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Antrag der Grünen in Coburg
Kampf gegen Periodenarmut – Tampons bald gratis?
Tampons und Binden
Gibt es Automaten mit kostenlosen Tampons und Binden bald auch in Coburg? // Martin Schutt/dpa
Coburg – Der Coburger Stadtrat soll ein „Zeichen gegen Periodenarmut“ setzen: An drei Stellen im Stadtgebiet könnten entsprechende Automaten aufgestellt werden.
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Die Stadtratsfraktion der Grünen in Coburg hat einen Antrag auf kostenfreie Hygieneprodukte für weibliche Personen gestellt. Demnach möge der Stadtrat beschließen, dass an drei festen Standorten entsprechende Automaten aufgestellt werden. An diesen Automaten sollen sich dann weibliche Personen bei Bedarf Tampons, Binden und/oder Slipeinlagen holen können.

Um einen Vandalismus auszuschließen, sollte es sich um „betreute Standorte“ handeln. Denkbar wären die Stadtbücherei, das Bürgerbüro und das Ämtergebäude.

Das Risiko einer Infektion

In der Begründung des Antrags wird auf Untersuchungen von Plan International verwiesen, wonach auch in Deutschland viele weibliche Personen von einer sogenannten Periodenarmut betroffen seien. So hätten 23 Prozent der befragten Frauen und Mädchen gesagt, dass die monatlichen Ausgaben für die Periode eine finanzielle Belastung für sie darstellen würden. 15 Prozent würden deshalb sogar versuchen, möglichst wenige Tampons, Binden und/oder Slipeinlagen zu verbrauchen. Jede Zehnte zögere den Wechsel dieser genannten Hygieneprodukte sogar bewusst hinaus, um auf diese Weise Geld zu sparen – damit würden diese Frauen aber auch das Risiko einer Infektion eingehen, wie es in der Untersuchung heißt.

Laut Plan International sind junge Frauen am stärksten von Periodenarmut betroffen: Fast drei Viertel der 16- bis 25-Jährigen würden sich besser versorgen, wenn die Hygieneprodukte preisgünstiger wären.

Frauen mehr belastet als Männer

Die Coburger Grünen weisen in ihrem Antrag aber noch auf einen weiteren Aspekt hin: Durch den Mangel an kostenfreien Hygieneprodukten würden weibliche Personen aufgrund ihres Geschlechts und der damit verbundenen „Besonderheiten“ wie der Menstruation gegenüber männlichen Personen „deutlich mehr belastet“ – nicht nur gesundheitlich und körperlich, sondern auch finanziell. Der deutsche und der bayerische Jugendring sowie das Kinderhilfswerk würden deshalb schon lange „einen Nachteilsausgleich durch Behörden auf allen Ebenen“ fordern.

Grüne: „Kleine Geste mit großer Wirkung“

Im Antrag der Grünen-Fraktion ist die Rede von einer „kleinen Geste mit großer Wirkung“, die man sich von der Stadt Coburg wünsche. Die Finanzierung könnte sowohl über Spenden als auch Veranstaltungen sowie den städtischen Haushalt erfolgen.

Abschließend heißt es in dem von Melanie Becker und Kevin Klüglein unterzeichneten Antrag: „Wir bitten den Stadtrat zu Coburg um Zustimmung und ein echtes Zeichen gegen (Perioden) Armut und für Gleichstellung weiblicher Personen.“

Ein vergleichbares Projekt gibt es übrigens bereits in Hessen, wo das Sozialministerium kostenfreie Hygieneprodukte über die Tafel zur Verfügung stellt.

 

 

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