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Konzertmeister als Solist
Ein mystischer Konzertabend der Zuneigung im Globe
Konzertmeister im Globe Solist bei Alban-Berg-Konzert
Konzertmeister Martin Emmerich im Globe, am kommenden Wochenende als Solist zu erleben. // Foto: Carolin Herrmann
Signet des Fränkischen Tags von Carolin Herrmann
Coburg – Konzertmeister Martin Emmerich wird am Wochenende als Solist im Globe spielen - bei einem Konzert, das aus einem bestimmten Grund sicher eine ganz besondere Bedeutung haben wird.

Er tritt aus der Masse der Musiker hervor. Er fällt stets in den Blick, denn er steht auf, noch bevor der Dirigent die Bühne betritt und sorgt für die Einstimmung der Instrumente. Dann fügt er sich wieder unauffällig als Violinist in seine Gruppe.

Das Coburger Publikum ist mit seinem 1. Konzertmeister durchaus vertraut. Am kommenden Wochenende allerdings tritt Martin Emmerich noch ganz anders in Erscheinung: als Solist bei Alban Bergs Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“. Immer wieder stellt das Philharmonische Orchester neben herausragenden Gastsolisten auch die eigenen Leute in den Vordergrund. Zurecht. 

Alban Berg? – Unbedingt, sagt Martin Emmerich. Das Konzert hat ihn schon als Jugendlicher fasziniert.  Zwölftontechnik? Ach, doch nicht nur. Jetzt hat es Generalmusikdirektor Daniel Carter in ein Programm unter dem längst vergangenen, aber plötzlich besonders berührenden Titel „Zueignung“ gestellt. Das ist mehr als „Widmung“ und greift unmittelbar nach dem Hörer und dem Leser…

Andenken an Peter Vörös

Statt wie ursprünglich geplant Draeseke werden am Wochenende trotzig zunächst Wagners Walküren geschickt; sie mögen den vor zwei Wochen plötzlich gestorbenen Posaunisten Peter Vörös in sein Walhalla bringen. Auch hinter Tschaikowskis Sinfonie Nr. 4 im zweiten Teil des Abends steht eine berührende Geschichte. Daniel Carter wird sie sicher zitieren.

Mitten drin Alban Berg (1885 – 1935) und Martin Emmerich.  Bergs 1935 unter der Erschütterung des Todes der 18-jährigen Manon Gropius, der Tochter von Alma Mahler aus der Ehe mit dem Architekten Walter Gropius, geschriebenes Violinkonzert, sein letztes vollendetes Werk, ist perfekt konstruiert, akribisch und rational bis ins letzte „gebaut“, erklärt Martin Emmerich. Und plötzlich erstehe daraus eine geradezu transzendentale Klangwelt. „Ich bin nicht besonders religiös. Aber da ist etwas… Da fragt man sich, woher kommt das.“

Dieses „Andenken eines Engels“ sei schon „a bissl modern“, aber auf einem klassischen Boden. Eine Kärntner Volksweise bringt wohl die Rückbindung, eine „Insel der Harmonie“, zumal da immer wieder faszinierend ein Choral von Bach verwoben ist:  „Es ist genug“. Emmerich wagt zu sagen: „Da ist etwas Mystisches, Magisches“. 

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Ich hätte jederzeit wieder aufhören dürfen, habe es aber nicht getan.

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Martin Emmerich 1. Konzertmeister in Coburg

Martin Emmerich ist seit 2012 in Coburg. Er hat fränkische Verwandtschaft, ist aber in München aufgewachsen, geboren 1986. Er erzählt diese hübsche Geschichte, wie man sie ihm vermittelt hat: Mit zweieinhalb Jahren habe er seiner Mutter mitgeteilt, dass er Violine spielen wolle, werde. Es war wohl eine Kassette mit „Peter und der Wolf“, die ihn da schon gepackt hatte. Die Mutter: Ja klar, ganz normal für einen Zweieinhalbjährigen. Werde du erst mal drei. An seinem dritten Geburtstag, tja, da habe er hartnäckig nach der Geige gefragt. Seine sonst ganz herkömmlich musikalisch aufgestellte Familie resignierte, kaufte Geige, ließ Unterricht erteilen. „Ich hätte jederzeit wieder aufhören dürfen, habe es aber nicht getan.“ Er war allerdings auch von Anfang an in Kinder- und dann Jugendorchestern integriert. „Da war in München halt viel möglich.“

Anfänge in München und Karlsruhe

Nach Unterricht bei einem Musiker der Münchner Philharmoniker dann Studium in Karlsruhe. 2012 sofort Bewerbung auf den Konzertmeister-Posten in Coburg. „Ich wurde genommen.“ Klar, neben dem eigenen technischen Können braucht es da noch einiges mehr. „Learning by doing. Geht aber auch kaum anders. Wie gehe ich mit einer Gruppe von Menschen um, die mir nicht unterstellt sind?“, beschreibt Martin Emmerich die Problematik dieser Führungsaufgabe. Sie sollen ein harmonischer Klangkörper werden, „da nützt weder Befehl noch Kompromiss. Da muss man Konsens erreichen.“ 

Weshalb Emmerich viel Wert auf Kammermusik legt, welche die Musiker und Musikerinnen weiter zusammenschweiße. Das ist die Intention der Kammermusikreihe des Landestheaters, die er mit Kollegen ins Coburger Kulturleben gerufen hat. Und sein weitgreifendes Kammermusikfestival „Klanggrenzen“, das in besonderem Maße auch Kinder und Jugendliche im Blick hat, wird nächstes Jahr doch tatsächlich zehn Jahre alt. Etwa 1000 Schüler werden jährlich im pädagogischen Rahmenprogramm erreicht. 

Nun aber aus dem Harmonieren im Ganzen als Solist ins Rampenlicht. „Die Nervenbelastung ist ja bei jedem Konzert für alle hoch. Aber jetzt, sich hinzustellen und sein Seelenleben vor den Kollegen ausbreiten…“, beschreibt der Konzertmeister die persönliche Herausforderung. „Selbstverständlich ist man auch furchtbar stolz, mit einem Orchester von solcher Qualität wie dem Coburger auftreten zu dürfen.“

Aus der Großstadt ins gepflegte Ländliche, Mittelstädtische? Für Martin Emmerich und seine Familie ist Coburg ein wunderbarer Ort zum Leben, zumal es zentral gelegen ist. Von hier aus kann er die Opern- und Konzerthäuser der Republik, in denen er gefragter Gast ist, leicht erreichen. In Würzburg hat er einen Lehrauftrag. Ach, und dann das Orchester der Bayreuther Festspiele. Dem gehört er seit 2022 an.

Konzert-Tipp

Landestheater Coburg: „Zueignung“. 1. Sinfoniekonzert im Globe am Samstag, 27. September, 20 Uhr, sowie Sonntag, 28. September, 18 Uhr. Mit dem Philharmonischen Orchester des Landestheaters Coburg unter Leitung von Generalmusikdirektor Daniel Carter. Solist ist 1. Konzertmeister Martin Emmerich. Concertino am Samstag, 27. September, 11 Uhr im Globe mit Einblicken in das Programm des Abends.

Programm: Richard Wagner: Der Ritt der Walküren (Zum Gedenken an Peter Vörös). Alban Berg: Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“. Pjotr Iljitsch Tschaikowski: Sinfonie Nr. 4 f-Moll op 36.

Karten gibt es an der Theaterkasse im Globe, an den bekannten Vorverkaufsstellen sowie online unter www.landestheater-coburg.de

 

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