Seit genau drei Jahren ist Daniel Carter als Generalmusikdirektor am Landestheater in Coburg tätig. Ohne Übertreibung darf gesagt werden: Er hat es in dieser relativ kurzen Zeit geschafft, die Herzen (und die Ohren!) des Coburger Theaterpublikums zu erobern.
Sinfoniekonzert am 25. und 26. Februar
Im Interview mit dem Coburger Tageblatt spricht Daniel Carter über das bevorstehende 4. Sinfoniekonzert (Termine: Sonntag, 25. Februar, sowie Montag, 26. Februar), gibt einen Ausblick auf die größte Herausforderung für sein Philharmonisches Orchester in dieser Spielzeit, und er verrät, warum er in den vergangenen Wochen eher selten in Coburg war.
Herr Carter, kann es sein, dass wir Sie seit dem Neujahrskonzert kaum noch in Coburg gesehen haben?
Ja, das stimmt. Ich hatte schon vor zwei Jahren ein Gastdirigat in Malmö vereinbart: Turandot! Premiere war am 3. Februar.
Oh, erzählen Sie uns mehr davon!
Das war eine superschöne Erfahrung! Zum einen, weil ich vorher noch nie in Schweden war. Zum anderen, weil vieles dort am Theater völlig anders abläuft.
Zum Beispiel?
Wenn wir hier mit dem Orchester proben, dann sind das zwei Blöcke am Tag. Die erste Probe ist gegen Mittag, die zweite am frühen Abend. In Malmö haben die Proben immer fünf Stunden am Stück gedauert. Das ist anstrengend. Aber die Schweden sagen, dass dies doch viel familienfreundlicher sei, weil der Tag nicht so zerrissen wird.
Sie waren unter anderem schon in Wien und Berlin tätig, jetzt in Malmö – kommen Sie da trotzdem noch gerne ins kleine Coburg zurück?
Ja, ich liebe Coburg! Ich fühle mich sehr wohl hier. Ich wurde sehr warm empfangen, und es ist auch eine superschöne Stadt. Neulich hatte ich einen Termin im Rathaus und habe zum Fenster hinaus zum Marktplatz geschaut: Das ist einfach herrlich!
Und dann hat das Landestheater jetzt auch noch das herrliche Globe!
Ja, das Globe bereitet uns viel Freude. Ich empfinde es als Privileg, dabei zu sein, wie hier ein neues Kulturzentrum entsteht. So etwas dürfen nur wenige Theaterleute im Laufe ihrer Karriere erleben.
Als Generalmusikdirektor sind Sie wahrscheinlich am meisten von der Akustik begeistert.
Die Akustik ist wirklich wunderbar! Wir sind zwar immer noch ein bisschen am Schrauben und Ausprobieren, aber da geht’s um Feinheiten.
Welche Feinheiten sind das?
Wir testen zurzeit, ob wir die Wände im Orchestergraben noch mit etwas Stoff verkleiden. Das würde ein bisschen zur Dämpfung beitragen – nicht nur fürs Publikum, sondern auch für die Musiker, die im Graben sitzen.
Obwohl die Akustik im Globe so toll ist, dirigieren Sie das 4. Sinfoniekonzert gar nicht selbst. Stattdessen wurde mit dem renommierten Sebastian Tewinkel ein Gastdirigent geholt. Warum?
Weil wir sowohl dem Orchester als auch dem Publikum eine Mischung anbieten wollen.
Fürs Orchester ist das sehr bereichernd. Jeder Gastdirigent hat etwas anderes anzubieten und gibt somit neue Impulse. Es wäre ungesund fürs Orchester, wenn immer nur ich vorne am Pult stehen würde. Das ist so, als ob wir immer nur Beethoven spielen würde. Es muss auch mal Mozart und Brahms dabei sein. Ein Gastdirigent ist deshalb eine gute Möglichkeit, ein Orchester zu entwickeln.
Und was hat das Publikum davon?
Das ist total magisch: Wenn unser Orchester zum Beispiel ein Stück von Gustav Mahler spielt und ich dirigiere, dann hört sich das komplett anders an als wenn ein anderer Dirigent das Orchester leitet.
Woran liegt das?
Das lässt sich gar nicht genau erklären. Das hat mit der Chemie zwischen Dirigent und Orchester zu tun. Manchmal stimmt sie, manchmal stimmt sie nicht.
Sie haben Mahler bereits erwähnt: Beim 4. Sinfoniekonzert stehen Werke von Gustav Mahler und Robert Schumann auf dem Programm. Worauf genau darf sich das Publikum freuen?
Das ist ein super Programm. Gustav Mahler und Robert Schumann sind die beiden bedeutendsten Komponisten der Romantik beziehungsweise der Spätromantik.
Von Mahler wird mit dem 1. Satz seiner 2. Symphonie ein Riesending zu hören sein!
Ein „Riesending“?!
Dieser 1. Satz hat eine extreme Dynamik und eine sehr große, emotionale Bandbreite. Mal ganz leise, dann ganz laut – mal sehr langsam, dann außerordentlich schnell.
Außerdem stehen die „Kindertotenlieder“ von Mahler auf dem Programm.
Ja, das sind sehr bewegende Texte. Als Solistin wird unser Ensemblemitglied Kora Pavelic zu hören sein.
Und dazu gibt’s noch Schumann.
Ja, seine 4. Sinfonie. Die ist fast ein bisschen wie Brahms. – Es wird auf jeden Fall ein sehr abwechslungsreiches Konzert!
Werden Sie im Publikum dabei sein?
Natürlich! Und es wird mich sehr stolz machen, mein Orchester mit einem anderen Dirigenten spielen zu hören. Ich habe großes Vertrauen in mein Orchester, es ist ein sehr, sehr gutes Orchester.
Die größte Herausforderung in dieser Spielzeit steht Ihrem Orchester aber noch bevor!
Stimmt. Ende März beginnen wir mit den Orchesterproben für die Götterdämmerung. Die Sängerinnen und Sänger proben bereits seit Anfang Februar. Denn die Götterdämmerung ist wirklich eine große Herausforderung. Rein musikalisch kommt eine schwierige Stelle nach der anderen. Hinzu kommt die enorme Länge: Allein der Prolog dauert 45 Minuten! Erst danach beginnt der 1. Akt…
Wie sehen die Proben für so eine Herausforderung aus? Das klingt ja, als ob auch körperliche Fitness wichtig ist, um einen solchen „Marathon“ durchzustehen.
Man kann sich das in der Tat so ein bisschen vorstellen wie das Training für ein Wettrennen. Man muss mit kleinen Stücken anfangen und sich dann immer weiter steigern.
Nur mal so als Beispiel, wie wichtig das ständige Üben ist: Ich war früher in der Lage, als Repetitor acht Stunden am Stück Klavier zu spielen – heute finde ich es anstrengend, wenn ich länger als eine halbe Stunde spielen muss.
Mit der Götterdämmerung schließt sich der Kreis beziehungsweise der Ring. Das Landestheater hat dann alle vier Teile des berühmten Opernzyklus von Richard Wagner auf die Bühne gebracht.
Ja, und darauf bin ich sehr stolz! Der Ring ist eine große Herausforderung für das gesamte Haus – nicht nur fürs Orchester und alle Akteure auf der Bühne, sondern auch für alle hinter der Bühne, zum Beispiel für die Technik, auch für die Schneiderei und die Maske. Und wir haben gezeigt: Unsere Mannschaft kann das! Das spricht für Coburg, und das ist echt cool!
Wenn der Ring vorbei ist – was kommt dann? Dürfen Sie uns schon verraten, was 2024/205 auf dem Programm steht?
Nein, ich darf nichts verraten! Obwohl, sagen wir mal so: Im November ist der 100. Todestag von Puccini. Deshalb werden wir zur Eröffnung der neuen Spielzeit bestimmt etwas von Puccini machen. Puccini ist der Opernkomponist schlechthin, trotzdem war er in Coburg schon lange nicht mehr zu hören.
Sebastian Tewinkel dirigiert das 4. Sinfoniekonzert im Globe Coburg
Zum Konzert Das 4. Sinfoniekonzert dieser Spielzeit trägt den Titel „Aus tiefster Seele“. Am Sonntag, 25. Februar, 18 Uhr, sowie am Montag, 26. Februar, 20 Uhr, kommen – jeweils im Globe in Coburg – Werke von Gustav Mahler und Robert Schumann zur Aufführung. Es dirigiert Sebastian Tewinkel. Karten gibt es online hier oder auch an der Theaterkasse, die sich nach wie vor im Großen Haus am Schlossplatz befindet. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag jeweils von 10 bis 17 Uhr, Samstag von 10 bis 12 Uhr.
Wer ist Sebastian Tewinkel?
Zum Gastdirigenten Sebastian Tewinkel stand als Gast bereits am Pult zahlreicher Orchester: er leitete unter anderem das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die Bamberger Symphoniker, die Münchner Philharmoniker, die Radio-Philharmonie Hannover sowie das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart. Von 2002 bis 2013 war er Chefdirigent des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim und von 2009 bis 2015 der Kammerphilharmonie Graubünden in Chur. Von 2015 bis 2023 war Sebastian Tewinkel Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Neubrandenburger Philharmonie.
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