. Das Ergebnis dieser Analyse habe gezeigt, dass es die „schwierige Gesamtlage“ nicht zulasse, Jako-o weiterzuführen. Denn: „Das würde die Existenz des Gesamtunternehmens elementar gefährden.“
Einmalig in der Firmengeschichte
Es sei aber der „unbedingte Wille“ von Gesellschaftern und Geschäftsführung, so Wilhelm, das Unternehmen weiterzuführen. Gleichzeitig räumt er ein, dass „ein harter Einschnitt“ erforderlich sei – und zwar ein derart harter Einschnitt, wie es ihn in der langen Familientradition noch nie gegeben habe. Aber: „Diese notwendigen Entscheidungen sind die einzige Möglichkeit, unser Unternehmen am Leben zu halten und damit für viele weitere Beschäftigte eine Zukunft aufzeigen zu können.“
Doch wie genau geht es jetzt weiter? In dem Aushang schrieb Mario Wilhelm dazu nichts, und auch bei der Betriebsversammlung am Mittwoch blieb offenbar noch vieles im Unklaren. Bekannt wurde aber immerhin, dass sich der Betriebsrat inzwischen einen Rechtsanwalt genommen hat. Das lässt darauf schließen, dass schon bald Verhandlungen mit der Geschäftsführung anstehen, möglicherweise zur Erstellung eines Sozialplans. In einem Sozialplan wird unter anderem geregelt, welche Personen von anstehenden Entlassungen betroffen sind und wie wirtschaftliche Härten – etwa durch das Bezahlen von Abfindungen – abgemildert werden können.
Mario Wilhelm wiederum appelliert auch an den Zusammenhalt. So schrieb er im Aushang: „Wir sind ein Familienunternehmen, und wie in einer Familie wird es jetzt darum gehen, noch enger zusammenzurücken.“ Er selber sei ja bereits seit zwei Jahrzehnten im Unternehmen – „und Sie wissen alle, wie sehr mir die Firma und deren Mitarbeiter am Herzen liegen.“
Auch für Stefanie Frieß, die mit ihm und Susanne Habermaas seit kurzem die neue Geschäftsführung bildet, bricht er eine Lanze: „Gerade Stefanie Frieß hat in den vergangenen Wochen beinahe rund um die Uhr Möglichkeiten gesucht, den Bereich Jako-o weiterzubetreiben.“ Es habe sich aber herausgestellt, dass in den vergangenen Jahren Entscheidungen getroffen worden seien, die sich im Nachhinein als falsch erwiesen haben. Mario Wilhelm verweist zwar auch noch auf Probleme durch die Corona-Pandemie, eine allgemeine Konsumflaute sowie rasant steigende Material- sowie Logistikkosten. Doch auch viele Insider sagen, dass es vor allem „hausgemachte Probleme“ waren, die Haba in die Krise stürzten. So habe es rund um die Online-Bestellungen der Haba- und Jako-o-Produkte auch schon vor der Umstellung auf eine neue Software immer wieder Schwierigkeiten gegeben.
Von Tim Steffens, der zuletzt alleiniger Geschäftsführer war, hatte sich die Haba-Familygroup im April 2023 getrennt.
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