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Landestheater
Premiere in Coburg: Lieder auf all die flüchtenden Lolas
Premiere in Coburg: Jenifer Lary spielt die Lola beziehungsweise gleich drei Lolas.
Premiere in Coburg: Jenifer Lary spielt die Lola beziehungsweise gleich drei Lolas. // Foto: Bastian Suffa
Signet des Fränkischen Tags von Carolin Herrmann
Coburg – Das Landestheater gibt in der Reithalle Georg Kreislers Musical „Heute Abend: Lola Blau“ eindrucksvoll, aber auch recht ausführlich. Insgesamt gibt es sogar drei Lolas.

Sie leben aus dem Koffer, sind also ein Leben lang unbehaust, heimatlos, Flüchtlinge, Asylanten, Fremde. Im Theater in der Reithalle ist es zwar ein großer Koffer, den Bühnenbildnerin Sarah Prinz da in den dunklen Raum gestellt hat. Doch müssen auch drei Lolas aus ihm leben. Denn Regisseurin Sally Eiblinger hat Georg Kreislers vor den Nazis geflüchtete Jüdin Lola Blau in drei zeitliche Varianten aufgeteilt: die Wiener Schauspielerin, die 1938 auf ihren Durchbruch hofft, die Ukrainerin 2022 und eine zukünftige lesbische Lola 2030, die auch keine Chance hat in einer nicht minder genormten zukünftigen Gesellschaft. 

Uraufführung 1971 in Wien

Ob es derlei Aktualisierung des Musicals „Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler, uraufgeführt 1971in Wien, tatsächlich braucht, ist die Frage, denn die ursprüngliche Geschichte ist bedrängend genug. Sie wird in durchaus opernhaft seelischer Tiefe in den Liedern Kreislers dargelegt. Dazu tönen aus dem auf dem Flügel positionierten Volksempfänger historische Einspielungen, die uns in der aktuellen weltpolitischen und bundesrepublikanischen Wirrnis besonders erschrecken und mahnen. 

Am Landestheater Coburg feierte Georg Kreislers Musical „Heute Abend: Lola Blau“ Premiere. In dem Ein-Personen-Stück ist Jenifer Lary) zu sehen.
Am Landestheater Coburg feierte Georg Kreislers Musical „Heute Abend: Lola Blau“ Premiere. In dem Ein-Personen-Stück ist Jenifer Lary) zu sehen. // Foto: Bastian Suffa

Und keine Frage: Jenifer Lary als Darstellerin der dreifachen Lola macht ihre Sache gut, wandelt sich geschickt, gibt alles vom lieblichen Wiener Mädel, über die international versierte „Dame von Beruf“, die den Männern beim Länderverteilen hilft, über die trällernde Operettensoubrette bis zum satirischen Parforce-Ritt in der Anbiederung an den Herrn Direktor nach ihrer Rückkehr ins schnell selbstvergessene Nachkriegs-Wien mit all seinen selbstgefälligen, alles richtiggemachthabenden Frau Schmidts. Die junge Wienerin Jenifer Lary mit Wurzeln in Tirol und Israel, wie es in ihrer Vita heißt, ist Gast am Landestheater Coburg, derzeit auch als Fischerstochter Annina in „Eine Nacht in Venedig“. 

Karriere in den USA

Georg Kreisler (1922 in Wien – 2011 in Salzburg) übertrug seine eigenen Lebenserfahrungen in dieses theatrale, kabarettistische Theaterstück. Er begann seine Karriere in den USA, arbeitete unter anderem mit Charlie Chaplin; es ist mitunter sein Spiel in Filmen, wenn man Chaplin am Klavier sitzen sieht. Er kehrte 1955 nach Österreich zurück, es nach all dem Geschehenen ablehnend, Österreicher zu sein, um dann als Komponist, Pianist, Sänger, bissiger Dichter, rabenschwarzer Satiriker und Wienerlied-Parodist in das Repertoire der deutschsprachigen satirischen Chansons-Interpreten und Kabarettisten einzugehen. 

Eine junge Frau möchte ihr Leben leben. Doch die Welt lässt Lola (Jenifer Lary) kaum Chancen.
Eine junge Frau möchte ihr Leben leben. Doch die Welt lässt Lola (Jenifer Lary) kaum Chancen. // Foto: Bastian Suffa

Kreislers musikalisch wie inhaltlich weitgreifende Lieder sind eigenwillige Kunststücke, oftmals ans Dadaeske grenzende Wortspinnereien um die meist eher weniger liebenswerten Eigenheiten von Männern und Frauen und die Welt an sich, die Jenifer Lary differenziert, sensibel und wo nötig temperamentvoll gibt, ebenso vielseitig und einnehmend begleitet von Kieran Staub am Flügel. 

Der raffinierte Sprachwitz nützt irgendwann nichts mehr

Doch zweieinhalb Stunden in diesem dann doch recht gleichbleibend melancholisch drückenden Stil – das will ausgehalten sein. Da nützen auch der raffinierte Sprachwitz Kreislers und das inszenatorische Geschick irgendwann nichts mehr. An der Selbstbespiegelung der Theaterleute im Leiden des Künstlers am Theater, na, da zumindest könnte man ein bisschen kritische Selbstdisziplin üben. 

Landestheater Coburg: Heute Abend: Lola Blau

  • Musical für eine Schauspielerin von Georg Kreisler
  • mit Jenifer Lary in der Rolle der Lola. 
  • Inszenierung Sally Eiblinger
  • Musikalische Leitung/Klavier: Kieran Staub
  • Bühne: Sarah Prinz
  • Kostüm: Andreas Brehm
  • Licht: Klaus Bröck
  • Dramaturgie: André Sievers
  • Weitere Aufführungen 25. und 26. Februar sowie 7. März, jeweils 20 Uhr in der Reithalle
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