Vom Dachstuhl der „Sudpfanne“ ist nicht mehr viel übrig: Nur ein verkohlter Haufen an Gebälk. Einsturzgefährdet. Der Geruch nach Rauch liegt noch immer in der Luft. Das Gebälk ist morsch. Und die Gebäudeteile, die das Feuer nicht vernichten konnten, wurden durch das Löschwasser stark in Mitleidenschaft gezogen.
Technischer Defekt war schuld an dem Brand
Das Traditionslokal und der angrenzende „Storchenkeller“, wohin Freunde fränkischer Küche aus nah und fern pilgerten, ist schwer in Mitleidenschaft gezogen. Jetzt ist klar – ein technischer Defekt war ausschlaggebend für das verheerende Feuer.
Der Schaden, den das Feuer angerichtet hat, ist immens und wird auf mehrere Millionen beziffert. Stadtbrandinspektor Stephan Fößel spricht von einem der größten Brände in der Region – nach dem Schreckensereignis in der Rosenau. „Es war erst ein Zimmerbrand mit Rauchentwicklung gemeldet. Aber schon als wir ankamen war klar, dass diese massive Hitzeentwicklung nicht durch einen einfachen Zimmerbrand zu erklären ist“, erinnert sich Fößel.
Geschäftsführer Julian Schmitt: „Es geht weiter“
Tatsächlich zündete der Brand auch sofort durch. Doch so schrecklich die Situation auch ist, die Wirtsfamilie Schmitt gibt nicht auf. Eine Woche nach dem Feuer sagt Geschäftsführer Julian Schmitt (27), der seit Mai das Lokal führt, dass es weitergehen wird. „Es waren die Brandermittler da, Sachbearbeiter. Wir haben eine Versicherung. Es geht weiter“, ist Schmitt fest entschlossen.
Wie genau, kann er zwar noch nicht sagen. „Es wird alles wiederaufgebaut. Wir wollen weitermachen. Es wird wieder so schön wie es war, vielleicht noch schöner“, sagt Schmitt kämpferisch. Ihm ist noch anzumerken, dass der Schock tief sitzt.
Ob der Biergarten noch öffnen kann, ist ungewiss
Doch eine Vielzahl an Telefonaten und die Arbeit warten. Und die Schmitts wollen keine Zeit verlieren. Schon an diesem Freitag sollen die Aufräumarbeiten beginnen.
„Wir haben ja noch Lebensmittel im Gebäude. Das muss alles raus“, so der Geschäftsführer. Dass der Biergarten in diesem Jahr noch einmal öffnen kann, glaubt Julian Schmitt jedoch nicht. Letztlich wird das von den Behörden abhängen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, dann werden die Schmitts die Doppelbelastung in Kauf nehmen. Hauptsache, das Geschäft geht weiter.
Bayreuther Traditionslokal beschäftigt rund 80 Mitarbeiter
„Wir sind jetzt im Gespräch mit der Versicherung und versuchen, Lösungen zu finden. Was möglich ist, machen wir“, erklärt der Geschäftsführer. Das Traditionslokal „Sudpfanne“ und der „Storchenkeller“ beschäftigen 70 bis 80 Mitarbeiter, inklusive der Aushilfskräfte. Mit den festangestellten Mitarbeitern haben die Schmitts schon gesprochen. Man möchte eine Lösung finden.
„Wir lassen die Mitarbeiter nicht im Regen stehen. Für die Aushilfen versuchen wir eine Möglichkeit zu finden, dass sie in der Zwischenzeit weiter Geld verdienen können. Bei uns geht es leider nicht“, so Schmitt. Doch natürlich hofft der Wirt aus Leidenschaft, dass viele von den Aushilfen nach dem Wiederaufbau zurückkehren.
Am Schnitzeltag brach das Feuer aus
An die Schreckensnacht erinnert sich die ganze Familie Schmitt in allen Details: Es war Dienstagabend, herrliches Wetter. Der Biergarten des „Storchenkellers“ war proppenvoll. Die Menschen feierten draußen, genossen in der Ferienzeit ihr Leben bei fränkischen Biergartenschmankerln, mit Bier aus der Heimat oder auch bei Grillerlebnissen direkt am Tisch mit Steaks, Bratwürsten, Salaten und Bier. Dienstag war der beliebte Schnitzeltag.
„Wir merkten plötzlich, dass die Kasse nicht funktioniert, dachten, eine Sicherung ist rausgeflogen – irgend etwas muss mit dem Internet los sein“, berichtet Julian Schmitt im Gespräch mit der Bayerischen Rundschau. Seit 1. Mai hat der 27-Jährige das Amt des Geschäftsführers übernommen. Er möchte das Lebenswerk seiner Eltern, die mit 57 und 51 Jahren in die zweite Reihe zurücktreten wollten, fortführen.
Der Nachbar rief die Feuerwehr
In diesem Moment kam auch schon der Nachbar gerannt und berichtete von dichtem Rauch. „Er hat die Feuerwehr gerufen. Wir haben dann schon überall schwarzen Rauch gesehen“, erinnert sich Julian Schmitt.
Der Gastronom evakuierte das Wirtshaus in der Oberkonnersreuther Straße und den Biergarten. Die Feuerwehr kam. „In dem Moment, als die Feuerwehr löschte, war schon klar, dass der ganze Dachstuhl nicht mehr zu retten sein dürfte“, erzählt Schmitt. Der alte Dachstuhl und das massive Blechdach eines Gebäudeteiles stellten die Floriansjünger vor massive Probleme.
Stadtbrandrat: Große Glutnester unter dem Blechdach
„Unter dem Blechdach gab es sehr große Glutnester. Wir mussten mit speziellen Nägeln Löcher ins Blech machen, damit wir überhaupt rankommen und löschen konnten. Und der alte Dachstuhl war natürlich so gebaut wie früher – ohne Brandmauer“, berichtet Standbrandinspektor Stephan Fößel.
„Wir hatten drei Drehleitern im Einsatz. Man hofft natürlich immer, dass man das Feuer schnell in den Griff bekommt. Wir hatten noch Glück, dass wir den Brand auf die ,Sudpfanne’ begrenzen konnten“, so Fößel. Insgesamt lief die gesamte Rettungskette vorbildlich. Auch die Wasserversorgung klappte.
Das Lebenswerk der Eltern war in Gefahr
„Es ist ja nicht so, dass da nur das Haus verbrannt ist, das ist das ganze Lebenswerk meiner Eltern. Im ersten Moment ist man fix und fertig mit der Welt“, berichtet Schmitt. Doch die Familie steht zusammen. Inzwischen ist klar, dass ein technischer Defekt Ursache für das Feuer war. „Wir können heilfroh sein, dass das Feuer nicht nachts, als meine Eltern geschlafen haben, ausgebrochen ist“, sagt Schmitt.
Dennoch wurden bei dem Brand drei Feuerwehrdienstleistende und ein Mitarbeiter der Gaststätte verletzt. Allerdings nur leicht. Mit 130 Feuerwehreinsatzkräften waren die Feuerwehren im Einsatz. Doch erst gegen 23 Uhr konnten die Einsatzkräfte den Brand wirklich unter Kontrolle bekommen. Die Löscharbeiten zogen sich bis 7 Uhr morgens hin.
„Wir sind mit ganzem Herzen bei der Sache. Gastronomie ist unser Leben. Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, sagt Julian Schmitt und hofft, dass die Kunden dem Traditionslokal treu bleiben.
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