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Digitale Welt für Patienten
Online trainieren auf Rezept
Diga
Auch mit Fitnessuhren funktionieren digitale Gesundheitsanwendungen. Der Patient trainiert nach einem persönlich auf ihn abgestimmten Trainingsplan. // Foto: AdobeStock
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Coburg – Piepsen im Smartphone statt Wartezimmer: Digitale Gesundheit auf Rezept macht das Training zum Klick-Abenteuer.

Digitale Gesundheitsanwendung? Paula Schmidt hat davon noch nie was gehört. Bis die passionierte Freizeitsportlerin wegen eines unangenehmen Ziehens in der vorderen Kniegegend zu ihrer Orthopädin geht. Die Ärztin verschreibt ihr eine Digitale Gesundheitsanwendung, eine DiGA, die kann sie direkt auf ihrem Smartphone, ihrem Laptop oder ihrem Tablet installieren.

Das sagt der Arzt zur DIGA

Schritt für Schritt zum Training

Hier die Schritte, wie es funktioniert: 

  • Schon am nächsten Morgen startet Frau Schmidt ihr persönliches Programm: Sie beginnt mit wärmenden Mobilisationsübungen, bevor sie anhand der Videosequenzen mit fließenden Kräftigungseinheiten fortfährt. Jede Übung ist so aufgebaut, dass sie mit wenigen Hilfsmitteln – beispielsweise einem kleinen Ball und einem elastischen Band- durchführbar ist. Die Anwendung passt die Intensität selbstständig an, wenn Frau Schmidt nach jeder Wiederholung ihren aktuellen Schmerzgrad eingibt.
    DIGA
    Bei digitalen Gesundheitsanwendungen kann man am Handykalender seinen Trainingsverlauf kontrollieren. // Foto: AdobeStock
  • Ein integrierter Kalender erinnert sie zuverlässig an die tägliche 20- bis 30-minütige Session und lässt sich flexibel verschieben, falls sie einmal im Home-Office oder unterwegs ist. Parallel protokolliert Frau Schmidt ihre Fortschritte in der App, die diese in einer übersichtlichen Grafik veranschaulicht: Die Schmerzskala fällt von Tag zu Tag ab, während die Anzahl beschwerdefreier Schritte steigt.
  • Zusätzlich stöbert Frau Schmidt in der enthaltenen Wissenssektion, in der Fachtexte zu Anatomie und Schmerzentstehung anschaulich erläutert und praktische Alltagstipps—etwa zur richtigen Sitzhaltung am Schreibtisch—gegeben werden. Vor ihrem nächsten Kontrolltermin lädt sie den Datensatz herunter und mailt ihn ihrer Ärztin. So können beide exakt sehen, welche Übungen besonders effektiv waren und wo gegebenenfalls nachjustiert werden muss.

Speziell entwickelte Software

Digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGAs, sind speziell entwickelte Softwarelösungen für medizinische Zwecke, die auf mobilen Geräten wie Smartphones, Tablets oder Smartwatches eingesetzt werden – ebenso aber auch im Webbrowser auf Laptops oder stationären Computern.

Anders als frei zugängliche Gesundheits-Apps benötigen DiGAs eine offizielle medizinische Zulassung: Sie gelten als Medizinprodukte und durchlaufen ein Prüfverfahren im Rahmen der CE-Kennzeichnung. Grundlage für die Aufnahme ist der nachgewiesene medizinische Nutzen.

Gut zu wissen

  1. Wenn eine ärztliche Diagnose vorliegt oder ein konkreter medizinischer Bedarf besteht, kann eine DiGA ärztlich verordnet oder von der Krankenkasse genehmigt werden. Mit dem ausgestellten Freischaltcode wird der Zugang zur Anwendung aktiviert. 
  2. Zudem bieten viele Anwendungen die Möglichkeit, Gesundheitsdaten mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu teilen. Ein entsprechender Datenauszug kann erstellt und bei Bedarf direkt in die elektronische Patientenakte (ePA) überführt werden.
  3. Im DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte finden Sie eine Auflistung aller bereits zugelassener DiGAs: https://diga.bfarm.de/de. Hierzu gehören derzeit beispielsweise DiGAs zu Indikationen wie Angststörungen, Depressionen, chronische Rückenschmerzen, Schlafstörungen und Adipositas. 

Aus ärztlicher Sicht: sinnvolle Ergänzung

Dr. Martin Krause, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie am MVZ in Bad Staffelstein sieht die Digitalen Gesundheitsanwendungen (DIGAs) als sinnvolle Ergänzung zur klassischen Therapie – besonders bei chronischen oder funktionellen Beschwerden, bei denen Eigeninitiative und regelmäßige Begleitung erforderlich sind. „In unserem MVZ nutzen aktuell Patientinnen und Patienten zunehmend digitale Angebote, etwa im Bereich psychosomatischer Unterstützung bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen“, sagt er. 

Ein klarer Vorteil gegenüber der rein analogen Versorgung liege in der kontinuierlichen Verfügbarkelt und Individualisierung: DIGAs ermöglichen es Patienten, Übungen, Inhalte oder Tagebücher flexibel in ihren Alltag zu integrieren. Auch das strukturierte Teilen von Verlaufsdaten kann die Kommunikation mit der behandelnden Praxis verbessert. 

„Kritisch zu sehen ist jedoch der bürokratische Aufwand bei der Verordnung, der im Praxisalltag Zeit kostet und nicht immer durch einen klaren Mehrwert kompensiert wird. Auch die Qualität und Benutzerfreundlichkeit einzelner Anwendungen sind sehr unterschiedlich“, kritisiert der Mediziner. Letztlich bleibe für viele Fachärztinnen und Fachärzte unklar, welche DIGA tatsächlich in der Breite wirkt und welche eher auf spezifische Motivationslagen zugeschnitten ist. 

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