Alle sechs Jahre ist es wieder so weit – die Kommunalwahlen stehen an. Am 8. März 2026 wird auch in Bad Kissingen wieder gewählt. Doch wem haben die Wahlberechtigten der Kurstadt seit Gründung der Bundesrepublik ihre Stimmen gegeben? Ein Rückblick.
Die erste Stadtratswahl 1948 bis zur Gebietsreform
In der unmittelbaren Nachkriegszeit war die politische Landschaft der Saalestadt von einer Zersplitterung der Wählerstimmen geprägt, was sich in der Sitzverteilung widerspiegelte.
Bei der ersten Stadtratswahl im Jahr 1948 war die CSU mit 7 Sitzen die stärkste Partei, verpasste aber die absolute Mehrheit. Mehrere lokale Listen prägten die Politik. Darunter war auch der Christliche Bürgerblock (CBB), der 6 Sitze errang und heute in Hammelburg noch immer eine feste politische Größe ist.
Im Juli 1972 ereignete sich in Kissingen durch die Gebietsreform ein Strukturwandel. Die zuvor eigenständigen Orte Albertshausen, Arnshausen, Garitz, Hausen, Kleinbrach, Poppenroth, Reiterswiesen und Winkels wurden in die kreisfreie Stadt Bad Kissingen eingemeindet. Die Kurstadt wurde dadurch zu einer Großen Kreisstadt.
Damit einhergehend wurden die früheren Landkreise Bad Brückenau, Bad Kissingen und Hammelburg zusammengeführt. So entstand der neue, vergrößerte Landkreis Bad Kissingen.
Die Gebietsreform prägte auch die im selben Jahr stattfindende Kommunalwahl in Kissingen. Aus den 20 Sitzen im Stadtrat wurden 30. Gleichzeitig stieg die Zahl der Wahlberechtigten von 9217 auf 16.605.
Über drei Jahrzehnte im Amt
Im Jahr 1948 wählte der Stadtrat noch den Oberbürgermeister. Mit elf Stimmen wurde Dr. Karl Fuchs von der CSU der erste Amtsinhaber. Der einzige Gegenkandidat war Dr. Georg Krischker von der Flüchtlingsgruppe „Parteilose“.
Die Oberbürgermeister- und Stadtratswahlen waren bis zur Gebietsreform zeitlich nicht vereinheitlicht. Die erste freie Direktwahl fand 1952 statt.
Bis in die Mitte der 1980er-Jahre wurde das Amt hauptsächlich von einem Mann geprägt – Dr. Hans Weiß (CSU). Der gebürtige Münchner wurde 1952 mit einer Mehrheit der Stimmen zum Oberbürgermeister gewählt. Er schied erst 1984 aus und war somit über drei Jahrzehnte Amtsinhaber.
In diese Zeit fallen unter anderem die Umsetzung der Gebietsreform und der Bau des Terrassenschwimmbads im Jahr 1954.
Neue Parteien etablieren sich
Die seit der Gebietsreform erhöhte Anzahl an Sitzen im Stadtrat ermöglichte mehr kleineren Wählergruppen, Mandate zu gewinnen. Am meisten profitierte davon die 1972 erstmals angetretene Wählergemeinschaft Große Kreisstadt (ab 1990 Freie Wähler Bad Kissingen). Sie konnten auf Anhieb mit drei Mandaten in den Stadtrat einziehen.
In den 1990ern wurden auch umweltpolitische Themen wichtiger. Die Grünen zogen im Jahr 1990 unter dem Leitgedanken „Bürger für Umwelt“ erstmals mit einem Mandat in den Stadtrat ein. In den Folgejahren etablierte sich die Partei auf Bad Kissingens Kommunalebene.
CSU und SPD verlieren an Dominanz
Die Christlich-Soziale Union und die Sozialdemokraten blieben in der Zeit der Jahrtausendwende die stärksten Kräfte. Ihre Dominanz nahm jedoch ab. Im Jahr 2008 erhielt die CSU elf Sitze. Die SPD war mit acht Sitzen die stabile zweite Kraft. Eine breite Basis hatten die lokalen Listen wie die Demokratischen Bürger Kissingen (DBK) mit sieben Sitzen. Die Freien Wähler trugen vier Sitze bei. Die Grünen waren in diesem Jahr noch mit einer Zwei-Mann-Fraktion vertreten.
Das Wahljahr 2020 führte zu einer weiteren Aufsplitterung. Die Grünen profitierten und gewannen vier Sitze. Neu zog die Alternative für Deutschland (AfD) mit zwei Sitzen in den Stadtrat ein. Die Mandatsträger Freia Lippold-Eggen und Peter Eggen traten allerdings aus der Partei aus. Sie begründeten dies damit, dass die AfD zu radikal geworden sei. Sie wurden zu parteilosen Mandatsträgern.
Auch die Linke und die Bürgerliste Zukunft Bad Kissingen gewannen jeweils ein Mandat. Insgesamt waren damit anfangs neun verschiedene Parteien und Listen im Stadtrat vertreten.
Wahlbeteiligung im Sinkflug
Die Wahlbeteiligung in der Saalestadt erreichte im Jahr 1952 ihr Allzeithoch. Von den 9832 zugelassenen Wählern gaben 82,6 Prozent ihre Stimme ab. Auch wenn dieser Wert bis heute nicht mehr erreicht wurde, blieb die Wahlbeteiligung lange Zeit stabil.
Seit 1984 nahm die Stimmabgabe jedoch mit jeder weiteren Wahl ab und fiel 2008 erstmals unter 60 Prozent. Bei den letzten beiden Wahlen setzte sich dieser Abwärtstrend fort. Im Jahr 2020 gingen nur noch 52,8 Prozent der Wahlberechtigten Kissinger wählen.
Duell um den Oberbürgermeister
Lange hatte die CSU bei der Oberbürgermeisterwahl keine wirkliche Konkurrenz. Seit dem Wahljahr 1978 stellte die SPD jedoch konstant einen eigenen Kandidaten auf. Die Wahl des Oberbürgermeisters entwickelte sich so zu einem Duell der beiden Parteien, die bis heute regelmäßig die meisten Stimmanteile erhalten.
Eine Besonderheit stellte die Wahl von Karl Heinz Laudenbach im Jahr 2002 dar. Er trat als parteiloser Kandidat an, wurde jedoch von der CSU gestützt, die in diesem Jahr das erste Mal keinen eigenen Kandidaten stellte.
Bei vereinzelten Wahlen stellten auch andere Parteien Bewerber auf – jedoch nie mehr als zwei. Eine Ausnahme bildete das Jahr 2008 mit drei zusätzlichen Bewerbern von den Freien Wählern, den DBK und der FDP. Dennoch kamen die jeweiligen Kandidaten von SPD und CSU nie unter 25 Prozent der Stimmen.
Mittlerweile haben die Sozialdemokraten das Amt seit 2008 inne, als sich Kay Blankenburg in einer Stichwahl gegen Dr. Alexander Zöller durchsetzte. Amtierender Oberbürgermeister ist Dr. Dirk Vogel, der auch für die Wahl 2026 wieder vom Ortsverein der SPD-Bad Kissingen nominiert wurde. Als Gegenkandidat tritt André Kiesel für die CSU an.














