Die Sonne scheint, Menschen sitzen in Cafés am Marktplatz oder liegen im Hofgarten. Spielplätze sind gut besucht, die Vögel zwitschern. Coburger Idylle – und sicher kein Tag, an dem man sich um seine Sicherheit sorgt.
Doch genau durch diese Idylle patrouillieren zwei Männer in dunkelblauer Uniform und Schirmmütze, mit Funkgeräten und Pfefferspray. Polizisten, denkt man, wenn man nicht genau hinsieht. Aber nein, das sind sie nicht. Das sind Männer der neuen Coburger Sicherheitswacht auf einem ihrer ersten Rundgänge.
Gute Sicherheitslage in Coburg
Seit 1994 gibt es die bayerische Sicherheitswacht schon in vielen Städten im Freistaat, seit diesem April setzt auch Coburg darauf (das Tageblatt berichtete). Warum? „Wir haben in Coburg im Großen und Ganzen eine gute Sicherheitslage“, sagt Polizeioberrat Ralf Neumüller. Die Zahl der Straftaten sei gesunken. Das hieße jedoch nicht, dass auch das individuelle Sicherheitsgefühl hoch sei. Das sei nämlich schlechter als die Lage, sagt Neumüller. Damit sich Coburgs Bürger auch in den Abendstunden oder an bestimmten Plätzen sicher fühlen können, setzt die Polizei also zur Unterstützung die Sicherheitswacht ein.
Es ist der zweite Rundgang für Frank Spitzenpfeil, der erste für Jerome Rebhan. Ein wenig Aufregung ist noch dabei. Oder vielleicht besser – Vorfreude. Rebhan jedenfalls ist rund 20 Minuten zum früh am Treffpunkt im Präsidium, von wo aus der Rundgang startet. „Geh ruhig nochmal runter und warte noch ein wenig. Wir kommen gleich“, sagt ein Polizist zu Jerome. Ok, geht er eben nochmal runter.
Kurz darauf bereiten sich alle vier vor. Jerome, Frank und zwei Kollegen von der Polizei. Dann geht es runter zu den Einsatzwagen – Welpenschutz, könnte man das nennen. Denn nach dem ersten Monat werden die Männer von der Sicherheitswacht nicht mehr vom Präsidium in die Stadt gefahren. Dann müssen sie alleine los. Nur am Anfang gibt es noch ein wenig Unterstützung.
Heute sieht es aber nicht so aus, als bräuchte es die überhaupt. Erster „Einsatzort“ ist der Rosengarten. Viel ist hier nicht los, an diesem Nachmittag. Aber die paar Menschen, die Spazieren oder auf Bänken sitzen und in die Sonne blinzeln, drehen sich nach den vier Uniformierten um. „Ui, Polizei!“ Das denkt vielleicht ein älterer Mann mit langen Haaren und Bart. Versteckt er schnell etwas? Es sieht jedenfalls so aus. Vielleicht etwas, was man rauchen kann? Ist ja mittlerweile April, und es gibt da so ein neues Gesetz...
Jedermannsrecht
Dürften Mitglieder der Sicherheitswacht denn eigentlich fragen, ob jemand Cannabis dabei hat? Nein, dürfen sie nicht. Sie dürfen im Wesentlichen nur die Identität feststellen und das der Polizei mitteilen. „Raucht also jemand in der Nähe von Kindern Gras“, sagt Neumüller, können sie die Identität feststellen.“ Viel mehr Kompetenzen gibt es nicht. Die Mitglieder der Sicherheitswacht dürften aber auch einen Straftäter, den sie auf frischer Tat ertappen, festhalten, bis die Polizei kommt. Aber: Das trifft auf uns alle zu – „Jedermannsrecht“ nennt sich das.
Aber was bewegt jemanden, zur Sicherheitswacht zu gehen? Frank Spitzenpfeil ist einfach Ehrenamtler durch und durch, hat über 30 Jahre Erfahrung bei der Feuerwehr Michelau gesammelt. Die Erfahrung merkt man ihm an. „Ich möchte eben etwas für die Allgemeinheit machen, und für das Sicherheitsgefühl der Menschen. Hätte es die Sicherheitswacht schon früher gegeben, wäre ich auch schon früher hingegangen. Das Thema beschäftigt mich schon lange, ich glaube, seit den neunziger Jahren.“ Als dann der Aufruf dazu kam, habe er sich also sofort gemeldet.
Bei Jerome Rebhan scheint das alles in der Familie zu liegen. „Ich wollte eigentlich früher selber zur Polizei“, sagt er. „Hat aber nicht geklappt...“ Das will jetzt aber seine Tochter auch – also gingen die beiden zum Infostand „Coffee with a Cop“ in der Stadt, wo sich die Coburger Polizisten den Bürgern locker vorstellen und Fragen beantworten. „Da hörte ich von der Sicherheitswacht“, sagt Jerome und strahlt.
Fühlen die beiden sich jetzt also wie Polizisten? Na? Ganz ehrlich? Nicht wenigstens ein kleines Bisschen? Nein, ihre Rolle ist beiden sehr klar.
„Wir wollen weder Verbrecher jagen noch irgendwelche Befugnisse überschreiten“, sagt Spitzenpfeil. „Wir sehen uns eher als Helfer der Polizei und haben dort Auge und Ohren, wo die möglicherweise noch nicht sein kann. Und wenn durch uns ein oder zwei Straftaten weniger geschehen, sind wir schon zufrieden.“ Und sie wissen auch, dass sie sich im Zweifel zurückhalten müssen: „Auf Biegen und Brechen vorgehen und sich selbst in Gefahr bringen - das werden wir in keinem Fall", sagt Jerome Rebhan.
Erfolgreicher Projekt-Start also, aus Sicht der Polizei? „Bisher gab es keine negativen Erfahrungen bei der bayerischen Sicherheitswacht, warum sollte es ausgerechnet in Coburg anders laufen?“, fragt Polizeioberrat Neumüller. Menschen mit falscher Gesinnung hätten sich nicht einmal beworben. Und selbst wenn, wären diese spätestens im Auswahlverfahren aufgeflogen. Neumüller: „Im Gegenteil: Wir waren von der hohen Qualität der Bewerbungen überrascht!“
Ob sich die Sicherheitswacht in Coburg also durchsetzt, wie viele Straftaten sie letztendlich verhindert und ob die Patrouillen Auswirkungen auf das Gewaltpotential haben, wird man in drei Monaten sehen. Die „berühmten 100 Tage“ gelte es abzuwarten, erst dann kann Neumüller ein Resümee ziehen.


















