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Landestheater Coburg
Das erste Jahr im Globe: Starke Bilanz
Das Globe strahlt in die Nacht.
Das Globe strahlt in die Nacht. // Jochen Berger
Coburg – Die Direktoren sind „sehr zufrieden“ mit der Interimsspielstätte. Sie sprechen aber auch offen über das eine oder andere Problem. Außerdem geht’s um höhere Preise, neue Zielgruppen und die Demokratie.

Mit einer weiteren Vorstellung der „Rocky Horror Show“ geht an diesem Donnerstag die Spielzeit 2023/2024 des Landestheaters Coburg zu Ende. Es war zugleich die erste Spielzeit im Globe, der schicken Interimsspielstätte am ehemaligen Güterbahnhof.

Globe Coburg
Ein Blick ins Coburg: Der schicke Neubau am ehemaligen Güterbahnhof ist die Interimsspielstätte des Landestheaters Coburg. // Jochen Berger

Die fünf Direktoren, die die Geschicke des Landestheaters Coburg leiten, sprechen im Interview mit dem Coburger Tageblatt über die enormen Besucherzahlen, aber auch über Tonprobleme. Außerdem sagen sie ganz offen, was ihnen durch den Kopf geht, wenn sie am altehrwürdigen Gebäude des Landestheaters am Schlossplatz vorbeilaufen.

Landestheater Coburg
Dieses Quintett bestimmte in der Spielzeit 2023/2024 die Geschicke des Landestheaters Coburg (von links): Kaufmännischer Direktor Bernd Vorjans, Schauspieldirektor Matthias Straub, Ballettdirektor Marc McClain, Generalmusikdirektor Daniel Carter und Operndirektor (und künftiger Intendant) Neil Barry Moss. // Foto: Oliver Schmidt

Herr Vorjans, bevor wir mit den vier künstlerischen Direktoren in die Details gehen: Sie sind ja sozusagen der „Herr der Zahlen“. Die Euphorie rund um die erste Spielzeit im Globe war sehr groß. Schlägt sich das auch in konkreten Zahlen nieder?

Verwaltungsdirektor Bernd Vorjans: Ja, die Spielzeit 2023/24, also die erste Spielzeit im Globe, ist überaus erfolgreich gelaufen. Die neue Spielstätte wurde vom Publikum sehr gut angenommen. Es gab viele ausverkaufte Vorstellungen, insbesondere bei den Publikumsrennern „Rocky Horror Show“ und „Kiss Me, Kate“. Aber auch in den anderen Sparten gab es sehr erfolgreiche Inszenierungen und Choreografien wie „Die Physiker“ und „Romeo und Julia“. 

Die Spielzeit läuft ja noch, aber wir gehen davon aus, dass wir für alle Spielstätten zusammen eine Gesamtbesucherzahl von etwa 90.000 haben werden. Das heißt, statistisch gesehen war jeder Einwohner Coburgs zweimal in unseren Häusern.

Obwohl es so gut läuft, werden die Karten ab der kommenden Spielzeit teurer. Und wer am Globe parken möchte, muss künftig ebenfalls bezahlen. Wie lässt sich das rechtfertigen?

Bernd Vorjans: Angesichts von kumulierten Tarifsteigerungen und einer Inflationsrate im zweistelligen Bereich seit der letzten Preiserhöhung mussten wir mit einer im Verhältnis dazu moderaten Preiserhöhung reagieren. Unsere neuen Preise wurden von unseren Abonnenten gut angenommen. Auch der gerade gestartete Verkauf von Einzeltickets verläuft sehr erfreulich.

Der neue Parkplatz am Globe wurde von der Stadt gebaut und stellt eine große Verbesserung dar. Zu den zukünftigen Preisen, die von der Stadt festgelegt werden, können wir im Augenblick leider noch nichts Genaues sagen.

„Rocky Horror Show“ im Globe Coburg
Richard O’Brien’s „The Rocky Horror Show“ gab es in der Spielzeit 2023/2024 als Produktion des Landestheaters Coburg im Globe. // Annemone Taake

Herr Straub, die „Rocky Horror Show“ war ein riesiger Publikumsmagnet. Aber ausgerechnet bei diesem Stück offenbarten sich auch ein paar technische Mängel, die das Globe als Ersatzspielstätte hat. Wie fällt Ihre Gesamtbilanz für das erste Globe-Jahr aus?

Schauspieldirektor Matthias Straub: Natürlich waren wir schon vor dem Umzug ins Globe auf zu erwartende Kinderkrankheiten gefasst, aber dass es ausgerechnet das Soundsystem betreffen würde, hat uns alle überrascht. Doch wo es Probleme gibt, gibt es auch Lösungen – und so arbeiten die Kolleginnen und Kollegen aus allen Abteilungen gemeinsam Schritt für Schritt an individuellen Anpassungen und Verbesserungen für die Anforderungen unserer Produktionen auf der Bühne. Insgesamt lernen wir darauf zu reagieren, damit umzugehen und wappnen uns für eine mindestens genauso erfolgreiche zweite Spielzeit im Globe. Denn die Resonanz auf unsere erste Spielzeit war fulminant.

Rocky Horror Show im Globe Coburg
Die „Rocky Horror Show“ war der große Publikumsrenner in der ersten Spielzeit des Landestheaters Coburg in der Interimsspielstätte Globe. // Oliver Schmidt

Beim Blick aufs Programm der kommenden Spielzeit wird deutlich, dass mit vielen neuen Formaten auch neue Zielgruppen erreicht werden sollen. Vor allem auch ein jüngeres Publikum. Wie wichtig ist es, Kultur möglichst breit in der Gesellschaft zu verankern?

Matthias Straub: Den Fokus auf neue Zielgruppen zu richten ist absolut notwendig, denn alle Kultureinrichtungen haben erkannt, dass man unbedingt auch den „Nachwuchs“ für ein zukünftiges Publikum „bespielen“ muss. Das darf niedrigschwellig sein mit unterhaltsamen Angeboten, beinhaltet aber genauso auch gesellschaftskritische Themen in junger Lesart und neuer Ästhetik. Außerdem braucht es eine enorme Durchmischung aller kulturellen Einflüsse auf unser Leben, seien es Theater oder Musik, Sport oder Bildung und so weiter. Da müssen wir besser werden, was den interdisziplinären Austausch betrifft.

Operndirektor Neil Barry Moss: Kultur ist teilweise die einzige Chance, die wir haben, die Demokratie zu bewahren. Das beginnt mit einer Investition in unserer Jugend. Jede Generation ist es wert und jede und jeder, die/den wir erreichen können, ist ein Gewinn. Nicht nur für die Kultur als solche, sondern für unsere Coburger Gesellschaft.

Mehr zum Ausblick auf die kommende Spielzeit im Globe lesen Sie hier:

Herr Straub, Sie wohnen in der Innenstadt, laufen wahrscheinlich täglich am Großen Haus am Schlossplatz vorbei - werden Sie da manchmal wehmütig?

Matthias Straub: Das hängt komischerweise von der Tageszeit ab: Morgens wirkt es auf mich wie ein Baudenkmal, wenn die Besuchergruppen mit den Stadtführer*innen davor Halt machen. Dann schnappt man Sätze auf wie: „...und das ist unser Berliner Flughafen.“ Darüber kann ich schmunzeln. Gegen Abend, wenn dieses wunderschöne Gebäude in das für Coburg so typische Licht der Dämmerung getaucht wird und man von den Arkaden herüberschaut, dann beschleicht mich eine Wehmut – wohl wissend, dass ich den Umzug zurück als Verantwortlicher nicht mehr gestalten werde.

Neil Barry Moss: Es inspiriert und motiviert mich weiterhin für das Haus und diese Stadt zu kämpfen. Das Landestheater ist eine von den wenigen Sachen, die uns als Coburg von unseren fränkischen und bayrischen Nachbarn unterscheidet.

Landestheater Coburg
Mit Schwung in die nächste Spielzeit (von links): Ballettdirektor Marc McClain, Schauspieldirektor Matthias Straub, Ballettdirektor Marc McClain, Operndirektor Neil Barry Moss und Generalmusikdirektor Daniel Carter. // EIKE WALKENHORST

Herr Moss, die erste Spielzeit im Globe war zugleich Ihre erste Spielzeit als Operndirektor. Wie sind Sie mit den damit verbundenen Herausforderungen zurechtgekommen?

Neil Barry Moss: Ich möchte mich zuerst bedanken für die herzliche Art und Weise, wie ich von den Kolleginnen und Kollegen und vom Publikum aufgenommen wurde. Wir (das Haus und ich) sind gemeinsam durch viele schwierige und überraschende Momente gegangen, die uns auf die Probe gestellt und geprägt haben. Viele unserer Herausforderungen haben wir bewältigt und manche bleiben weiterhin unsere gemeinsamen Ziele. Eines ist aber sicher: Dadurch sind wir alle als Team stärker geworden und freuen uns auf die nächste Spielzeit. Jetzt aber geht das Theater erstmal in den verdienten Urlaub!

Globe Coburg
„Kiss me, Kate!“: Die Neuinszenierung im Globe Coburg war ein großer Erfolg. // Marco Sommer

Mit der „Götterdämmerung“ wurde der Ring abgeschlossen – das vergleichsweise kleine Landestheater Coburg hat also einen riesigen Kraftakt bewältigt. Wie stolz sind Sie darauf, und lässt sich das überhaupt noch steigern?

Neil Barry Moss: Wir können uns alle demütig auf den Schultern klopfen – dies war eine Mammutaufgabe und ein Mammuterfolg, der auch in der Süddeutschen Zeitung gepriesen wurde.

Herr Carter, anders als bei Rocky war die Akustik im Globe bei den Konzerten und Opern von Anfang an top. Wie sehr fühlen Sie sich in der Interimsspielstätte wohl?

Generalmusikdirektor Daniel Carter: Wir fühlen uns im Globe akustisch sehr wohl, vor allem in den Konzerten. Wir haben jetzt einen Raum der wirklich ‚klingt‘, und das führt dazu, dass man die Stücke ein bisschen anders angehen kann. Man kann zum Beispiel sehr, sehr leise spielen und trotzdem wissen, dass der Klang beim Publikum ankommt. Sowas ist für Musiker immer eine riesige Freude!

Globe Coburg
Das Philharmonische Orchester des Landestheaters fühlt sich wohl im Globe – hier ein Foto vom letzten Sinfoniekonzert „Sphärische Räume“. // Kristina Rauscher

Herr McClain, last, but not least: Wie ist das Ballett mit dem Globe zufrieden?

Mark McClain: Sehr zufrieden! Das Publikum hat von Anfang an so begeistert mitgefiebert, dass die Kompanie wie auf Flügeln davon geflogen ist. Wir alle waren sehr vom neuen Gebäude imponiert und glücklich. Es ist einfach schön. Inzwischen haben unsere Techniker auch das Haus so ertüchtigt, dass wir uns wie in einem Theater fühlen, auch wenn wir noch dabei sind, uns an das Haus zu gewöhnen und zu arrangieren. 

Mir erscheint es so, als ob die Kompanie ein Stück erwachsener geworden ist. Sie haben die zwei Ballettabende der Spielzeit, ob es „Romeo und Julia“ oder der sehr viel modernere Abend „Der Tod und das Mädchen“ gewesen ist, mit Herzblut, Leidenschaft und Technik erfüllt. So ein schönes Interimshaus habe ich mir bestimmt nicht vorgestellt. Manchmal muss man eben Schwein haben! 

Eröffnung Globe: Ankunft des Publikums

Zur Eröffnung strömen die geladenen Gäste - Zeitraffer-Video von Andreas Brückner

Das Globe ist aber kein Theater. Einen Ballettsaal gibt es nicht. Im Multifunktionsraum, der als Garderobe, Kinderchorsaal und anderes genutzt wird, gibt es keinen Linoleumboden, der für Spitzenschuhe geeignet ist, und keine Spiegel. Auf der Bühne können wir nur proben, wenn wir ein Ballett ohne Orchester einstudieren, sonst müssen wir uns mit dem Orchester arrangieren, damit wir die Zeit sinnvoll nutzen können und einander nicht stören. Es braucht eine sehr genaue Vorplanung, und wir müssen doch einige Abstriche machen. Da wir sicherlich noch Minimum zehn Jahre im Globe Coburg als Interim sein werden, ist es jetzt an uns, das Beste draus zu machen.

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