Michael Hollner ist 45 Jahre alt und beruflich stark eingebunden. Als er an einem Montagmorgen mit Halsschmerzen, leichtem Fieber und allgemeinem Unwohlsein aufwacht, möchte er sich ärztlich beraten lassen. Allerdings fühlt er sich zu schwach, um den Weg in die Praxis sowie eine lange Wartezeit vor Ort auf sich zu nehmen. Da seine Hausarztpraxis Videosprechstunden anbietet, ruft er dort an und vereinbart einen Termin. Ein medizinischer Fachangestellter fragt nach seiner E-Mail-Adresse und sendet ihm darauf einen Zugangslink sowie eine kurze Anleitung zur Nutzung. Am selben Tag um 11 Uhr findet die Sprechstunde statt. Herr Hollner wählt sich mit seinem Laptop ein und trifft virtuell direkt seine Hausärztin. Gemeinsam besprechen sie die Beschwerden.
E-Rezept gibt's auch noch
Darüber hinaus stellt sie ihm nach dem Gespräch ein elektronisches Rezept (E-Rezept) für ein fiebersenkendes Medikament aus. Herr Hollner ruft das E-Rezept über seine E-Rezept-App ab und lässt das Medikament in einer nahegelegenen Apotheke zur Abholung reservieren. Zusätzlich erhält er eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), die direkt an seine Krankenkasse und den Arbeitgeber übermittelt wird.
Das sind die Voraussetzungen
Wer eine ärztliche Beratung per Video in Anspruch nehmen möchten, braucht nur wenige Dinge: ein internetfähiges Gerät – wie Smartphone, Tablet, Laptop oder Computer – das über Kamera, Mikrofon und Lautsprecher verfügt. Wichtig ist auch eine zuverlässige Internetverbindung, damit Ton und Bild stabil übertragen werden. Die Arztpraxis schickt vor dem Termin einen Link, mit dem man ganz einfach den virtuellen Behandlungsraum betreten kann – ähnlich wie bei einer Videokonferenz. Manche Praxen bieten auch die Möglichkeit einer Online-Terminbuchung.
Damit die Videosprechstunde sicher abläuft, arbeiten die Praxen mit einem speziell zertifizierten Videodienst zusammen. Dieser Anbieter erfüllt hohe Anforderungen in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit. Die persönlichen Gesundheitsdaten sind dabei besonders geschützt – über die genauen Maßnahmen werden die Patienten vorab informiert. Bevor die digitale Sprechstunde starten kann, ist die Zustimmung zu diesen Datenschutzregeln erforderlich.
So kann eine Videosprechstunde ablaufen:
- Sie vereinbaren wie gewohnt einen Termin mit Ihrer Praxis.
- Vor dem Termin erhalten Sie einen Zugangslink.
- Zum vereinbarten Zeitpunkt loggen Sie sich ein.
- Die Ärztin oder der Arzt erscheint im Videochat und das Gespräch beginnt.
- Bei Bedarf stellt die Praxis ein E-Rezept und/oder eine digitale Krankschreibung (eAU) aus.
- Die Videosprechstunde macht es möglich, medizinische Anliegen bequem von zu Hause aus zu klären. Und wenn nötig, erhalten Sie Ihre Medikamente oder Ihre Krankschreibung direkt im Anschluss – ganz ohne Wartezimmer.
Arzt: Wertvolle Ergänzung im hausärztlichen Bereich
Die Videosprechstunde hat sich insbesondere im hausärztlichen Bereich als eine wertvolle Ergänzung etabliert. "Für Patientinnen und Patienten, die wegen leichter Beschwerden oder allgemeiner Beratungsfragen keine Arztpraxis aufsuchen können oder möchten, bietet sie eine unkomplizierte und zeitsparende Lösung", sagt Dr. Martin Krause, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie am MVZ Bad Staffelstein. Über Portale wie beispielsweise die TeleClinic, mit der das MVZ in Bad Staffelstein kooperiert, ist es auch für Patienten, die aktuell keinen festen Hausarzt haben, möglich, kurzfristig eine ärztliche Ersteinschätzung ihrer Beschwerden zu erhalten.
“Für Patientinnen und Patienten, die wegen leichter Beschwerden oder allgemeiner Beratungsfragen keine Arztpraxis aufsuchen können oder möchten, bietet sie eine unkomplizierte und zeitsparende Lösung.
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"Eine sinnvolle Nutzung der Videosprechstunde sehen wir vor allem bei wiederkehrenden Problemen wie der Kontrolle von chronischen Erkrankungen, der Besprechung von Testergebnissen oder bei unkomplizierten Infekten", stellt der Mediziner fest. Die persönliche Untersuchung bleibe dabei natürlich unerlässlich, aber viele grundlegende Beratungsgespräche lassen sich sehr gut virtuell führen. Die Möglichkeit, E-Rezepte oder Krankschreibungen direkt auszustellen, steigert den Komfort und kann für beruflich stark eingebundene Patientinnen und Patienten eine erhebliche Erleichterung darstellen.
Ein weiterer Vorteil der Videosprechstunde ist, dass Begleitpersonen, wie etwa pflegende Angehörige, ebenfalls teilnehmen können, was insbesondere für ältere oder eingeschränkte Patienten von Bedeutung Ist. Jedoch kann die Videosprechstunde nicht als Ersatz für die persönliche Vorstellung bei schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen oder für die körperliche Untersuchung angesehen werden.
"Für Hausärztinnen und -ärzte ist die Videosprechstunde ein wertvolles Tool, um Patienten flexibel zu betreuen, ohne dass diese für jedes Anliegen in die Praxis kommen müssen", sagt Dr. Krause.















