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Landestheater Coburg
Der neue Intendant erklärt seine Pläne
In Rekordzeit hatte es Neil Barry Moss bis an die Spitze des Landestheaters Coburg geschafft. Doch bereits zwei Jahre nach seiner Ernennung zum Intendanten ist er diesen Posten jetzt auch schon wieder los.
In Rekordzeit hatte es Neil Barry Moss bis an die Spitze des Landestheaters Coburg geschafft. Doch bereits zwei Jahre nach seiner Ernennung zum Intendanten ist er diesen Posten jetzt auch schon wieder los. // Archiv/Jochen Berger
Coburg – Neil Barry Moss äußert sich zu seiner überraschenden Berufung und erklärt Hintergründe. Mit kürzeren Vertragslaufzeiten will er künftig Spielraum gewinnen, um ein hohes Niveau zu erhalten.

Warum ist Neil Barry Moss plötzlich Intendant des Coburger Landestheaters? Und was macht der jetzt da? – Bitte nicht schon wieder Irritationen, nachdem doch gerade der Umzug aus dem renovierungsbedürftigen Bau am Schlossplatz in das Aufsehen erregende Globe bewältigt wurde, und zwar mit einer glorreichen ersten Spielzeit, aber offensichtlich auch Problemen zum Start der zweiten Spielzeit im Globe.

Was passiert mit dem Ballett?

Gerade hatte der entscheidende Verwaltungsausschuss nach der Nichtverlängerung von Bernhard Loges das Direktoren-Modell zur Leitung des Landestheaters ausgerufen, da kam im Juli diesen Jahres sehr überraschend die Ernennung des gebürtigen Südafrikaners, der erst seit der laufenden Spielzeit als Operndirektor in Coburg waltete. Es gab nicht in allem nachvollziehbare Erklärungen von Seiten der Stadt. Dann machte sich Moss mit der Nichtverlängerung von zwei Tänzern zur nächsten Spielzeit gleich mal unbeliebt: Steht die Tanzsparte zur Disposition, wie das unter Dieter Gackstetter, Intendant von 2001 bis 2007, schon einmal der Fall war, fuhr es so manchem in die Glieder.

Neil Barry Moss, Intendant des Landestheaters Coburg
Neil Barry Moss, Intendant des Landestheaters Coburg // Elke Walkenhorst

Jetzt, unmittelbar nachdem die Mitarbeiter des Theaters intern informiert worden waren, erläuterte Neil Barry Moss im Gespräch mit dem Tageblatt die Hintergründe zu den aktuellen Ereignissen in Organisation und Planung des Landestheaters Coburg.

Bernd Vorjans, Kaufmännischer Direktor des Landestheaters Coburg
Bernd Vorjans, Kaufmännischer Direktor des Landestheaters Coburg // Annemone Taake

In der ersten Spielzeit im Globe glänzte das Landestheater nach außen. Doch, so erläutert Moss, in den internen Abläufen mit etwa 240 Mitarbeitern ist – wie zu erwarten – vieles ungelöst und problematisch, was man natürlich nicht nach außen kommuniziert. Ständig sind schnelle neue Regelungen gefordert. Doch fünf Entscheidungsträger, die auch noch jeweils für die Interessen ihres eigenen Bereiches stehen, unter einen Hut bringen? Generalmusikdirektor Daniel Carter, Neil Barry Moss als Operndirektor, Schauspielchef Matthias Straub, Ballettdirektor Mark McClean sowie nach dem Weggang von Fritz Frömming seit Februar Bernd Vorjans als Kaufmännischer Direktor.

Die Interessen des gesamten Hauses stellen sich mitunter anders dar als die der einzelnen Sparten. Der Ausgleich mag in lange erprobten Abläufen gelingen. Doch wenn plötzlich vieles offen ist… „Wir sind nicht einfach ins Globe gewechselt“, sagt Bernd Vorjans, „es gibt in sämtlichen Bereichen sehr viele Anpassungen vorzunehmen und das muss schnell geschehen.“ – Deshalb die plötzliche Rückkehr zum Entscheidungsmodell mit Intendant als künstlerischem und Verwaltungsdirektor als wirtschaftlichem Leiter des Theaters.

Moss muss sparen

Und, ja, wie befürchtet: Neil Barry Moss wurde mit dem Auftrag zu sparen berufen. Doch ihm wurde – wie in der Vergangenheit durchaus schon geschehen – keine konkrete Summe aufgedrückt. Angesichts der sich deutlich verschlechternden wirtschaftlichen Situation im ganzen Land sind alle Ämter und Betriebe der Stadtverwaltung aufgerufen, die kommunalen Ausgaben zu überprüfen. „Das muss auch für das Theater gelten“, zeigt Moss Verständnis.

In der Vergangenheit hatte die Stadt Überziehungen des Etats meist ausgeglichen. Schließlich handelt es sich beim Landestheater über einen nicht bis ins allerletzte durchplanbaren künstlerischen Betrieb, der zudem eine durchaus überregional zu nennende Rolle spielt. Was wäre Coburg ohne sein in viele gesellschaftliche Bereiche ausstrahlendes Drei-, mit eigenständigem Konzertbetrieb Vier-Sparten-Haus? Moss und Verwaltungsdirektor Bernd Vorjans wollen dieses Jahr mit den vom Freistaat Bayern und der Stadt Coburg überwiesenen Zuschüssen auskommen, heuer insgesamt 16,5 Millionen Euro (6,7 Millionen Euro vom Freistaat, 9,84 Millionen von der Stadt).

Neue Vertragsformen

Da stand er nun im Sommer, Neil Barry Moss, im Urlaub, und fragte sich „Was mach’ ich jetzt?“ Weder will er im künstlerischen Anspruch noch in Menge und Vielfalt des Programmes nachgeben, das betont er ausdrücklich. Er will aber flexibler in der Personalgestaltung agieren. – Wie kann das aussehen, ist das die Umschreibung für letztendlich eine Mogelpackung?

Statt der üblichen Festverträge mit beispielsweise zwei Jahren Mindestlaufzeit will Moss mehr „Teilfestverträge“ nutzen, je nachdem, was die Spielzeitplanung erfordert. Das komme vielen Darstellern, vor allem im Musiktheater durchaus entgegen. „Wenn ich in einer Spielzeit eine Koloratursopranistin nur ein- oder zweimal brauche“, erklärt Moss, dann habe diese Sängerin auch die Möglichkeit, an anderen Häusern unter Umständen mehr zu verdienen. Aus der Sicht junger, um ihre Zukunft kämpfende Künstler dürfte sich das weniger positiv darstellen.

Neue künstlerische Impulse

Moss will die elementare feste Ensemblebildung nicht aufgeben, nur eben flexibler werden. „Wenn ich gerade auch im Hinblick auf das 200. Jubiläum 2026/27 Freiräume schaffen will, dann muss ich jetzt damit beginnen“, sagt Moss und wirft nebenbei ein, dass an anderen Theatern andere Intendanten zum Start in ganz anderem Umfange Personal auswechseln. – Wozu sie auch das Recht haben, wenn sie neue künstlerische Impulse setzen wollen und sollen. Auch in Musiktheater und Schauspiel laufen zum Ende dieser Spielzeit Verträge aus und Künstler gehen in Ruhestand. Diesen Umstand will Moss eben für Teilfestverträge nutzen. Und was das Ballett anbelangt, „dann holen wir uns für größere Produktionen weitere Tänzerinnen und Tänzer auf dieser Basis. Wir werden das Ballett nicht aufgeben, nie und nimmer.“

Multitalente gesucht

Operette und Musical sollen in Coburg auch weiterhin eine große Rolle spielen. „Wir haben dafür bisher stets mit vielen teuren Gästen agiert.“ Ziel sei es, noch mehr Produktionen (wie etwa die Rocky Horror Show) ganz oder weitgehend aus dem eigenen Haus zu besetzen, wozu er auch mehr Multitalente braucht. Wobei sich die Spartengrenzen im Theater ohnehin immer mehr weiten. Schauspiel mit Musik wird immer beliebter und braucht musikalisch begabte Darsteller. Sänger, die sich nicht bewegen können, sind heute schnell lachhaft. Im Musical ist oftmals Gesang, Schauspielkunst und Tanz von einem Darsteller gefordert.

Aus diesem Vorgehen verspricht sich der Intendant auch größere Handlungsfreiheit im Spielplan. Wenn eine Produktion wie aktuell „Don Karlos“ schlecht läuft, dann will er in der Lage sein, sie abzusetzen und statt dessen erfolgreiche Stücke spielen lassen oder gar Beliebtes aus der Vergangenheit wieder aufnehmen. Mit Gästen geht das kaum.

Landestheater und Stadt Coburg müssen gut miteinander kooperieren, und Moss wie Vorjans betonen, dass die Zusammenarbeit sehr gut sei. „Zum Sündenbock für das, was die Stadt zu verantworten hat, will ich mich aber nicht machen lassen.“ Da wird Moss in aller Freundlichkeit nun doch entschieden.

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