Die Steinach sorgt in Fürth am Berg für Spannungen. Wie hoch steigt das Wasser des Flusses, der mitten durch den Neustadter Stadtteil fließt? Gerade jetzt, in den Winter- und Frühjahrswochen, wenn viel Regen fällt und Tauwetter angesagt ist, herrscht nämlich Hochwasser-Gefahr. Doch seit einigen Wochen macht sich der Fluss vor den Toren Fürths auch richtig nützlich: Die große, türkisfarbene Wasserkraftschnecke von Unternehmer Robert Rädlein macht's möglich.
Wer zwischen Horb und Fürth am Berg unterwegs ist, kann den neuen Koloss, der zum größten Teil aus den Fluten der Steinach ragt und der eindrucksvoll erneuerbare Energie erzeugt, gar nicht übersehen. „Ja, das war schon ein Kraftakt“, schnauft der stolze Besitzer. Von seiner mutigen Idee, über ein langwieriges Genehmigungsverfahren, bis hin zu aufwendigen und durchaus komplizierten Bauphasen und schließlich der Inbetriebnahme der tonnenschweren Wasserturbine vergingen gut vier Jahre. „Ich habe mich schon als kleiner Junge sehr für die Backertsmühle interessiert. Und vor ein paar Jahren bekam ich die Möglichkeit, diese alte Traditionsmühle am Ortseingang von Fürth am Berg zu kaufen. Dann habe ich das Wasserrad renoviert. Als die Mühle dann wieder in Betrieb war, wuchs mein Wunsch, eine moderne Anlage zu bauen und das Potenzial des Standortes voll auszunutzen.“
Drei Jahre für Genehmigung
„Allein für die Genehmigung vergingen schon gute drei Jahre“, erklärt Rädlein. Aber er verfolgte seinen Wunsch akribisch und inzwischen läuft die „Schnecke“ prima: Die große Röhre funktioniert nach der energetischen Umkehr der Archimedischen Schraube. Das Wasser fließt in die Wasserkraftschnecke ein und bringt durch das Gefälle zwischen Oberwasser und Unterwasser die Schnecke in eine Drehbewegung.
Diese Drehbewegung wird auf ein Getriebe weitergeleitet, die Drehzahl wird erhöht und anschließend wird ein Generator damit angetrieben. Es handelt sich dabei nicht um eine allgemein bekannte Turbine, die oftmals verbaut wird, sondern um eine Wasserkraftschnecke, die sich auszeichnet durch ihre langsame Drehung und dadurch sehr fischfreundlich ist, sagt Rädlein.
Mittlerer sechsstelliger Betrag
„Ich glaube, die Mühen werden sich eines Tages lohnen“, ist der Unternehmer überzeugt. Doch zahlt sich diese in der Region einmalige Energieerzeugungsanlage aus Wasserkraft für den 35-Jährigen aus Birkig überhaupt aus? Schließlich musste er erst einmal tief in die Tasche greifen, ehe alles funktionierte. „Natürlich, sonst hätte ich das ja sicher nicht gemacht“. Die Planungs- und Anschaffungskosten für ein solches Projekt beliefen sich nach Angaben von Robert Rädlein auf einen mittleren sechsstelligen Betrag.
Im Gegenzug dazu produziert die Anlage jetzt circa 260.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Diese Energie wird in das Stromnetz eingespeist. Mit 260.000 kWh könnte fast der komplette Stadtteil versorgt werden, also derzeit 361 Fürtherinnen und Fürther in 125 Haushalten. Doch das sei „Zukunftsmusik“, da die bürokratischen Hürden dafür noch zu hoch seien.
“„Schon als kleiner Junge hat mich die Backertsmühle interessiert. Mein Wunsch war eine moderne Anlage, um das Potenzial des Standortes voll auszunutzen."
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Rädleins vorsichtige Kalkulation ergibt, dass es rund 15 bis 20 Jahre dauern wird, bis er mit seinem ehrgeizigen Projekt aus den roten Zahlen „herausrudert“ und Profit mit seiner Wasserschnecke macht. „Je nachdem, wie sich das Wasservolumen über die nächsten Jahre entwickelt“, gibt er zu bedenken. Dieser Zeitraum sei okay und es ist ja vor allem auch „eine saubere Sache für die Umwelt“.
Dank an das Landratsamt
Die schweißtreibende und aufregende Zeit liegt jetzt erst einmal hinter Robert Rädlein. Denn Probleme gab es genügend: egal ob bei Gründungsarbeiten für das Fundament, bei der Einbringung der Anlage auf die Insel und dann in das Bauwerk, beim Stromanschluss, der Ufersicherung oder dem Zuleitungskanal. „Aber wir haben das alles gemeistert“, freut sich der Birkiger.
Auch die Behördengänge und das Genehmigungsverfahren seien natürlich sehr aufwendig und mühsam gewesen. An dieser Stelle ist Rädlein ein großes Dankeschön wichtig: „Rainer Brink, der im Landratsamt Coburg für Fragen rund um den Gewässerausbau zuständig ist, stand uns beim Genehmigungsverfahren mit Rat und Tat zur Seite.“
Lob von der Fischereifachbehörde
Doch diese Hürden gehören nach den Worten Rädleins eben dazu, wenn man ein solch außergewöhnliches Unterfangen startet und dann auch unter allen Umständen umsetzen will. Widerstände seitens Naturschützern oder beispielsweise den an der Steinach zwischen Horb und Fürth fischenden Anglerfreunden hielten sich absolut im Grenzen. „Bisher gab es kaum Kritik, eher viel Zustimmung für unser Projekt“.
Es seien einige Stellungnahmen zum Neubau dieser Wasserkraftschnecke geschrieben worden, doch seien diese „im Grunde durchwegs sehr positiv gewesen“. Die Fischereifachbehörde sieht sogar eine Verbesserung durch den Neubau, da die Zugänglichkeit der Fischtreppe stark verbessert wurde und dadurch die Durchgängigkeit des Flusses verbessert wird.
„Geburtswehen“ überstanden
Auch die „Geburtswehen“, wie seine Freundin Kristina die nächtlichen, extrem lauten Turbinengeräusche vor ein paar Wochen bezeichnet, haben die Betreiber inzwischen im Griff. „Bei Temperaturen von unter minus zehn Grad“, so Rädlein, entstanden im Inneren der Maschine Eisflächen und es kam zu einer ungewöhnlichen Lärmbelästigung. Ein spezielles Außenthermometer schafft jetzt Abhilfe. „Wir wollen niemanden stören“, sagt seine Lebensgefährtin aus Fürth.
Auch deshalb „bastelt“ ihr Freund ständig an Verbesserung. Details, Feinheiten müssten schließlich passen. Erst kürzlich war ein Spezialteam aus Belgien in Fürth am Berg vor Ort, um diese nachhaltige Energieerzeugungsmaschine weiter zu optimieren. „Auch dieses Problem haben wir jetzt behoben“. Die „Schnecke“ in der Steinach kann jetzt also endlich richtig Fahrt aufnehmen.
Hintergrund Wasserkraftschnecke
Eine Wasserkraftschnecke ist eine Wasserkraftmaschine, das heißt eine technische Anlage (Wasserkraftwerk) zur Umwandlung von potentieller Energie in mechanische Energie (rotierende Bewegung einer Welle), die meist zum Antrieb eines elektrischen Generators dient. Wasserkraftwerke mit Wasserkraftschnecken sind dem Bereich der Kleinwasserkraft zuzuordnen.
Zentrales Bauteil einer Wasserkraftschnecke ist der Läufer, der aus einem länglichen, zylinderförmigen Mittelteil besteht, an dessen Mantel die ein- oder mehrgängige, helixförmige Schneckenwindung angeordnet ist. Dieser Läufer befindet sich in einem genau an den Außendurchmesser der Schnecke angepassten Trog, der die Schnecke mindestens an der unteren Hälfte, jedoch meist zu zwei Dritteln oder mehr umschließt.
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