Als eine Zumutung für alle Autofahrer oder gar als eine „bodenlose Frechheit“ – und das im wahrsten Sinne des Wortes – wurde bei zurückliegenden Bürgerversammlungen der Zustand der Staatsstraße 2708 bezeichnet. Immer wieder machten Bürger aus Birkig, Horb, Fürth oder Wörlsdorf ihrem Ärger über die „katastrophale Buckelpiste“ Luft. Bisher ohne durchschlagenden Erfolg.
Der Frust und die Wut wegen der vielen Schlaglöcher zwischen dem Neustadter Kreisel und Wörlsdorf wächst von Jahr zu Jahr. Das Problem ist alt, doch jetzt bahnt sich endlich eine Lösung an. Die Planungen für eine Fahrbahnerneuerung haben richtig Fahrt aufgenommen, im Sommer sollen die Bagger anrollen.
Schritttempo und Schlangenlinie
Wer zwischen Neustadt und Fürth pendelt, fährt – wenn es der Gegenverkehr erlaubt – freiwillig auch schon einmal Schritttempo oder sogar Schlangenlinien. Die tiefen Löcher fordern Opfer. Denn die Schäden am Teerbelag sind nach den Winterwochen aktuell schlimmer denn je. Bei Regenwetter sind Pfützen kaum zu erkennen. Immer wieder wurde in den letzten Jahren sporadisch ausgebessert. Hier ein Fleckchen, dort ein Löchlein – doch mit ein paar Schaufeln heißem Teer ist es nach den leidigen Erfahrungen der betroffenen Autofahrer längst nicht mehr getan. Ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Nur Teilstück schon saniert
Obwohl die Problematik den Verkehrsteilnehmern bei jeder Fahrt die Zornesröte auf die Stirn treibt, wurde bisher oft nur vertröstet. Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan verwies bei entsprechenden Anfragen während Versammlungen auf Zuständigkeiten.
Besserung erfolgte im letzten Jahr, als zumindest das Teilstück zwischen Fürth und Wörlsdorf saniert wurde. Doch der Großteil der Strecke nach Neustadt ist nach wie vor in einem erbärmlichen Zustand. Betroffene meiden die Strecke und nehmen einen Umweg in Kauf. Über die Allee in Fürth am Berg, vorbei am ehemaligen Grenzgasthof, geht es über Mupperg und Heubisch schließlich auch nach Neustadt – das funktioniert umgekehrt genauso.
Baubeginn während der Schulferien
Jetzt soll Abhilfe geschaffen werden: Im Sommer 2024 – genauer gesagt im Vorfeld und während der großen Ferien Ende Juli, im August und Anfang September – wird während einer rund zehnwöchigen Bauphase die Straße umfangreich und vor allem nachhaltig saniert.
Das Staatliche Bauamt Bamberg plant langfristig einen Ausbau zwischen der B 4 und Horb. „Die Planungen tangieren naturschutzfachlich sehr sensibles Gebiet, unter anderem das Grüne Band, in welches jeder Eingriff zu vermeiden ist“, sagt Sabrina Hörl, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Staatlichen Bauamt Bamberg. Die Planungen seien daher naturschutzfachlich und planerisch vergleichsweise anspruchsvoll. Wegen der Kosten könne zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine belastbare Aussage getroffen werden.
Das Projekt befindet sich derzeit im Stadium der Vorentwurfsplanung. Im Anschluss steht die eigentliche Genehmigungsplanung, um das Projekt baurechtlich zu genehmigen und die erforderlichen Flächen freihändig zu erwerben. Wenn diese Phase erfolgreich abgeschlossen ist, steht bei Straßenbauvorhaben die Ausführungsplanung und die Ausschreibung der Bauleistungen an, bevor mit einem Bau begonnen werden kann.
Grundhafte Erneuerung
Dass jedoch rascher Handlungsbedarf besteht, ist auch den Bambergern klar: „Da sich die Staatsstraße in diesem Bereich unstrittig in einem sanierungsbedürftigen Zustand befindet und aufgrund der genannten planerischen Schritte sich ein Ausbau noch längere Zeit hinziehen wird, haben wir uns entschlossen, in diesem Jahr eine grundhafte Erneuerung der Staatstraße 2708 zwischen der B 4 und Fürth am Berg durchzuführen“, verspricht Hörl nach Rücksprache mit ihrer Gebietsabteilung.
Inzwischen fand bereits ein Ortstermin mit dem künftigen Bauleiter Andre Karl und einem vierköpfigen Team vom Straßenbauamt Bamberg sowie der Neustadter Polizei statt. „Ein Termin mit Signalwirkung“, wie Neustadts Ordnungsamtsleiter Detlef Heerlein urteilt.
Schließlich wurde dabei fast drei Stunden lang diskutiert, wo welche Schilder nach den Erneuerungsarbeiten platziert werden müssen. Hier ein Wildwechsel-Schild, dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung oder auch noch ein Warnschild.
Wobei Heerlein versicherte, dass „wir natürlich den Schilderwald reduzieren und nur so viele Hinweise aufstellen, wie zwingend vorgeschrieben sind“. Sicher ist bereits jetzt, dass es bei der Abzweigung Richtung Birkig künftig eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 oder 80 Stundenkilometer geben wird.
76 Wildunfälle binnen drei Jahren
Auch diese Arbeiten werden während der bayerischen Sommerferien unter Vollsperrung oder gegebenenfalls Teilsperrungen erfolgen. Die vorgesehenen Erneuerungsmaßnahmen an der Fahrbahn und den Banketten seien auch bereits mit dem Wasserwirtschaftsamt Kronach und dem Landratsamt Coburg abgestimmt. Dabei handle es sich um eine reine Erneuerungs- und Sanierungsmaßnahme der Fahrbahn: „Aus Alt mach Neu“, erklärt Hörl.
Eine bemerkenswerte Zahl hatte noch Alexander Höhne, Verkehrssachbearbeiter bei der Neustadter Polizei, in diesem Zusammenhang parat: 76 Wildunfälle passierten in den letzten drei Jahren entlang der 2708. „Das sind durchschnittlich mehr als 25 pro Jahr“. Nur auf der 2706 – von Fürth am Berg über Fechheim nach Almerswind – würden sich noch mehr Wildunfälle ereignen.
Während nach fast drei Stunden die detaillierte Schilder-Diskussion schließlich endete, montierten ehrenamtliche Tierschützer bei anhaltendem Nieselregen immer noch fleißig ihre grünen, kniehohen Froschzäune entlang der Staatstraße 2708 – wegen der Krötenwanderung fahren nämlich manche Tierliebhaber auch Schlangenlinien...
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